Absolute Power (1997)

Von all den grossen Stars, die das Hollywood-Firmament zieren, hat sich Clint Eastwood einen «Larger-than-Life»-Status bewahrt. Da die Zeiten des Poncho-Cowboys längst vorbei sind, wählt Eastwood bewusst Stoffe aus, die seinem Alter entsprechen. Der Polit-Thriller Absolute Power erfüllt in dieser Hinsicht alle Anforderungen.


von Serge Zehnder


Unauffällig, mit Mütze und Brille sehen wir Eastwood zu Beginn seines neusten Films in einem Museum in Washington D.C., wo er sich als Kopist bekannter Gemälde versucht. Dass dieses Rentner-Outfit nur eine seiner verschiedenen Maskeraden ist, erfahren wir spätestens dann, wenn derselbe alte Mann in eine Prunkvilla einbricht, geschickt das Alarmsystem überlistet und nach einigem Stöbern einen Geheimraum voller Schmuck und Bargeld findet. Luther Whitney (Clint Eastwood) hat den letzten Coup seiner Karriere minuziös geplant, dummerweise stolpert im Moment der Wahrheit Gene Hackman betrunken und beim hastigen «tête-à-tête» mit einer attraktiven jungen Frau in die Szenerie. In Sekundenschnelle schliesst sich Whitney in dem übergrossen Tresor mit Einwegspiegel ein, setzt sich in einen antiken Sessel, der wohl absichtlich dorthin plaziert wurde und beobachtet den weiteren Verlauf der koitalen Freiübungen.



Präsidiale Probleme

Als das Geschehen zwischen Hackmann und seiner Gespielin ausser Kontrolle gerät und aus dem Techtelmechtel blutiger Ernst wird, erscheinen plötzlich zwei Secret Service-Agenten und erschiessen die junge Frau, da die Dame den stockbesoffenen Präsidenten der Vereinigten Staaten mit einem Brieföffner ermorden wollte. Um mögliche kompromittierende Schlagzeilen zu vermeiden, wird der Mord unter der kundigen Leitung von Stabschefin Gloria Russell (unnachahmlich: Judy Davis) zu einem Einbruch mit Todesfolge umfunktioniert. Dummerweise wird der belastende Brieföffner zurückgelassen, den sich Whitney unter den Nagel reisst und damit den mächtigsten Mann der Welt in seiner Tasche hat.



Distingiert

Ein treffenderes Wort gibt es für die Macher von Absolute Power kaum. Sowohl hinter wie auch vor der Kamera finden sich Filmschaffende, die seit langer Zeit zusammenarbeiten. Seien es Eastwoods Chefkameramann Jack N. Green, sein Hauskomponist Lennie Niehaus oder Joel Cox, der seit Jahren den Schnitt von Eastwoods Streifen besorgt. Das Drehbuch stammt von Veteran William Goldmann (Maverick, Butch Cassidy and the Sundance Kid), der aus David Baldaccis Roman eine geradlinige Adapdtion verfasste, die neben ein paar typischen Goldmann-Ingredienzen lediglich den Part von Judy Davis abgeändert enthält. Davis ist es auch, die inmitten diesess Allstar-Männer-Clubs einen giftig femininen Gegenpunkt setzt. Und den alten Herren machte es sichtlich Freude, ihre früheren Rollen leicht zu veräppeln und zwischen der politischen Intrigenspinnerei ein ironisches Lächeln aufblitzen zu lassen. Alles in allem vergehen die zwei Stunden wie im Flug. Von gebrechlichem, selbstbeweihräucherndem Rentnerkino kann nicht die Rede sein. Vielleicht etwas naiv in ihrer Machart bedient sich die Story bekannter politischer und filmischer Elemente, die die Umrisse eines Patchwork-Movies nicht ganz verheimlichen können. Wie auch immer, sieht man das edle Dekor, die sauberen Bilder, die reibungslosen Dialoge und die lebensnahen Figuren, wird einem klar: Eastwood weiss auch nach bald dreissig Jahren immer noch, wie man gute Filme macht. Ride on, Cowboy.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Absolute Power (1997)
Land:USA
Genre:Thriller
Bewertung:
 
Regie:Eastwood, Clint
Drehbuch:Baldacci, David
Goldman, William
Produktion:Eastwood, Clint
Maurer, Michael
Spiegel, Karen S.
Ausf. Prod.:Rooker, Tom
Kamera:Green, Jack N.
Schnitt:Cox, Joel
Musik:Niehaus, Lennie
Ausstattung:Bumstead, Henry
Kostüme:Hopper, Deborah
Besetzung:Campbell, John Lyle
Chan, Yau-Gene
Dahlquist Jr., Eric
Davis, Judy
Eastwood, Alison
Eastwood, Clint
Eastwood, Kimber
Ehrlich, Joy
Glenn, Scott
Hackman, Gene
Hardin, Melora
Harris, Ed
Harvey, Robert (I)
Haysbert, Dennis
Jenkins, Richard
Johnson, Penny
Kagan, Elaine
Linney, Laura
Margolis, Mark
Marshall, E.G.
McDaniel, Charles
Orrison, George
Taylor, Jack Stewart
Welsh, Kenneth
 
Länge:121 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:SDDS
Prod.-firma:Castle Rock
Columbia Pictures
The Malpaso Company
CH Verleih: Monopole Pathé Films


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