Before and After


Hyland Daily Mirror

HL. Gestern Nachmittag erlag die Schülerin Martha Taverner (Alison Folland) ihren schweren Verletzungen. Die Polizei geht weiterhin von einem Gewaltverbrechen aus, unter dringendem Tatverdacht steht der minderjährige Jacob Ryan (Edward Furlong). Er soll als Letzter mit dem Mädchen gesehen worden sein. Die eingeleiteten Ermittlungen sowie eine landesweite Fahndung haben bisher noch nichts ergeben.



Aber die Ermittlungen hätten etwas ergeben, wäre nicht Jacobs Vater Ben (Liam Neeson) so schnell und gründlich beim Vernichten der Beweise gewesen. Als er realisiert, dass sein Sohn in die Geschehnisse verwickelt ist, entschliesst er sich, ihn auf diese Weise zu schützen. Seine Frau Carolyn (Meryl Streep) und Tochter Judith (Julia Weldon) haben zwar Bedenken, ziehen vorerst aber dennoch mit. Jacob ist auf der Flucht, wird verhaftet und kommt auf Kaution wieder frei und nach Hause.


Eine Familie kämpft ums Überleben

In den Augen der Dorfbewohner ist Jacob schuldig, schuldig des Mordes. Zwar gibt es keine direkten Zeugen, aber die beiden gingen immerhin miteinander und wurden am Tatort zusammen gesehen. Doch der Fall liegt viel komplizierter. Jacob gesteht seiner Familie den wahren Hergang, wie aus einem Wortgefecht ein Gezanke entstanden und Martha sehr unglücklich hingefallen ist.

Ein Streit mit Folgen: Martha und Jacob
Nun spalten sich die Meinungen in der Familie: Tochter Judith hält das Ganze nicht mehr aus und drängt die Mutter, endlich die Wahrheit zu sagen. Der Vater hält an der unglaubwürdigen da erfundenen Geschichte fest, Jacob weiss eh nicht, was er tun soll und ihr Anwalt versucht Martha in ein fahles Licht zu stellen. Schliesslich platzt Carolyn der Kragen und sagt die Wahrheit aus.

Nach der Explosion scheint die Familie zu zerbrechen. Aber (wohl im Interesse des hollywoodschen Happy-Ends der Romanvorlage folgend) das Gegenteil passiert. Der Sohn wandert wegen fahrlässiger Tötung für drei Jahre in Jugendhaft, Ben wegen Vernichtung von Beweismitteln für ein Jahr. Beide kommen sie wegen guter Führung früher wieder aus der Haft, die Familie zieht um und so leben sie mehr oder weniger Glücklich weiter.


Angeklagt! Aber wer?

"Your whole life can change in a second ..."

... and you never even know when it's coming." Diese Binsenwahrheit liegt dem Film zu Grunde und taucht immer wieder auf. Der Regisseur Barbet Schroeder dreht das Familiendrama in bequemer "It could happen to you"-Manier, es gelingt ihm aber nicht, die Zuschauenden wirklich in die Geschichte zu versetzen. Zu zweidimensional sind die Charakteren, als dass eine Identifikation möglich wäre. Merryl Streep und Liam Neeson geben sich zwar alle Mühe, können diese Schranke aber letztlich auch nicht überwinden; am ehesten gelingt es vielleicht noch Julia Weldon in der Kinderrolle der Tochter Judith, ihrem ersten grossen Leinwandauftritt.

Before and After arbeitet ein interessantes Thema nicht ganz optimal auf. Das Leben in der Familie, Solidarität und "It's possible to disagree with someone and still love him" sind es sicher wert, einmal etwas darüber nachzudenken. Und ganz nebenbei deutet der Film auf eine menschliche Schwäche hin, die dazu tendiert, Menschen für schuldig zu halten, bevor sie das Gegenteil beweisen.

Sven Schwyn


Bedrängt von allen Seiten: Carolyn und Ben


Angaben zum Film

Weitere Informationen gibt es hier.



Copyright © 1996 Buena Vista International (Schweiz) AG (Bilder)
Copyright © 1996 CineNet (Text)