Année du capricorne, L (1997)

«Eine Geschichte zu erzählen, Gefühle auferstehen zu lassen, die viele Menschen schon einmal erlebt haben.» (Jean-Luc Wey)


von Thomas Hunziker


Januar 1957. Der Chef eines kleinen Unternehmens, dass optische Linsen herstellt, musste altershalber in ein Pflegeheim eingeliefert werden. Der Sohn ist nach Amerika abgehauen und beabsichtigt dort zu bleiben. So müssen die beiden Töchter notgedrungen die Leitung des Unternehmen übernehmen, das aufgrund der harten wirtschaflichen Lage unter Druck steht. Die beiden Schwestern unterscheiden sich stark voneinander; Clara (Claude-Inga Barbey) ist eine verschlossenen, gefühlskalte Geschäftsfrau, die sich um die finanziellen Probleme des Unternehmes kümmert, Thérèse (Maria Blanco) ist eine emotionale Mathematikerin, welcher der Durchbruch zur Herstellung der Zomm-Optik gelingt. Im Leben der beiden taucht plötzlich der ungarische Flüchtling Károly (Károly Eperjes) auf, der zwar fast kein Französisch spricht, von den beiden aber dennoch als Hilfsarbeiter eingestellt und auf sie eine magische Ausstrahlung hat.


Károly und Thérèse albern herum ...

«Utopien zu wecken, die nichts mit Vernunft zu tun haben ...»

Der Film beginnt hoffnungsvoll: Clara gibt ein Stück Zucker in Thérèses Teetasse, welche auf dem Piano steht, worauf der Fuss des Pianos durch den Fussboden bricht. Eine Szene, die man gesehen haben sollte. Was jedoch danach folgt enttäuscht die geweckten Erwartungen grösstenteils. Der Vorfall wird erklärt (ein unangenehmer Käfer (le capricorne) hat sich im Parkettfussboden eingenistet) und das Leben nimmt wieder seinen banalen Lauf. Die Geschichte enthält zwar genügend Material für eine mehrteilige, möglicherwiese sogar erfolgreiche Fernsehfamiliensaga, wurde jedoch mit wenig Elan und Kraft umgesetzt und ärgert immer wieder durch absurde Elemente und lästige Unterbrüche, so z.B. die primitive Zeichentrickfigur, die immer wieder auftaucht und, wie man gegen Ende erfährt, eine Schöpfung des ungarischen Flüchtlings ist. Die Handlung fliesst äusserst langsam dahin und entwickelt nie eine mitreissende Strömung.


... währenddem Clara mit Pélichet über die Zukunft des Unternehmens streitet.

«... und schliesslich daran zu glauben.» (Jean-Luc Wey)

Ein weiterer unvorteilhafter Faktor ist, dass Jean-Luc Wey bei seinem Regieerstling auf drei Hauptdarsteller vertraute, die sich in ihren Rollen nicht zurecht finden. Insbesondere Károly Eperjes' stellt ein immer wiederkehrendes Ärgernis dar, da seine Auftritte nicht witzig sind, obwohl sie es aber wahrscheinlich sein sollten und es nur schwer nachvollziehbar ist, was die beiden Schwestern an ihm so anziehend finden, da er weder besonders gut aussieht, noch irgendwelchen Charme besitzt. Maria Blanco und Claude-Inga Barbey ihrerseits sind den emotionalen Ausbrüchen ihrer Charakteren nicht gewachsen und wirken ein wenig verkrampft und hölzern ihn ihren Rollen. Einzig Patrick Lapp als Angestellter und Maurice Aufair in der Rolle des Vaters können überzeugen, tragen allerdings nur wenig zur Handlung bei. Lobenswert ist die Kameraarbeit, die zwar nicht besonders innovativ ist, aber zumindest technisch zu überzeugen vermag. Alles in allem ein netter, kleiner Film, dem man die Anstrengungen, welche die Beteiligten aufbrachten, aber leider nicht ansieht.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Année du capricorne, L (1997)
Land:Schweiz
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Wey, Jean-Luc
Drehbuch:Wey, Jean-Luc
Morand, Philippe
Barbey, Claude-Inga
Kamera:Horak, Edwin
Schnitt:Plüss, Kathrin
Musik:Desponds, André
Ausstattung:Lang Bregnuier, Marie-Claude
Besetzung:Barbey, Claude-Inga
Blanco, María
Aubert, Leyla
Eperjes, Károly
Lapp, Patrick
Aufair, Maurice
 
Länge:107 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR
CH Verleih: Bernhard Lang Filmverleih


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