Bandits (1997)

Rocking on Heaven's Door


von Heinz Gnehm


Gefängnisfilme scheinen in Deutschland derzeit Hochkonjunktur zu haben. Nach Männerpension und Knocking on Heaven's Door kommt mit Bandits bereits die dritte derartige Komödie in heimische Kinos. Diesmal allerdings tingelt eine vierköpfige Frauenband unterwegs nach Hamburg quer durch Deutschland. Die Band, eigentlich ein Rehabilitierungsprojekt, nennt sich sinnigerweise Bandits und besteht aus den vier Frauen Emma (Katja Riemann), Luna (Jasmin Tabatabai), Angel (Nicolette Krebitz) und Marie (Jutta Hoffmann).


Der polizeiliche Krisenstab tappt im Dunkeln.

Eine Frauenband auf der Flucht

Als die Bandits auserkoren werden, am diesjährigen Polizeiball aufzuspielen, sehen die vier Frauen ihre Chance gekommen, überwältigen kurzerhand den Wachmann und suchen mit dem Polizeiauto das Weite. Ein befreundeter Kapitän bietet ihnen an, sie für eine Kreuzfahrt als Schiffsband zu engagieren und damit ausser Landes zu schaffen. Die Überfahrt hat allerdings ihren Preis und auf ehrliche Weise lässt sich so viel Geld in so kurzer Zeit nicht verdienen. Allerdings haben die vier kurz vor ihrer Flucht eine Demokassette an den windigen Produzenten Gold (Peter Sattmann) geschickt, seither aber nichts mehr von ihm gehört. Kaum zur Fahndung ausgeschrieben, wird bereits ihr erster Song im Radio gespielt und eine CD ist ebenfalls schon unterwegs. Grund genug also, Gold einen Besuch abzustatten und die fälligen Tantiemen einzukassieren.

Derweil sucht die Polizei unter der Leitung von Kommissar Schwarz (Hannes Jaenicke) und der Mithilfe seiner Assistenten Ludwig (Andrea Sawatzki) und Schneider (Oliver Hasenfratz) fieberhaft nach den Flüchtenden. Als sie bei einem spontanen Konzert in einem Club aufgespürt werden, nehmen sie kurzerhand den amerikanischen Touristen West (Werner Schreyer) als Geisel und entkommen erneut. Ihre Popularität steigt derweil ständig und auf den CD-Hüllen sind ihre Gesichter bald häufiger anzutreffen, als auf den zahlreichen Fahndungsplakaten der Polizei. In Hamburg angekommen, mieten sie sich zusammen mit ihrer Geisel unter falschem Namen in einem Motel ein und müssen nun die Zeit bis zur Abfahrt des Schiffes totschlagen. Kurz vor der Abfahrt geben sie ein letztes Konzert, das allerdings erneut von der Polizei gestürmt und aufgelöst wird. Werden sie das rettende Schiff trotzdem noch erreichen können?


Unterwegs mit der Geisel

Ein überlanger Videoclip

In der langen Serie von deutschen Komödien der letzten Zeit sticht dieser Film vor allem seiner Musik wegen heraus. Die meisten der Songs wurden von den Schauspielerinnen nämlich gleich selbst geschrieben, immerhin war Jasmin Tabatabai jahrelang Mitglied der Frauenband «Even Cowgirls get the Blues» und verfügt über die nötige Erfahrung. Die Musik im Stile der «Bangles» ist denn auch das Highlight dieses Films und hilft über einige Schwächen der Handlung hinweg. Ich habe den Film am Anfang viel zu ernst genommen und war deshalb von der völlig überdrehten Geschichte etwas enttäuscht. Doch all diese Szenen dienen nur dazu, der Band zu Auftritten zu verhelfen und die Musik ständig in den Mittelpunkt zu stellen. So gesehen hat mir der Film nicht schlecht gefallen, allerdings wird mir die Musik wohl länger in Erinnerung bleiben als die Bilder.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Bandits (1997)
Land:Deutschland
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:von Garnier, Katja
Drehbuch:Wilhelm, Uwe
von Garnier, Katja
Kamera:Breuer, Torsten
Schnitt:Funck, Hans (I)
Kostüme:Bobsin, Claudia
Besetzung:Hoffmann, Jutta
Jaenicke, Hannes
Krebitz, Nicolette
Riemann, Katja
Sawatzki, Andrea
Schreyer, Werner
Tabatabai, Jasmin
 
Länge:108 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
Prod.-firma:Olga Film
CH Verleih: Buena Vista


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