The Birdcage

Und plötzlich steht dein Sohn da, und eröffnet dir seelenruhig seine Heiratsabsichten.



Eine Situation, die Mamis und Papis das Fürchten lehrt. Erst recht kracht es im Familiengebälk, da es sich bei den Eltern in diesem Fall um Papi Armand (Robin Williams) und Papi Albert (Nathan Lane) handelt. The Birdcage ist nicht die erste Verfilmung von Jean Poirets Theaterstück "La cage aux folles", sicher auch nicht die beste. Aber für einen unterhaltenden Kinoabend ist mit dieser auf amerikanische Verhältnisse gemünzten Variation allemal gesorgt.

Oh, Schreck! Nathan Lane als Albert.

"Let's drink a toast to this catastrophy."

Nicht genug, dass sich der Junior Val (Dan Futterman) verheiraten will, nein, ausgerechnet der erzkonservative Senator Keeley (Gene Hackman) ist der Vater der Braut, seineszeichens selbsternannter Moralapostel und Vorsitzender eines entsprechenden Komitees für Sitte und Anstand. Als es in seiner politischen Nachbarschaft zu einem Sex-Skandal kommt und er sich unvermittelt inmitten eines Pressetornados wiederfindet, drängt seine First Lady (Dianne Wiest) darauf, die Familie des zukünftigen Schwiegersohns kennenzulernen, zumal eine nette Hochzeit dem angeschlagenen Image nur von Nutzen sein kann. Die Bemühungen von Tochter Barbara (Calista Flockhart), ihre Eltern von diesem Vorhaben abzubringen, scheitern kläglich und das Unheil nimmt seinen Lauf.


Auf der Flucht vor den Medienhaien: Gene Hackman
Während die Keeleys im Auto und mit Journis im Schlepptau die Reise vom hohen Norden nach Florida antreten, laufen dort fieberhafte Vorbereitungen an. Kein einfaches Unterfangen: Alles, was irgendwie auf die homosexuelle Zusammensetzung von Vals Eltern hinweist, wird weggepackt und durch möglichst biederes "good american" Interieur ersetzt, bis zuletzt gar ein Kruzifix die Wohnzimmerwand ziert.



Fix und fertig: Robin Williams und Dan Futterman

"So this is hell, and there's a crucifix in it!"

Schwieriger stellt sich die "Umpolung" der Menschen dar. Armand kann (und will) sich kaum besser verstellen als das Hausjüngchen Agador (Hank Azaria) und muss sich zudem noch mit Alberts chronischen Hysterie- und Eifersuchtsattacken auseinandersetzen.

Der Tag X ist da, und trotz kleinerer Pannen lässt sich der dümmliche Senator blenden und bekommt die latente Spannung, die in der Luft hängt, nicht mit. Bis, ja bis die echte Mutter auftaucht und das Kartenhaus in sich zusammenfällt. Aber keine Angst, wie bei Poiret gibt es auch hier ein Happy End.

Wirklich gelungen sind die immer wieder eingeflochtenen Randbemerkungen mit politischem Anstrich; ob Clinton, ob Dole, hier bekommen alle ihr Fett ab. Zuweilen zum Umfallen komisch sind der Broadway-Schauspieler Nathan Lane und Hank Azaria, und das ohne auf homosexuellen Gefühlen herumzutrampeln oder sie gar zu verunglimpfen.

Unterhaltung pur, nicht wie so oft mit einer Überdosis Moralin geimpft, und ein Spass für Jung und Alt.

Sven Schwyn


Die unvergleichliche Starina: Nathan Lane

Angaben zum Film

Copyright © 1996 UIP (Bilder)
Copyright © 1996 CineNet (Text)