Appartement, L' (1996)

Der Jungmanager Max steht an einem Wendepunkt seines Lebens: Seine Heirat sowie beruflicher Erfolg stehen ihm bevor, doch was er hinter sich gelassen zu haben glaubte, holt ihn nochmals ein.


von Flavia Giorgetta


Unmittelbar bevor Max (Vincent Cassel) beruflich nach Tokio fliegen soll, fällt ihm ein, dass er noch dem Juwelier anrufen muss, um die Eheringe zu bestellen. Die Heirat mit der Schwester seines Chefs (Sandrine Kiberlain aus En Avoir ou Pas) steht kurz bevor. Als er vor der Telefonzelle wartet, glaubt er, durch das Milchglas seine grosse, jedoch verflossene Liebe Lisa (die schöne Monica Bellucci) zu erkennen. Sie entwischt ihm, aber diese Nicht-Begegnung stellt Max' Leben für einige Tage auf den Kopf. In media res beginnt L'appartement; Max sammelt ein Puzzle aus Vergangenheitsfetzen und versucht, Lisa wiederzufinden. Rückblenden in verwaschenen Farben wechseln sich mit der Fortsetzung von Max' Suche ab, bei der er die Hilfe seines Freundes Lucien (Jean-Philippe Ecoffey) in Anspruch nimmt. Dieser ist zum ersten Mal in seinem Leben richtig verliebt und kann deshalb Max' Besessenheit verstehen. Die zweite Frau im Bunde, die geheimnisvolle Alice (eine hervorragende Romane Bohringer), steht mit allen drei übrigen Akteuren in Verbindung, was letztere jedoch nicht wissen.



Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Allen Protagonisten in Gilles Mimounis Film scheint etwas zu fehlen. Beruflich zwar arriviert, ersehnen sie in ihrem Liebesleben Unerreichbares herbei. Max trauert der Unbeschwertheit und Leidenschaft seiner Liebe zu Lisa nach, die ihn ohne Grund verlassen zu haben scheint, was sich jedoch wie vieles andere als (forcierter) Irrtum herausstellt. Lucien sehnt sich nach der wahren Liebe und glaubt ­ geblendet von seinen eigenen Gefühlen ­ sie in Alice gefunden zu haben, ohne je auf deren Gefühle zu achten. Alice selbst kann nicht umhin, stets wieder Intrigen zu knüpfen; anderseits wirkt sie fragil und extrem liebesbedürftig. Lisa erscheint am ausgeglichensten, doch auch sie holt die Vergangenheit in Form einer Notiz von Max ein.

Durch die Suche nach der Vergangenheit versuchen alle nochmals dem Erwachsensein zu entgehen, entscheiden sich jedoch am Schluss für die Zukunft und lassen die Lasten des Geschehenen hinter sich. Das Aufspüren von unerahnten Verbindungen erweist sich am Schluss bloss als eine Klammer im Leben aller Beteiligten, die ihnen dabei geholfen hat, ihren individuellen Weg zu finden. Als Opfer bleibt Lisa auf der Strecke; die einzig wahre Unschuldige, ausgenützt für der anderen Zwecke oder deren Narzissmus.



Vielversprechender Erstling

L'appartement überzeugt durch eine kompakte, mysteriöse Geschichte, die kunstvoll in Bilder umgesetzt worden ist. Gilles Mimouni konnte für seinen Erstling erstklassige SchauspielerInnen verpflichten: vom wandelbaren Vincent Cassel über die unschuldig-verführerische Monica Bellucci und den leicht naiven Jean-Philippe Ecoffey zur gespaltenen Romane Bohringer. Die ausgeklügelten Schnitte (Montage: Caroline Biggerstaff und Francoise Bonnot) erinnern manchmal im Umgang mit Rückblenden an das Meisterwerk Lone Star.

Am Ende erscheint die Vergangenheit wie ein Schleier, und doch hat sie den Protagonisten dazu gedient, für wenige Tage aus ihrem Leben auszubrechen, bevor sie sich in der Gesellschaft etablieren.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Appartement, L' (1996)
Land:Frankreich
Genre:Liebesfilm
Bewertung:
 
Regie:Mimouni, Gilles
Drehbuch:Mimouni, Gilles
Produktion:Benayoun, Georges
Ausf. Prod.:Deviosse, Elisabeth
Kamera:Arbogast, Thierry
Schnitt:Biggerstaff, Caroline
Bonnot, Françoise
Musik:Chase, Peter
Ausstattung:Chiffre, Philippe
Kostüme:Heller, Laurence
Besetzung:Bohringer, Romane
Cassel, Vincent
Granier, Olivier
Kiberlain, Sandrine
Écoffey, Jean-Philippe
 
Ton:Dolby
CH Verleih: Filmcooperative Zürich


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