Blue in the Face


Brookyln, New York, zweiter Teil

Kaum haben sich die Rauchschwaden aus Auggie Wren's (Harvey Keitel) kleinem Tabakladen verzogen, wird auch schon wieder geraucht in Brooklyn. Regisseur Wayne Wang und Drehbuchautor Paul Auster, die mit Smoke ein sensibles Porträt grossstädtischer Realitäten abgeliefert haben, nutzten die Gunst der Stunde und die Eigendynamik, die sich bei der Herstellung eines Films entwickeln kann, um aus kreativen Abfällen, die sonst am Boden des Schneideraums oder im Papierkorb des Autors enden, eine Collage von teilweise improvisierten Situationen zu basteln.

Wieder spielt Auggie's Geschäft für Raucherwaren den Dreh- und Angelpunkt der Rahmenstory. Der Schwerpunkt hat sich aber von den menschlichen Schicksalen, die bei "Smoke" im Zentrum standen, zur Wiedergabe von allerlei Anekdoten, Klischees und Bildern über New York und im Speziellen den Stadtteil Brooklyn verschoben.

Da philosophiert Lou Reed über den Grund, wieso er immer noch nicht aus New York weggezogen ist, Jim Jarmusch raucht seine angeblich letzte Zigarette, Madonna überbringt, knapp bekleidet, ein singendes Telegramm, Michael J. Fox verkleidet sich als Stadtstreicher und genauso verkleidet erkundigt sich Lily Tomlin nach belgischen Waffeln. Auggie muss sich mit der vernachlässigten Frau des Ladenbesitzers Vinnie (Victor Argo) rumschlagen, während sich sein Boss mit dem Gedanken trägt, den Zigarrenladen durch ein Geschäft für Reformprodukte zu ersetzen.

Zwischen die Episoden eingestreut sind Videoaufnahmen, in denen Einwohner von Brookyln über sich und ihr Viertel Auskunft geben. Dabei zeigt sich, dass die Bürger eine bestimmte Begebenheit aus der Geschichte ihres Stadtteils offensichtlich bis heute nicht verdaut haben: Der Wegzug der Brookyln Dodgers aus dem Stadium Ebberts Field. Zum Schluss wird, wie es sich gehört, vor Auggies Laden ein ordentliches Strassenfest gefeiert, bei dem sich Travestie-Star RuPaul als Vortänzer betätigt.

Blue in the Face ist eine Collage ab und zu humorvoller, aber mehrheitlich belangloser Geschichten, die von allerlei Berühmtheiten zum Besten gegeben werden. Brooklyn mag ein interessanter Stadtteil von New York sein, aber als zentrales Thema eines Films gibt er nicht besonders viel her. Blue in the Face kann deshalb auch nur eingefleischten "Smoke"-Liebhabern, Promi-Spottern oder Fans der "Crooklyn Dodgers" ohne Bedenken empfohlen werden. Sonst könnte es sein, dass Sie das Kino nach knappen 85 Minuten ziemlich frustriert verlassen...

Angaben zum Film



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