Beautiful Thing

Statt wie viele andere in Sozialbauten lebende Jugendliche mit Drogen abzustürzen, entscheiden sich zwei Jungs für die Liebe.



Jamie (Glen Berry) und Ste (Scott Neal) sind Nachbarn, doch ihre "Familien" sind sehr verschieden. Ste wird ohne ersichtlichen Grund von seinem Vater und seinem Bruder blau und schwarz geprügelt. Jamies Mutter Sandra (Linda Henry) schlägt sich stark durch ihr schweres Leben als alleinerziehende Mutter. Sie versucht, Jamie vor den Ausstossungen in der Schule zu bewahren, aber auch sie kann ihre Nerven verlieren und auf ihren Sohn einschlagen. Trotz (oder gerade wegen) ihren Gefühlsschwankungen wirkt sie stets menschlich. Konfrontiert mit Jamies Liebesbeziehung zu Ste reagiert sie zwar verstört auf seine Homosexualität, steht ihm jedoch in der auch für ihn schweren Zeit bei.

Jamie streicht Stes wunden Rücken ein
Die erste Liebe ist für Ste und Jamie von Problemen begleitet. Immer schon ein Aussenseiter, muss Jamie in seinen Schulheften Sprüche wie "Bum-Fucker" finden, während Ste höllische Angst hat, sein Vater könne seine Beziehung zu Jamie entdecken und somit einen "richtigen" Grund für Prügel haben. Zu Hilfe kommt ihm Leah (Tameka Empson), eine von Mama Cass und Drogen faszinierte Exzentrikerin. Sie versichert Stes Vater, er und Jamie seien bloss Kollegen, obwohl die dünnen Wände zwischen den Wohnungen etwas anderes erzählen.


Who said life was easy?

Als Jamie und Ste ihre Liebe entdecken, können wir nicht unberührt bleiben. So sanft und voller Wärme wird ihre Freundschaft gezeigt, dass bei uns Mitfühlenden auch im geheizten Kinosaal Gänsehaut entsteht. Die sorgfältig ausgearbeitete Mutterfigur der Sandra überzeugt durch ihren Wechsel von Stärke zu Schwäche und zurück. Nach vielen Jahren in den Sozialwohnungen weiss sie, was es heisst zu kämpfen. Trotz steter Beschimpfungen zwischen ihr und der aus der Schule geflogenen Leah (es wimmelt bloss so von "Schlampen" und heftigeren, nicht druckwürdigen Ausdrücken), mögen sich die Beiden eigentlich ganz gut: in der Monotonie entsteht Solidarität.

Wie Jamie, Ste und Leah schon zu Beginn des Filmes sehen, scheint auch über den grauen Wohnblöcken der Regenbogen. Die Stärke des von der Theaterregisseurin Hettie Macdonald vor allem mit Theaterschauspielern realisierten Filmes liegt darin zu zeigen, wie auch in einer tristen Umgebung Menschen mit traurigen Hintergründen im Leben (kurzes) Glück finden können.

Beautiful Thing ist ein wärmstens zu empfehlender Film über menschliche Nähe und Distanz, der von hervorragenden Schauspielern und einer einfühlsamen Inszenierung getragen wird.

Flavia Giorgetta

Sandra und Leah versöhnen sich

Angaben zum Film

Copyright © 1997 Focus Film AG (Bilder)
Copyright © 1996, 1997 CineNet (Text)