Astérix et Obélix contre César (1999)

Gallischer Klamauk in neuem Gewand


von Marc Mair-Noack


Ohne Zweifel hat die französische Comic-Kultur schon einige Meisterwerke hervorgebracht, und die Asterix-Reihe gehört selbstredend dazu. Seit dem Tod des Asterix-Erfinders und Texters René Goscinny vor 22 Jahren erscheinen neue Alben nur mehr spärlich, doch sorgen die rebellischen Gallier inzwischen auf der Kinoleinwand für die anhaltende Popularität der Serie. Dramaturgisch leicht angepasst ­ mit viel Gesang und Klamauk ­ entstanden aus den abenteuerlichen Storys der Alben inzwischen zahlreiche abendfüllenden Zeichentrickfilme. Und nun der Sprung vom Animationsfilm zum Spielfilm? Nachdem sich einst schon Louis de Funès erfolglos um das Projekt bemüht hatte, zogen einige Jahre ins Land, bis letztlich Produzent Claude Berri dem Asterix-Zeichner Albert Uderzo zwei schlagfertige Argumente für die Verfilmung vorlegen konnte: Erstens die modernen Möglichkeiten der Spezialeffekte und zweitens ein begeisterter Gérard Depardieu als Obelix. Dass diese zwei Fakten noch nicht für eine erfolgreiche Inszenierung ausreichen, beweisen Berri und Regisseur Claude Zidi eindrücklich.


Julius Caesar (Gottfried John) plant zusammen mit Tullius Destruktivus (Roberto Benigni) Schreckliches.

Asterix in der Klemme

Die Handlung orientiert sich lose am ersten Comic-Album «Asterix der Gallier». Julius Caesar (Gottfried John) hat soeben seinen Feldzug gegen Gallien erfolgreich beendet, als er erstmals etwas vom aufständischen Dorf erfährt. Keine Legion konnte bisher die mit übermenschlicher Kraft ausgestatteten Gallier besiegen, und auch Caesars persönliches Eingreifen ändert an dieser Sachlage nichts. Erst als das Geheimnis dieser Kraft ­ der Zaubertrank des Druiden Miraculix ­ gelüftet wird, heckt der Gouverneur Tullius Destruktivus (Roberto Benigni) einen hinterhältigen Plan aus und entführt die Wurzel allen Übels, den Druiden (griesgrämig gespielt von Claude Piéplu). Asterix (Christian Clavier) und Obelix (Gérard Depardieu) machen sich sofort zur grossen Rettungsaktion auf. Als aber Asterix ­ ohne Zaubertrank ­ ebenfalls von den Römern festgenommen wird, liegt das Schicksal des gallischen Dorfes in den Händen von Obelix.


Wieder einmal die letzte Rettung: Asterix (Christian Clavier) und Obelix (Gérard Depardieu).

Nur wenig Neues aus Gallien

Die aufwendige deutsch-französisch-italienische Produktion soll , so ist es zumindest geplant, den ersehnten Wendepunkt der Krise im französischen Film einleiten. Die bisherigen Zuschauerzahlen in Frankreich scheinen dem rechtzugeben, doch zeigt sich hier wohl deutlich die enorme Zugkraft des Namens «Asterix», der das Publikum trotz einer betrüblich schwachen Geschichte in die Kinos lockt. Zusammengestückelt aus diversen Anekdoten und mit allen wichtigen Figuren der 30 Alben entstand eine zähflüssige Handlung, der es neben Tempo auch an Charme und Tiefsinn der Comics mangelt. Claude Zidi versuchte, sich dem Original anzunähern, indem er die Original-Geschichten nachinszenierte. Doch die Höhepunkte in seinem Film liegen gerade in den wenigen neuen Szenen, weil diese eben extra für den Film geschrieben worden waren und deshalb funktionieren ­ ein Merkmal, dass mehr oder weniger in allen Asterix-Filmen auffällt. Für Asterix-Verehrer lohnt sich der Film aber zumindest wegen der visuellen Umsetzung. Das Dorf der Gallier wirkt phantasievoll und irreal, und die Besetzung der Hauptfiguren scheint an und für sich auch gelungen. Besonders Gérard Depardieu schafft es, seine Figur Obelix überraschend adäquat umzusetzen. Dennoch zeigt der neue Asterix-Film wohl endgültig, dass Goscinnys und Uderzos Werk mit seinem ganzen Witz wohl unverfilmbar bleiben wird.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Astérix et Obélix contre César (1999)
Land:Frankreich
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Claude Zidi
Drehbuch:Claude Zid
Gérard Lauzier
Produktion:Claude Berri
Koproduktion:Dieter Frank
Reinhard Klooss
Ausf. Prod.:Pierre Grunstein
Kamera:Tony Pierce-Roberts
Schnitt:Hervé de Luze
Nicole Saunier
Musik:Jean-Jacques Goldman
Roland Romanelli
Ausstattung:Jean Rabasse
Kostüme:Sylvie Gautrelet
Besetzung:Christian Clavier
Gérard Depardieu
Roberto Benigni
Michel Galabru
Claude Piéplu
Daniel Prévost (I)
Pierre Palmade
Laetitia Casta
Arielle Dombasle
Sim
Marianne Sägebrecht
Gottfried John
Jean-Pierre Castaldi
Jean-Roger Milo
Jean-Jacques Devaux
Hardy Krüger Jr.
Michel Muller
Olivier Achard
Jacques Delaporte
 
Länge:109 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Cecchi Gori Group Tiger Cinematografica
Pathe Video
Melampo Cinematografica
Katharina
Films 7
Pathé Cinéma
AMLF
Neue Constantin Film
President Films
Renn Productions
TF1 Films Productions
Bavaria Film
CH Verleih: Monopole Pathé Films


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