Alive and Kicking (1997)

Eine Krankheit ist per se nicht lustig. Filme über Krebs oder Aids haben es grundsätzlich schwer, den Zuschauer mit ein bisschen Humor an sich zu binden, da das Thema zu tragisch ist. Einen ersten Erfolg konnte man schliesslich mit der Broadway-Adaptation «Jeffrey» erreichen, die trotz der bitteren Geschichte die Lebensfreude nicht zu kurz kommen liess. «Alive and Kicking» steht dem in nichts nach.


von Serge Zehnder


Müdigkeit, erste Flecken auf der Haut, Anzeichen dafür, dass sich die moderne Pest in einem festgefressen hat. Der junge attraktive Tänzer (Jason Flemyng), der schon seit einiger Zeit HIV-positiv ist, und im Verlauf seines Lebens bereits zusehen musste, wie sein Liebhaber und sein Mentor Ramon (Anthony Higgins) von der Krankheit zerstört wurden, will sich die verbleibende Zeit nicht nehmen lassen. Voller Elan und Hingabe bereitet er sich auf das neue Stück «Indian Summer» vor, welches sowohl sein letztes wie auch der Schwanengesang der Truppe ist. Da die Chefin des Ensembles auch bereits den Schwächen des Alters erlegen ist, steht die Auflösung kurz bevor. Durch den unabwendbaren Tod konfrontiert, lässt sich Tonio auch noch mit dem Sozialarbeiter Jack (Anthony Sher) ein. Der etwas übergewichtige Homosexuelle, in dessen Freundschaft Tonio so etwas wie die Ausgleichung seiner eigenen Imperfektion erkennt, hat jedoch zusehends Mühe, sich mit dem Schicksal seines neu gefundenen Lebenspartners abzufinden. Da sich sowohl Tonio wie auch Jack die Konsequenzen ihrer Partnerschaft im Klaren sind, will sich keiner von beiden eingestehen, dass der Ausgang kein schöner sein wird. Mit einiger Überwindung und viel Vertrauen gehen sie schlussendlich eine Abmachung ein.



LACHEN WENN ES AM TRAURIGSTEN IST

Witzig ja, zynisch nein. Nancy Meckler, deren Erstling «Sister My Sister» Kritker wie auch das Publikum begeisterte fand unter Mithilfe von Martin Shermans dezentem Drehbuch ein ideales Mittelding zwischen der Akzeptanz der Tragödie und dem heiteren Potential des Lebens. Reichte der bisherige filmische Umgang mit Aids von banal bis brilliant, platziert sich «Alive and Kicking» mit Charme, schauspielerischem Talent und einer wunderschönen Musik ohne grosses Aufsehen in die oberen Ränger der Aidsfilme. Zugegeben, gewisse Schemen und Situationen mögen klischiert sein, dafür enthält dieser liebevolle Abschied einige unvergleichliche Momente, die zeigen welche Furcht und Freude diese Krankheit auslöst. Furcht vor dem unabwendbaren Schicksal und Freude für jeden Moment des Lebens. Jede Geste, jede Tat wird als etwas Besonderes angesehen. Was leicht zu einer öden Kitschkollektion hätte werden können, wird von Meckler und ihrem «leading man» Flemyng mit viel Respekt und Intensität überwunden. Mag «Alive and Kicking» wie schon «Jeffrey» in seiner moralischen Aussage etwas simplifiziert wirken, ist er dennoch eine wunderschöne Ode an die einfachen Dinge unseres Lebens, mögen diese eine wenig infantil sein, es sind immer noch die feinen Momente die unsere Uhr zum Ticken bringen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Alive and Kicking (1997)
Land:Grossbritannien
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Meckler, Nancy (I)
Drehbuch:Sherman, Martin
Produktion:Pope, Martin
Kamera:Seager, Chris
Schnitt:Holland, Rodney
Besetzung:Bassett, Linda
Cruickshank, Mary
Flemyng, Jason
Hughes, Odette
Lass, Ruth
Leventon, Annabel
Levi, Michelle (II)
Parish, Diane
Ramanee, Sakuntala
Reynolds, Hilary
Roles, Natalie
Sher, Antony
Tutin, Dorothy
Van Schuylenburch, Ellen
Yamamoto, Ulaya
Higgins, Anthony
Nighy, Bill
 
Länge:98 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR
Prod.-firma:Channel Four Films
CH Verleih: Elite Film


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