Apothekerin, Die (1997)

Eine Frau mit Risiken und Nebenwirkungen


von Heinz Gnehm


Hella Moormann (Katja Riemann) will einen Mann, ein Kind und ein Haus, egal in welcher Reihenfolge. Da kommt ihr der junge Student Levin Graber (Jürgen Vogel) gerade recht. Als sein Grossvater kurz darauf unter mysteriösen Umständen das Zeitliche segnet, scheint dem Traum der spröden Apothekerin nichts mehr im Wege zu stehen. Einzig die Bediensteten in der luxuriösen Villa sind ihr etwas suspekt, die schlampige Hausangestellte Margot Krosmansky (Isabella Parkinson) und ihr gärtnernder Ehemann Dieter (Richy Müller) scheinen zu ihrem neugewonnenen Ehemann ein sehr spezielles Verhältnis zu haben. Pawel Siebert (August Zirner), ein häufiger Kunde in der Apotheke und seine geistig verwirrte Ehefrau Alma (Andrea Sawatzki) sorgen für weitere Verwirrung in diesem Beziehungspuzzle.


Für wen wird sie sich diesmal entscheiden?

Leben und sterben lassen

Bei einer solchen Konstellation sind Konflikte natürlich unvermeidlich und der weitere Verlauf der Handlung endet für einige Hausbewohner sogar tödlich. Hella aber verliert trotz all diesen kleinen Hindernissen ihr grosses Ziel nie aus den Augen und verfolgt hartnäckig den einmal eingeschlagenen Weg. Dabei ist sie beileibe keine böse Frau, kümmert sich liebevoll um Haus und Ehemann und arbeitet weiterhin in der Apotheke, wo sie jeden Kunden freundlich bedient. Sie liebt Leute, denen es schlecht geht, deswegen ist sie ja schliesslich Apothekerin geworden. Und dass es den Leuten schlecht geht, dafür sorgt sie gleich selbst. Dass sie dabei trotzdem glaubwürdig bleibt, ist vorallem ein Verdienst von Katja Riemann, der man die Rolle der unterkühlten und berechnenden Hausherrin sofort abkauft.


Wer hat wohl hier dran glauben müssen?

Ingrid Noll oder Patricia Highsmith?

Die Apothekerin ist die erste Verfilmung eines Buches der deutschen Krimiautorin Ingrid Noll, die das Leben von Frauen beschreibt, deren Lebensläufe sich hart am Abgrund der Legalität bewegen und die trotzdem mit ihrer Situation zurechtkommen und irgendwie glücklich werden. Darin ähnelt sie stark Patricia Highsmith und das Drehbuch hätte ebensogut aus ihrer Feder stammen können. Mit wenigen, aber überzeugenden Schauspielern und einer geradlinig und schnörkellos erzählten Geschichte lässt der Film stattdessen mehr Raum für die ständig in der Luft liegende Gewalt und die zunehmenden Spannungen unter den Hausbewohnern. Diese führen zu immer neuen Unfällen und die Ambulanzfahrer legen Hella bereits nahe, doch nächstens gleich ein Abonnement zu lösen. Trotzdem kommt man am Schluss des Films fast nicht umhin, der Hartnäckigkeit von Hella Sympathie entgegenzubringen und den tragischen Verlauf der Ereignisse stattdessen dem machohaften Verhalten der Männer in die Schuhe zu schieben. Das lag wohl auch im Sinne der Autorin, deren literarische Vorlage mit diesem Film gelungen umgesetzt worden ist.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Apothekerin, Die (1997)
Land:Deutschland
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Kaufmann, Rainer
Drehbuch:Hertwig, Ralf
Noll, Ingrid
Richter, Kathrin
Produktion:Huth, Hanno
Rohrbach, Günter
von Halem, Gerhard
Ausf. Prod.:Claussen, Jakob
Wöbke, Thomas
Kamera:Eichhammer, Klaus
Schnitt:Christen, Ueli
Musik:Eckmann, Ludwig
Ausstattung:Loewe, Knut
Kostüme:von Martius, Katharina
Besetzung:Kremp, Jan-Gregor
Manzel, Dagmar
Müller, Richy
Parkinson, Isabella
Raacke, Dominic
Riemann, Katja
Sawatzki, Andrea
Scholz, Eva Ingeborg
Tomaschewsky, Joachim
Vogel, Jürgen
Zirner, August
von Thun, Friedrich
 
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
Prod.-firma:Senator Film
CH Verleih: Elite Film


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