En Fall für d'Borger

Nach dem Grosserfolg «Babe» kommt nun ein weiterer Kinderfilm in schweizerdeutscher Synchronfassung auf die Leinwände.


von Sandra Walser


Sie mögen die Situation kennen: man wirft zwei Socken in die Waschmaschine, eine davon bleibt nach dem Waschvorgang spurlos verschwunden. Was ist passiert? Es gibt eine einfache Erklärung: Die Borger. Winzlinge, die unter Dielenbrettern leben und von den Menschen Dinge ausleihen, borgen eben. Da werden Socken zu Bettdecken, Zahnseide zu einem Kletterseil und Büroklammern zu Werkzeug.



Kleinstmenschen, die unbemerkt in unseren Häusern leben, sind ein beliebtes Thema für Kinderfilme. Immer wieder wird es aufgenommen, doch langsam hat es seine ursprüngliche Faszination verloren. Zumindest wäre es an der Zeit gewesen, sich eine geistreichere Geschichte als die der Winzlinge, die am Schluss über einen grossen bösen Menschen siegen, zu überlegen. Offenbar hat sich aber genau diese bewährt, und warum also sollte man da lange Phantasie walten lassen? Trotzdem jedoch gewährt der Film noch genügend ungewohnte Einblicke, die einen ins Staunen versetzen.



Gut gegen Böse

Die vierköpfige Borgerfamilie Clock lebt seit Jahren im Haus der Lenders. Eines Tages wird die abenteuerlustige Kleinfrau Arietty vom Menschling Pete entdeckt. Die beiden werden Freunde. So erfährt die Borgerin, dass der widerwärtige Anwalt Potter (John Goodman) das Haus abreissen will. Die Lenders müssen umziehen und Pete beschliesst, die Borger in sein neues Heim mitzunehmen. Auf dem unsanften Transport werden Arietty und ihr Bruder jedoch aus dem Auto herausgeschleudert. Völlig verloren in der grossen und fremden Welt sind sie nun ganz auf sich selbst gestellt - und kämpfen gegen den bösen Potter, um das Haus zu retten.

Authentizität

Der Film läuft bei uns in der schweizerdeutschen Synchronfassung. Mit «Babe» war in dieser Hinsicht ein Meilenstein gesetzt worden, an den es nur schwer heranzukommen ist. «En Fall für d' Borger» wirkt denn auch weniger leidenschaftlich, obwohl Leute wie Victor Giacobbo oder Beat Schlatter mitwirken. Ein Lob gebührt allerdings Walo Lüönd, der mit seiner Stimme der Figur des hassenswerten Potter eine unglaubliche Authentizität zu verleihen vermag.



Was weniger gefällt, ist dies: «En Fall für d' Borger», der einzig von der Faszination der ungewohnten Bilder lebt, nutzt genau dies für seine eigenen Zwecke aus: Die Winzlinge borgen Batterien, dabei ist der Schriftzug der Herstellerfirma «Energizer» immer penetrant gegen das Publikum gerichtet. Als Kleid trägt ein Borger eine umfunktionierte «M&M's» Packung. Die Zahnseide, mit der sich die Borger durchs Zimmer schwingen, ist von «Johnson&Johnson», wohlgemerkt. Bei James Bond-Filmen wird zwar dieselbe Werbestrategie verwendet, sie wird aber offen dargelegt und gehört zum Kult um die Abenteuer des Superagenten 007. Während Bond ein erwachsenes Publikum unterhält, ist «En Fall für d' Borger» für Kinder gedacht. Product Placement zeigt sich hier also in einer recht fragwürdigen Anwendung.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:En Fall für d'Borger
Land:Grossbritannien
Genre:Kinderfilm
Bewertung:
 
Regie:Peter (I) Hewitt
Drehbuch:John Kamps
Mary (I) Norton
Gavin Scott
Produktion:Tim Bevan
Eric Fellner
Mary (I) Richards
Rachel Talalay
Koproduktion:Liza Chasin
Debra Hayward
Ausf. Prod.:Walt deFaria
Kamera:Trevor Brooker
John (I) Fenner
Schnitt:David (II) Freeman
Musik:Harry Gregson-Williams
Ausstattung:Gemma Jackson
Kostüme:Marie France
Besetzung:Jim Broadbent
Andrew Dunford
Tom Felton
Aden Gillett
John Goodman
Bob Goody
Celia Imrie
Hugh Laurie
Doon Mackichan
Patrick Monkton
Flora Newbigin
Raymond Pickard
Bradley Pierce
Dick Ward
Ruby Wax
Mark (I) Williams
George Yiasoumi
 
Länge:86 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:
Prod.-firma:Working Title
CH Verleih: Elite Film


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