Aprile (1998)

Als im Frühling 94 Berlusconi und seine Rechte die Parlamentswahlen gewinnen, zieht Nanni Moretti erstmals an einem fantastisch grossem Joint. Er kann nicht fassen, dass sein Land die Erinnerung zu verloren haben scheint, und willigt ein, einen Dokumentarfilm über Italien und vor allem über seine Bewohner zu drehen.


von Flavia Giorgetta


Gleichzeitig jedoch kehrt immer wieder der Traum vom Musical zurück, und als er Silvio Orlando für die Hauptrolle gewinnen will, stellt sich heraus, dass ebendieser bereits vor neun Jahren für dasselbe Projekt Tanzstunden genommen hatte. Als Moretti schon nach einem Drehtag aufgibt, kann Orlando nicht fassen, diesem Chaoten wieder vertraut zu haben. Die Vorfreude auf das kommende Kind vervollständigt das Durcheinander. Bis Nanni und seine Freundin Silvia Nono sich auf den Namen Pietro einigen, dürfen die Zuschauer einer amüsanten Diskussion folgen. Über die negativen Auswirkungen von Strange Days, «eines solchen Quatsches», auf das Ungeborene ist der werdende Vater nach einem Kinoabend überzeugt. Als Pietro schliesslich offenbar ungeschädigt zur Welt kommt, schreit der Vater in der obligaten Vespa-Szene das Gewicht des Knaben in die Strassen, während alle anderen hupenden Römer sich über den Sieg der Linken freuen.

So chaotisch die grobe Zusammenfassung tönt, so liebenswürdig sprunghaft filmt Moretti wie bereits in Caro Diario grösstenteils Autobiografisches. Pampers und Politik, Filme und Freunde füllen den Alltag bis zum Überborden, doch mit seinem Charme macht Moretti alles Chaos wett. Selbst wenn er Milchkaffee trinkt, anstatt die Unabhängigkeitserklärung Padaniens zu filmen, verzeihen ihm seine Arbeitskollegen - sie scheinen Morettis inkonstante Arbeitsweise gewohnt zu sein. Das Tempo in Aprile ändert ständig mit der Nervosität des Regisseurs und Hauptdarstellers; auch fehlen die surrealistisch angehauchten Momente nicht. So klebt sich Moretti aus tausenden Artikeln eine einzige riesige Zeitung zusammen mit einem einzigen Bericht - was gäbe es auch zu differenzieren, wenn alle stets dasselbe sagen - und schliesslich verstreut er seine gesammelten «L'Espresso»-Titelbilder über Roms Strassen. Als Dessert dürfen wir zuletzt doch noch Orlando tanzen sehen in einer zuckersüssen Musicalperformance.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Aprile (1998)
Land:
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Nanni Moretti
Drehbuch:Nanni Moretti
Produktion:Jean Labadie
Nanni Moretti
Kamera:Giuseppe Lanci
Schnitt:Angelo Nicolini
Ausstattung:Marta Maffucci
Besetzung:Andrea Molaioli
Agata Apicella Moretti
Nanni Moretti
Pietro Moretti
Silvia Nono
Silvio Orlando
 
Länge:78 Minuten
Negativ:35 mm
Prod.-firma:Les Films Alain Sarde
Sacher Film
BAC Films
CH Verleih: Filmcooperative Zürich


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