Le bonheur est dans le pré

Sein Leben bestand aus Klodeckeln und Toilettenbürsten, aus Stress, Ärger und Herzproblemen. Aber eine Fernsehsendung sollte das alles von Grund auf umkrempeln.


Francis (Michel Serrault) hat Probleme, grosse Probleme: Die Klobürsten-Abteilung seiner Manufaktur soll geschlossen werden, weswegen die Belegschaft lautstark den Aufstand probt. Ausserdem hat er die Steuerprüfer im Nacken, woran seine versnobte Frau Nicole (Sabine Azéma) und die verwöhnte Tochter nicht gerade unschuldig sind, geben sie das Geld doch mit beiden Händen aus. Und scheint auch noch das Herz schlapp zu machen.


Die neue Kollektion: "Schön, jedenfalls
wenn du das WC in der Küche hast."

"Où es tu?"

...ist eine Fernsehsendung, die nach vermissten Angehörigen fahndet. Das kollektive Erstaunen ist gross, als auf der Mattscheibe plötzlich das Gesicht von Francis zu sehen ist. Obwohl Francis nur ein Doppelgänger ist, lässt er sich von seinem alten Freund Gérard (Eddy Mitchell) und den Fernsehfritzen so lange bezirzen, bis er in die Haut jenes Gesuchten schlüpft. Er lässt seine Familie und die Firma wie sie sind und fährt mit Görard aufs Land - zur Bäuerin Dolores (Carmen Maura), jener Frau, die in der Fernsehsendung nach ihrem verschwundenen Mann suchte.

Dort angekommen verliebt sich Francis in das ländliche Leben, in den Hof, den kleinen Hügel hinter dem Haus, in "seine" Töchter mit Dolores und - schliesslich - Dolores selbst. Es kommt schnell ans Tageslicht, dass Dolores weiss, dass Francis nicht ist und Francis nicht weiss, wie überhaupt und sowieso. Der Harmonie zuliebe akzeptieren sie die Situation vorläufig wie sie ist.


Der kleine Hügel hinter dem Haus:
Michel Serrault und Eddy Mitchell

Alles wird gut

In einem atemberaubenden Staccato löst sich gegen Ende des Films alles in Wohlgefallen auf: Dolores' Mann war ein Bankräuber, seine Gebeine liegen im Brunnen, mit dem Geld kann Francis seine Klobürsten retten, seine versnobte Familie wird von Görard umgepolt, alle bändeln irgendwas an und zu guter letzt bleibt die perfekte Harmonie übrig. Alles klar?

Der Film ist urfranzösisch, Regisseur Etienne Chatiliez: "Wir wollten eine Geschichte erzählen, die tief in der Provinz wurzelt. Wir wollten von unumstösslichen Grundwerten erzählen." Die da sind Essen, Lieben, Essen, Freiheit und Essen. Passend dazu (wenn auch ansonsten völlig daneben) markiert Gérard den Supermacho, den Oberpascha, der auch noch die widerspänstige Nicole zähmt. Die Frau als "Underdog". Dieses Motto hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack und es bleibt einig die Hoffnung, dass es sich um Realsatire und nicht eine Quintessenz des Filmes handeln soll. Ich will mal davon ausgehen - auch für die Bewertung.

Noch hat sie das sagen: Sabine Azéma
Obwohl die Geschichte (und insbesonders deren Schluss) doch unwahrscheinlicher kaum sein könnte, wirkt sie nie ausgesprochen künstlich oder aufgesetzt. Es passt irgendwie doch in das Bild oder wenigstens das Klischee Frankreichs und seiner Leute. Jedenfalls entpuppte sich Le bonheur est dans le pré als ausgesprochener Kassenschlager in Frankreich. Hierzulande werden mindestens alle Fussballfans entzückt sein, in einer Nebenrolle (als Lionel) ist nämlich Eric Cantona zu sehen.

Sven Schwyn

Angaben zum Film



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