AlienResurrection (1997)

Vernunft mag ja für manche Menschen eine Tugend sein. Im Filmgeschäft wurde dieses Wort jedoch schon lange auf die Schwarze Liste gesetzt. Wie sonst wäre ein Film wie «Alien: Resurrection» entstanden?


von Serge Zehnder


«Wo ist eigentlich das H.R. Giger Museum ?» soll ein amerikanischer Tourist einmal gefragt haben. Nicht wissend, dass der einzige künstlerische Schweizer-Export der letzten dreissig Jahre in seinem Heimatland keine eigene Galerie hat. Na schön, es gibt ein Restaurant mit einem von ihm designten Interieur. Nur, das steht in Chur und liegt eben nicht gerade am Weg. Wie gut, dass die «Executives» von 20th Century Fox alle Jahre wieder die Giger-Kreatur Alien von anno 1979 aus der Versenkung holen. Das letzte Mal geschah dies vor vier Jahren. Die Telly Savallas-Version, die auf einem Gefängnisplaneten spielte, war mit einem erheblichen Aufwand und vielen kreativen Differenzen zu Ende gebracht worden. Symbolisch war denn auch Sigourney Weavers Sprung in die gleissende Bleisosse, wo sie samt Alien-Mama das Zeitliche segnete. Schon damals verkündete Weaver, dass es keinen vierten Teil geben werde, und dass der Tod Ripleys mit dem Ende der Alien-Filme gleichzusetzen sei. Nun, ein paar Jahre und 11 Millionen Dollar später flüchtet Weaver alias Ellen Ripley frisch geklont und mit einigen Modifikationen durch die Gänge des Untersuchungsraumschiffes «Auriga».


Gut geklont ist halb gewonnen

MEIN KLON UND ICH

Verantwortlich für diese sind zwei Ärzte (J.E. Freeman und Brad Dourif) und ein Militärhansel (Dan Hedaya), die Ripley samt der Alien-Queen aus Teil 3 zurückholen, um diese zum Brüten zu bringen. Und da dieses Vorhaben nicht ohne menschliche Brutstätten geht, dockt kurz darauf eine Gruppe von Schmugglern, angeführt von Michael Wincott und mit Winona Ryder als Crew-Mitglied, an. Im Gepäck führen die Weltraumpiraten eine Ladung mit im Hyperschlaf befindlichen Menschen, die für die Forscher und das Militär zu Nistplätzen umfunktioniert werden. Das Experiment scheint auch gut zu verlaufen und die Zähmung der widerspenstigen Fremdkörper verläuft vorerst glimpflich, bis sich die Intelligenz der mordenden Horde bemerkbar macht und sowohl Schmuggler als auch die übrigen Bordmitglieder zu Freiwild werden. Hinzu kommt, dass Ripley etwas an die «Predator»-Mama weitergeben hat und umgekehrt, womit Mensch und Monster fortlaufend verschmelzen. Was kann man sagen: «We are family».


Dolch Shakespeare im Weltraum

GRENZEN

gab es für Regisseur Jean-Pierre Jeunet keine. Wohlwissend, dass er es hier mit einem wiederkehrenden Schema bezüglich der Geschichte zu tun hat, nahm er Joss Whedons ohnehin schon sarkastisches Drehbuch und fügte da und dort noch seine aus «Delicatessen» und «La Cité des Enfants Perdus» bekannten Ingredienzen hinzu. So ist Alien: Ressurection auf der einen Seite ein Monsterfilm, dem die Spannung des ersten und zweiten Teils fehlt (den dritten blenden wir aus. David Fincher bewies mit «Seven» was er kann), aber durch seinen zynischen Humor unmoralisch und höchst unterhaltend ist. Kameramann Darius Khondji (Seven, Evita) beweist ein weiteres Mal, weshalb er einer der besten seiner Zunft ist, und Sigourney Weaver darf zusammen mit Winona Ryder, die hier endlich wieder einmal ein paar Dialoge gefunden hat, die zu ihr passen, respektlos den Viechern auf die Pelle rücken. Erstaunlicherweise treiben es Autor Whedon und Regisseur Jeunet hinsichtlich der Geschichte und der damit verbundenen Gewalt weit über die Spitze, die bei einer 70 Millionen Dollar teuren Produktion in einem erwachsenen, aber auch familientauglichen Rahmen sein sollte. Kurzum, Alien: Ressurection fügt zur Mythologie der Filme nichts bei, vielmehr hätschelt er das ganze Drumrum mit Einfallsreichtum und krank-überdrehten Ideen. Wo das noch enden wird, weiss niemand, angeblich hat man schon vor dem Filmstart von Nummer 4 das fünfte Abenteuer in Auftrag gegeben.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:AlienResurrection (1997)
Land:USA
Genre:Science Fiction
Bewertung:
 
Regie:Jeunet, Jean-Pierre
Drehbuch:Whedon, Joss
Produktion:Badalato, Bill (I)
Carroll, Gordon
Giler, David
Hill, Walter
Kamera:Khondji, Darius
Schnitt:Schneid, Hervé
Musik:Frizzell, John C.
Ausstattung:Phelps, Nigel
Kostüme:Ringwood, Bob
Besetzung:Cruz, Raymond
Dourdan, Gary
Dourif, Brad
Flowers, Kim
Freeman, J.E.
Hedaya, Dan
Orser, Leland
Perlman, Ron
Pinon, Dominique
Ryder, Winona
Weaver, Sigourney
Wincott, Michael
 
Länge:108 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
CH Verleih: 20th Century Fox


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