Anaconda (1997)

Riesenschlange bedroht Dokumentarfilmer in der Tiefe des brasilianischen Urwaldes. Gelungene Hommage an den Monsterfilm.


von Martin A. Blatter


«Anaconda» ist eine gelungene Hommage an ein eigentlich totgeglaubtes Genre, den typisch amerikanischen Monsterfilm. Wilde Kreaturen und unheimliche Meeresungeheuer trieben in den Sechziger- und Siebzigerjahren die Amerikaner in Scharen in die Drive-In-Kinos und bedeutende Filmemacher wie Roger Corman wurden mit diesem Genre gross. Ihren Höhepunkt erreichten diese B-Movie-typischen Stoffe mit Steven Spielbergs Haifisch-Schocker «Jaws».


Kari Wuhrer als reizvolle
aber naive Produktionsleiterin

Auf der Suche nach einem bisher vor der Zivilisation verschonten Indianerstamm tuckern der Antrophologe Cale (Eric Stoltz) und die Dokumentarfilmerin Flores (Jennifer Lopez) auf einem heruntergekommenen Flussboot durch einen friedlich erscheinenden Seitenfluss des Amazonas. Während eines Sturms lesen sie den in Not geratenen zwielichtigen Sarone (Jon Voight) auf, der vorgibt, den Dschungel wie seine Westentasche zu kennen und den Gringos den Weg zu den gesuchten Indianern zeigen will.

Bald stellt sich heraus, dass Sarone ganz andere Absichten hat: Er führt die ahnungslosen Amerikaner geradewegs ins Revier der legendären Riesen-Anacondas, einem angeblich besonders aggresiven Reptil, das eine Länge von über 10 Metern erreichen kann. Sarone will sich ein solches Vieh unter den Nagel reissen, um es nachher mit Gewinn an einen Zoo zu verschachern. Zuerst ungläubig, lernt nach den ersten Angriffen der Killerschlangen sogar der abgebrühte Kameramann Danny (Gangsta-Rapper Ice Cube) das Fürchten und sehnt sich nach den vergleichsweise sicheren Strassen von L.A. zurück. Nachdem das Forscherteam ziemlich dezimiert wurde, stellt sich die Frage, ob überhaupt jemand aus diesem Schlamassel wieder herauskommen wird.


Cale und Flores haben mehr als
nur «gemeinsame Interessen»

Man spürt die Erfahrung des Regisseurs

«Anaconda» glänzt mit prägnanten Dialogen, einem offensichtlich motivierten Schauspieler-Ensemble, wunderbaren Cinemascope-Bildern aus dem brasilianische Urwald und einer originellen Regie des Peruaners Luis Llosa, der nach einem halben Dutzend Roger Corman-Produktionen mit dem ungewöhnlichen «Sniper» für Aufsehen gesorgt hat. Man spürt Erfahrung Llosas im Umgang mit solchen Stoffen und so umschifft er die Klippen des Genres durch einen selbstironischen Touch recht elegant. Andere erfolgsverwöhnte Regisseure hatten da in der Vergangenheit eine deutlich weniger glückliche Hand. Flops, wie «The Ghost and the Darkness» sind Zeuge davon. Trotzdem hat «Anconda» auch einige Schwächen. So sind die computergenerierten Animationen von Sony Imageworks ziemlich enttäuschend ausgefallen, im Gegensatz zu den klassischen animatronischen Effekten. Und nicht zuletzt ist die Story genretypisch voraussehbar, da kann auch die handwerklich solide Umsetzung nicht viel daran ändern.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Anaconda (1997)
Land:USA
Genre:Actionfilm
Bewertung:
 
Regie:Llosa, Luis
Drehbuch:Bauer, Hans
Cash, Jim
Epps Jr., Jack
Produktion:Harrah, Verna
Little, Carole
Rabinowitz, Leonard
Koproduktion:Marks, Beau
Ausf. Prod.:Ruskin, Susan
Kamera:Butler, Bill (I)
Schnitt:Miller, Michael R.
Musik:Edelman, Randy
Ausstattung:Petruccelli, Kirk M.
Kostüme:Monderine, Kathy
Besetzung:Castellanos, Vincent
Cube, Ice
Hyde, Jonathan
Lopez, Jennifer
Stoltz, Eric
Trejo, Danny
Voight, Jon
Wilson, Owen
 
Länge:90 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:SDDS
Prod.-firma:Columbia
CH Verleih: 20th Century Fox


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