Basquiat

Anfang der Achziger herrschte in der Kunstszene New Yorks Goldgräberstimmung, Experimentalisten und Exzentriker waren gefragter denn je. Jean-Michel Basquiat war beides. Der Maler Julien Schnabel portraitiert den Höhenflug und Absturz des bunten Vogels in einer grauen Welt.



Schon als Basquiat (Jeffrey Wright) noch Graffitis auf die Mauern des Big Apple sprayte, sah er in sich selbst ein künstlerisches Genie, das ­ einmal vom Rest der Welt erkannt ­ den Olymp erklettern würde. 1981 lernt er seine erste Liebe Gina Cardinale (Claire Forlani) und seinen ersten Mentor Rene Ricard (Michael Wincott) kennen. Beide würde er betrügen und enttäuschen, während sein Stern in atemberaubender Weise zu strahlen beginnt.


Eine besondere Freundschaft:
Jeffrey Wright, David Bowie

Ein Künstler ...

Erst einmal in die New Yorker Kunstszene eingeführt, wird er bald zu deren Liebling, trotz oder auch gerade wegen seiner schwarzen Hautfarbe. Er wechselt seine Galerie mindestens so häufig wie die zahlreichen Liebhaberinnen. Mit Andy Warhol (David Bowie), in dessen «Factory» er durch den Zürcher Galeristen Bruno Bischofberger (Dennis Hopper) vermittelt wird, findet Jean-Michel einen im eigentlichen Sinn bedingungslosen Freund. So verschieden ihre Kunstformen, so verwandt sind sie sich als Aussenseiter.

Mit dem Überschäumen des Ruhms beginnt Basquiat langsam darin und daran zu Grunde zu gehen. Er lebt exzessiv und rücksichtslos, auch gegenüber seiner selbst. Drogen und sein egozentrisches Verhalten treiben ihn zusehends in die Isolation. Mit dem gewaltsamen Tod Andy Warhols vor nunmehr zehn Jahren verliert er vollends den Halt und stirbt ein Jahr später, gerade 27-jährig, an einer Überdosis.


Nähe und Distanz:
Jeffrey Wright, Claire Forlani

... gesehen mit den Augen von Künstlern.

«Ich wollte einen Film über Jean-Michel im Speziellen und über das Leben eines Künstlers in dieser Kultur überhaupt machen.» Julian Schnabel weiss, wovon er spricht. Seine eigenen Bilder und Skulpturen traten bisweilen zusammen mit jenen Basquiats die Reise durch Galerien an. Als «Überlebender» möchte er das Leben und Leiden seines Künstlerkollegen aus einer anderen Optik zeigen und hat zu diesem Zweck erstmals die Pinsel gegen die Linse eingetauscht. «Das Grosse am filmischen Medium ist ja, dass man zwei völlig verschiedene Welten, widerstreitende Welten, nebeneinander verfolgen kann.» 1)

Doch nicht nur der Regisseur und Drehbuchautor, auch ein Grossteil der Besetzung bewegt sich auch im wirklichen Leben in der einen oder anderen Kunstszene, was dem Film seine Glaubwürdigkeit und dadurch Stärke verleiht: Jeffrey Wright spielt nicht einfach Basquiat, er ist es. Oder David Bowie, zu dessen schillernder Persönlichkeit die Rolle des ebenso schillernden Andy wenigstens so gut passt, wie die vom Warhol Museum zur Verfügung gestellte Perücke.

«Man muss von Kunst und Kunstwelt nichts verstehen, wenn man sich in die Geschichte Basquiats einfühlen will. Ich wollte mich beim Publikum nicht anbiedern und diesen Film nicht mit konventionellen Mitteln erzählen. Die ersten Reaktionen scheinen mir Recht zu geben. Die amerikanischen Regisseure unterschätzen die Intelligenz ihres Publikums oft und schrauben ihre Ausdrucksmittel auf ein Niveau hinab, das aufs Publikum beleidigend wirken müsste.» 1)

Sven Schwyn

1) Julian Schnabel in einem Interview mit Patrick Roth, Tagi vom 4./5.1.1997


Angaben zum Film

Titel:Basquiat
Genre:Studiofilm
Bewertung:****.
Länge:108 Minuten
Regie:Julian Schnabel
Drehbuch:Julian Schnabel (nach Lech Majewski)
Produktion:Jon Kilik, Randy Ostrow, Joni Sighvatsson, Lech majewski (co)
Peter Brant (exec), Joseph Allen (exec), Michiyo Yoshizaki (exec)
Kamera:Ron Fortunato
Musik:John Cale
Besetzung:Jeffrey Wright (Jumpin' at the Boneyard, Faithful)
Michael Wincott (Dead Man, Strange Days)
Benicio del Toro (The Usual Suspects, Swimming with Sharks)
Claire Forlani (The Rock, Mallrats)
David Bowie (The Man Who Fell to Earth, Into the Night)
Dennis Hopper (Giant, Easy Rider, Speed)
Verleih:Rialto


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