187 (1997)

«Sympathischer Lehrer motiviert renitente Ghetto-Kids». Solche Filme gibt's wie Sand am Meer. Normalerweise enden solche Streifen mit der wundersamen Heilung der fehlgeleiteten Schüler: Aus brutalen Schlägern werden brave Lämmer. 187 ist immerhin so ehrlich, dass er er auf diese plumpe Idealisierung verzichtet.


von Martin A. Blatter


Trevor Garfield (Samuel L. Jackson) ist ein hoffnungsvoller High-School-Lehrer in Brooklyn. Mit unkonventionellem Unterricht versucht er, seine Schüler für physikalische Phänomene zu begeistern. Leider kommt seine Unterichtsmethode nicht bei allen Schülern an. Er wird ständig mit Morddrohungen (187 ist in Kalifornien der Polizeicode für Mord und wird auch von den «Gangstas» gerne verwendet) terrorisiert. Garfield bleibt trotzdem seinen Idealen treu und lässt sich im Gegensatz zu seinen Lehrerkollegen von den Umständen nicht unterkriegen. Als er einen seiner Psycho-Schüler durchfallen lässt, wird er von diesem kurzerhand erstochen. Von der lebensgefährlichen Verletzung erholt er sich nur schwer. Um Distanz zu gewinnen, zieht er nach Los Angeles um.



In der Spirale der Gewalt

Ein Jahr später nimmt er in Los Angeles einen Aushilfsjob an. Erwartungsgemäss kriegt er auch hier Schwierigkeiten mit seinen Schülern. Doch nicht einmal der Schuldirektor sagt ihm seine Unterstützung zu. Er hat Angst vor den selbstbewussten Schülern, die sich nichts gefallen lassen und gleich mit dem Richter drohen. Immerhin kriegt Garfield im Lehrerkollegium etwas Halt bei dem Zyniker Dave Childress (John Heard) und der jungen Ellen Henry (Kelly Rowan). Childress hat bereits kapituliert. Ihm ist es egal, wenn er seinen Stoff nicht mehr vermitteln kann, auch wenn die interessierten Schüler darunter leiden müssen. Henry teilt mit Garfield den Enthusiasmus eines jungen Lehrers, doch irgendwie kann sie den verschlossenen Kollegen nicht richtig verstehen. Bald kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern einer Latino-Gang und Garfield, die in einer Spirale der Gewalt enden.



«This movie was written by a teacher»

Frustration und Resignation kennzeichnen diesen von einem desillusionierten Lehrer geschriebenen Film. Die Moral dieser Gesichte ist deshalb umso fragwürdiger, weil hier die Schüer als unbelehrbare und sozial nicht integrierbare Monster darsgestellt werden, denen beim bestem Willen nicht mehr zu helfen ist. Unbeantwortet bleibt freilich die Frage, was denn mit diesen «Monstern» zu geschehen habe. Wird sich das Problem eventuell sogar wie im Film von selbst lösen, indem sich die Schüler in ihrer adoleszenten Dummheit und ihrem pervertierten Wertschema selbst gegenseitig umbringen? Dass das öffentliche Schulsystem in den USA gescheitert ist, ist unbestritten. Ein Rezept gegen diese Misere bietet aber auch «187» nicht. Stilistisch kommt der Film unverhältnismässig knallig wie ein Hochglanzprospekt daher. Die Szenen in New York sind in tiefes blau-grau gehüllt, während in Los Angeles Braun- und Gelbtöne vorherrschen. Ein Glanzpunkt des Films ist «Pulp Fiction»-Star Samuel L. Jackson, dem es hervorragend gelingt, die vielschichtige Rolle des gequälten Lehrers zu mimen. Regisseur von «187» ist Kevin Reynolds, der sich durch ideologisch fragwürdige Machwerke, wie die Kriegsfilme «Red Dawn» und «The Beast» einen eher zweifelhaften Namen gemacht hat. Auf seine Kappe geht auch der berüchtigte «Waterworld».



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:187 (1997)
Land:USA
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Reynolds, Kevin
Drehbuch:Yagemann, Scott
Produktion:Davey, Bruce
McEveety, Stephen
Kamera:Core, Ericson
Schnitt:Semel, Stephen
Ausstattung:Storer, Stephen
Kostüme:Johnson, Darryle
Besetzung:Arroyave, Karina
González González, Clifton
Heard, John
Jackson, Samuel L.
Kehler, Jack
Navarro, Demetrius
Plana, Tony
Rooney, Jonah
Rowan, Kelly
Sebastian, Lobo
Velez, Martha
 
Länge:119 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:DTS
CH Verleih: Rialto Film


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