101 Dalmatiner

Kann die Neuauflage eines Zeichentrickfilms mit echten Schauspielern und lebendigen Tieren ebenso gut sein wie das gezeichnete Original?


von Heinz Gnehm


Beim Original handelt es sich um den gleichnamigen Disney-Klassiker, der vor über 35 Jahren in unsere Kinos kam. Wenn man bedenkt, dass der Zeichentrickfilm zahlreiche Tierszenen enthält und 101 Dalmatiner auftreten lässt, so standen die Disney-Studios mit ihrem Remake wohl vor einer sehr schwierigen Aufgabe. Sie haben aber die Herausforderung angenommen und einen wirklich brillanten Film daraus gemacht.

Bereits der Beginn ist fulminant, wenn der Dalmatiner-Rüde Pongo des Videospiel-Programmierers Roger (Jeff Daniels) im Park die Dalmatiner-Hündin Perdy der Mode-Designerin Anita (Joely Richardson) erblickt. Wie ein Verrückter hetzt der Hund den beiden nach und zieht den verängstigten Roger auf seinem Fahrrad hinterher. Nach einem unfreiwilligen Bad im Teich lernt Roger darauf Anita kennen, zieht aber bald wieder von dannen. Jetzt beginnt Perdy den beiden nachzujagen und diesmal landet Anita im Wasser. So durchnässt wärmen sich die beiden vor dem Kaminfeuer bei Roger wieder auf und ein paar Szenen weiter läuten bereits die Hochzeitsglocken. Derart vereint stellt sich bald Nachwuchs ein, und zwar gleich bei Mensch und Hund!


Anita und ihre pelznärrische Chefin Cruella DeVil

Pelztragen ist Gewissensfrage!

Insgesamt 15 süsse kleine Welpen bringt Perdy zur Welt und Roger ist dabei so nervös, als ginge es um seinen eigenen Nachwuchs. Kaum sind sie geboren, taucht auch schon Cruella DeVil (Glenn Close) auf. Die Besitzerin eines Modeunternehmens und Chefin von Anita ist ganz wild auf Pelze und geht buchstäblich über Leichen, um an immer ausgefallenere Felle zu kommen. Ein gepunkteter Dalmatiner-Mantel steht dabei zuoberst auf ihrer Wunschliste und sie bietet Anita und Roger eine grosse Geldsumme an, um damit die fünfzehn Welpen aufzukaufen. Die beiden lehnen das grosszügige Angebot aber dankend ab und wollen die Hunde lieber behalten , ls sie Cruellas Garderobe zu überlassen.

So einfach lässt sich Cruella aber nicht von ihrem Vorhaben abbringen und sie heuert die etwas beschränkten Gangster Jasper (Hugh Laurie) und Horace (Mark Williams) an, die die Welpen entführen sollen. Sie überwältigen die Haushälterin Nanny (Joan Plowright) und bringen die Welpen zu einem verwahrlosten Landgut, wo sich alsbald 99 gestohlene Dalmatiner tummeln. Als Pongo feststellen muss, dass seine Jungen weg sind, bellt er eine Vermisstenmeldung in die Londoner Nacht hinaus. Der Ruf verhallt nicht ungehört, ein Hund hat die beiden Bösewichte gesehen und Pongo und Perdy machen sich unverzüglich auf den Weg. Die Tiere des Landguts organisieren inzwischen die Befreiung der Welpen, die von Jasper und Horace bewacht werden. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, ist doch der skrupellose Kürschner Skinner (John Shrapnel) bereits zu den gestohlenen Hunden unterwegs, um ihnen endgültig den Garaus zu machen.


Die jungen Dalmatiner-Welpen von Pongo und Perdy

This time the magic is real!

Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich das Original gesehen habe, trotzdem hatte ich an zahlreichen Stellen ein Déjà-vu und der Wiedererkennungseffekt ist hoch. Es ist den Disney-Leuten mit diesem Film gelungen, einen Zeichentrickfilm beinahe unverändert zu übernehmen und mit realen Schauspielern und Tieren nachzustellen. Einzelne Sequenzen wirken schon fast wieder zeichentrickhaft und sind wohl eins zu eins vom Original übernommen worden. Das gilt auch für Glenn Close als Cruella. Mit ihrer ausgefallenen Pelz- und Lederbekleidung, den schwarz-weissen Haaren und dem maskenhaften Gesicht gleicht sie eher einer gezeichneten Hexe aus dem Märchenbuch denn einem Menschen aus Fleisch und Blut. Die beiden Hunderäuber Jasper und Horace scheinen hingegen eher dem Film «Home Alone» entsprungen zu sein, dessen Regisseur John Hughes in diesem Film die Produktion übernommen hat. Statt mit Kevin bekommen sie es hier aber mit den nicht weniger harmlosen Tieren vom Bauernhof zu tun. Eindrücklich was die Tierfilm-Experten von Walt Disney in diesem Bereich alles zustandegebracht haben. Neben den 101 Dalmatinern (für die Dreharbeiten waren über 200 Dalmatiner-Welpen nötig!) treten weitere Hunde, mehrere Waschbären und Stinktiere, Kühe, Pferde, Schweine, Vögel und zahlreiche andere Tiere auf. Zusammen mit den guten schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller Joely Richardson und Jeff Daniels und der bösen, bösen Glenn Close machen sie den Film zu einem Erlebnis, und ich kann die weiter oben gestellte Fragen guten Gewisssens mit Ja beantworten.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:101 Dalmatians (1996)
Land:USA
Genre:Kinderfilm
Bewertung:****.
 
Regie:Stephen Herek
Drehbuch:Dodie Smith
John Hughes
(nach einer Vorlage von Dodie Smith)
Produktion:John Comfort
John Hughes
Ricardo Mestres
Koproduktion:Rebekah Rudd
Ausf. Prod.:Edward S. Feldman
Kamera:Adrian Biddle
Schnitt:Trudy Ship
Musik:Michael Kamen
Prod. Design:Assheton Gorton
Kostüme:Rosemary Burrows
Anthony Powell
Besetzung:Glenn Close
Jeff Daniels
Joely Richardson
Joan Plowright
Hugh Laurie
 
Länge:105 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
Studio:Buena Vista
CH Verleih:Buena Vista



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