Air Force One (1997)

Vietnamveteran und US-Präsident Harrison Ford entledigt sich eigenhändig lästiger Terroristen.


von Martin A. Blatter


Air Force One ist ein einfach gestrickter Actionfilm mit Starbesetzung über russische Fundamentalisten, die den Jumbo Jet des fiktiven amerikanischen Präsidenten Marshall (Harrison Ford) mitsamt dessen Stab und Familie entführen. Die Terroristen möchten einen General (Jürgen Prochnow in einer stummen Rolle) freipressen, der in Moskau im Gefängnis einsitzt. Der Präsident, ein Vietnamveteran, bringt seine Familie mittels einer Rettungskapsel in Sicherheit, versteckt sich an Bord, bringt eigenhändig Terroristen um, manipuliert die Benzinzufuhr des Jets und telefoniert mit seinem Natel aus 10'000 Meter Höhe mit Washington. Schliesslich wird er vom bösen Oberterroristen Korshunov (Gary Oldman) entdeckt. Dieser fordert ein Tankflugzeug an, um die Maschine im Flug aufzutanken. Die Geiseln nutzen die Ablenkung, um mit Fallschirmen zu entkommen. Es kommt zu einem abschliessenden Kampf zwischen dem Präsidenten und dem Bösewicht vor der offenen Frachtraumtüre der 747. In einer Nebenhandlung wird der Vizepräsidentin (Glenn Close), die die amerikanische Öffentlichkeit auffordert «für den Präsidenten zu beten», vom Oberstaatsanwalt nahegelegt, die Entscheidungsfähigkeit des Präsidenten in Frage zu stellen und selber die Regierungsgeschäfte zu übernehmen.


Der böse Russe (Gary Oldman, l) nimmt den Präsidenten in die Zange

Enttäuschung des Jahres

Kaum ein Film des aktuellen Kinojahres hat ausserhalb der USA mehr Achselzucken und spontanes Kopfschütteln ausgelöst als diese auf der ganzen Linie enttäuschende Mischung aus derivativer Action und dumpfem Patriotismus. Ein eindimensional agierender Harrison Ford gewinnt in bewährter Rambo-Tradition mit Gottes Hilfe stellvertretend für die verwundete amerikanische Volksseele einen Krieg, der eigentlich nicht zu gewinnen ist. Die Angst vor dem Terrorismus, man denke nur an die Anschläge auf das World Trade Center in New York oder die Explosion des Pan-Am Jumbos über Lockerbie, sitzt den Amerikanern offenbar heute genauso tief im Nacken wie damals der Frust über die Kapitulation vor dem Kommunismus in Südostasien. Wie in Rambo gewinnen auch hier hemdsärmlige Männer der Tat (der Präsident und Ex-Vietnamheld) den Krieg gegen den Widerstand schleimiger Bürokraten (der Stab in Washington, der den Präsidenten für unzurechnungsfähig erklären möchte).


Glenn Close als gottesfürchtige Vizepräsidentin

Anspruchslose Unterhaltung

Lässt man die ideologische Komponente beiseite, bleibt unter dem Strich ein recht mittelmässig inszenierter Actionfilm übrig. Der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen, der mit Das Boot bewiesen hat, dass er in der Lage ist, Handlung auf engstem Raum spannend und abwechslungsreich umzusetzen, hat sich hier nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Im von Kamermann Michael Ballhaus gleichmässig hell ausgeleuchteten Flugzeugrumpf kommt bald die grosse visuelle Langeweile eines echten Langstreckenfluges auf. Das Drehbuch hält zumindest ein paar gute Einzeiler parat, die angesichts der zahlreichen Logikfehler und der überall zusammengeklauten Story-Elemente allerdings ziemlich verblassen. So kann der Präsident problemlos vom russischen Luftraum aus sein Handy benutzen, um in Washington anzurufen oder er weiss auf Anhieb, welche zwei Drähte er kurzschliessen muss, von fünf die zur Auswahl stehen (die richtigen Drähte sind natürlich rot, weiss und blau, die amerikanischen Nationalfarben). Und wenn da wenigstens die Spezialeffekte auf dem neuesten Stand der Technik wären, hätte man immerhin einen Grund, sich den Streifen reinzuziehen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Air Force One (1997)
Land:USA
Genre:Actionfilm
Bewertung:
 
Regie:Petersen, Wolfgang
Drehbuch:Marlowe, Andrew W.
Produktion:Bernstein, Armyan
Gagnon, Gil
Katz, Gail
Kohn, Peter
Montiforte, Mary
Petersen, Wolfgang
Shestack, Jonathan
Sweeney, Michael
Ausf. Prod.:Abraham, Marc
Bliss, Thomas A.
Lester, David V.
Kamera:Ballhaus, Michael
Schnitt:Francis-Bruce, Richard
Musik:Goldsmith, Jerry
McNeely, Joel
Newman, Randy
Ausstattung:Sandell, William
Kostüme:Phillips, Erica Edell
Besetzung:Close, Glenn
Hall, Philip Baker
Ford, Harrison
Close, Glenn
Macy, William H.
Oldman, Gary
Prochnow, Jürgen
Stockwell, Dean
 
Länge:128 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
Prod.-firma:Columbia Pictures
CH Verleih: Buena Vista


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