Apt Pupil (1998)

DAS ZIEHEN DER FÄDEN.


von Serge Zehnder


Mit einer kleinen Randnotiz über das Verhältnis des Puppenspielers zur Puppe und wer die Fäden zieht beginnt Stephen King's Roman Apt Pupil, dessen sich «The Usual Suspects»-Regisseur Bryan Singer auf Anraten des Autors hin angenommen hat. Nach seinem mit einem Drehbuch-und Nebendarsteller-Oscar ausgezeichneten Zweitwerk, das den unwiderlegbaren Beweis für die lebende Existenz des Crime-Mystery-Genres war, konnte sich Singer so ziemlich jeden Schauspieler und jedes Drehbuch Hollywoods aussuchen und entschied sich schliesslich fürdieses stark an ein Kammerspiel erinnerndes Psychodrama, in dem der vierzehnjährige Todd Bowden(Brad Renfro) fasziniert vom Zweiten Weltkrieg und dem Dritten Reich Arthur Denker (Ian McKellan), einen Rentner in Todds Nachbarschaft, aufsucht und ihn als Alt-Nazi Kurt Dussander entlarvt, der als Leiter eines KZs für den Tod von unzähligen Menschen verantwortlichist. Denker streitet dies zuerst vehement ab, doch Todd in seinem Hochmut und bestimmt auchin seiner Brillanz, schliesslich ist er auch Klassenbester, hat sämtliche Beweise für Dussanders Schuld in seinem Besitz und erpresst ihn nun damit, um sämtliche Greueltaten, die man den Menschen in den KZs angetan hat, zu erfahren. Je mehr Todd in das Leben des alten Mannes eindringt, um so mehr gibt er von seiner eigenen Identität ab. Die gerufenen Geister sind nicht mehr unter seiner Kontrolle und der Spieler wird zum Opfer der Puppe.


Todd (Renfro) beginnt sein eigenes Grab zu schaufeln.

EIN SPIEL DER SPIELER

King's Kurzroman, der in den Vier Jahreszeiten neben den ebenfalls schon verfilmten «The Body» (siehe «Stand By Me») und «Rita Hayworth and the Shawshank Redemption» (auf Film dann nur noch «The Shawshank Redemption») zu finden ist, gehört wie die anderen beiden Geschichten, zu den faszinierendsten Kreationen aus dem Gehirn des Horror-Romanciers. In oft sehr detaillierten Ausführungen vermag er den Schrecken von damals auf einen Jungen von heute einwirken zu lassen. Todd's Zerfall, der sich besonders auf seine schulischen Leistungen auswirkt, wird im Buch wie auch Film, der mit einigen Modifikationen (das Ende ist anders und der zeitliche Ablauf wurde etwas verkürzt) auskommt, hervorragend dargestellt. Singers visuelle Liebe für die Symmetrie ist hier allgegenwärtig und verleiht dem Film einen durchgängigen Stil. Es ist auch eine Möglichkeit, das häufige Ein-Raum-Szenario etwas interessanter zu gestalten. Was jedoch bei diesen beiden Hauptdarstellern kaum nötig gewesen wäre.


Dussander (McKellan) in Denker Pose.
McKellan, nach «Richard III» erneut in einer faschistische Rolle, und Renfro ergänzen sich perfekt. Abgesehen von einem Patzer, nämlich David Schwimmer als Todd's Rektor zu besetzen, ist das Cast auch hier makellos. Hier findet sich auch ein kleiner Querverweis auf einen anderen Film, der das Thema vom faszinierenden Faschismus aufgegriffen hat. Denn Bruce Davidson, Hauptdarsteller des Kurzfilms «Die Welle» («The Wave»), spielt in Apt Pupil Todd's Vater.
Es sind ohne Zweifel die Schauspieler, die dem Film über gewisse Drehbuchschwächen hinweghelfen, welche ihn etwas zu eindimensional und plump erscheinen lassen. Wo King im Roman auf jede psychische Veränderung eingeht und dem Leser die perverse Faszination Todd's aufgrund des Mediums Buch wesentlich näher bringen kann, muss sich Singer auf einige Kernszenen konzentrieren, welche durch John Ottman's treffende, wenn auch teilweise überinstrumentierte Musik zu bombastisch wirken, und dabei drohen die gefährliche Intimität zu verlieren. Abgesehen davon hat Singer erneut seine Fähigkeiten bewiesen und unter dem extrem hohen Erwartungsdruck nicht enttäuscht.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Apt Pupil (1998)
Land:USA
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Bryan Singer
Drehbuch:Brandon Boyce
Stephen King
Produktion:Jane Hamsher
Don Murphy (III)
John Ottman
Jay Shapiro
Bryan Singer
Koproduktion:Tom DeSanto
Ausf. Prod.:Tim Harbert
Kamera:Tom Sigel
Schnitt:John Ottman
Musik:John Ottman
Ausstattung:Richard Hoover
Kostüme:Louise Mingenbach
Besetzung:Michael Artura
Donna Marie Brown
Michael Byrne
David Cooley (II)
Mickey Cottrell
Bruce Davison
Danna Dennis
Ann Dowd
Mark Flythe
Jill Harris (II)
Joshua Jackson
James Karen
Elias Koteas
Marjorie Lovett
Michael Reid MacKay
Katherine Malone
Heather McComb
Ian McKellen
Anthony Moore (II)
Joe Morton
Mary Ottman
Brad Renfro
David Schwimmer
Grace Sinden
Mildred Singer
Norbert D. Singer
Kevin Spirtas
Blake Anthony Tibbetts
Jan Tríska
Warren Wilson (II)
 
Länge:111 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:TriStar Pictures
Bad Hat Harry Productions
Happy Ending Productions
Canal + D.A.
JD Productions
Apt Pupil Productions
Paramount Pictures
Phoenix Pictures
CH Verleih: 20th Century Fox


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