Broken Arrow

Ein Film von John Woo


Bis auf die allerletzte Kugel...

John Woo, der Kultregisseur aus Hong Kong, hat in seiner neuen Heimat USA offensichtlich Mühe, seine alte Form wiederzufinden. Nachdem der Schöpfer blutrünstiger und extrem bleihaltiger choreographischer Meisterwerke, wie Hard Boiled oder The Killer mit dem Jean-Claude van Damme-Vehikel Hard Target seine Fans ziemlich enttäuscht hatte, ist man nun gespannt, ob Broken Arrow hält, was es verspricht. Die Voraussetzungen sind jedenfalls gut. Ein Drehbuch aus der Feder von Speed-Autor Graham Yost, zwei populäre Akteure und ein für Woo-Verhältnisse noch nie dagewesenes Budget, lassen die Erwartungen hoch fliegen.

Die Elite-Piloten Vic Deakins (John Travolta) und Riley Hale (Christian Slater) fliegen für die US Air Force den streng geheimen B3 Stealth Bomber. Bei einem Übungsflug mit zwei scharfen thermonuklearen Sprengköpfen setzt sich Deakins unerwartet ab. Hale entkommt mit dem Schleudersitz und wird von der hübschen Parkwächterin Terry Carmichael (Samantha Mathis) aufgefunden. Deakins wirft die nicht aktivierten Bomben ab und landet ebenfalls mit dem Schleudersitz. An der Absturzstelle warten auch schon seine Komplizen, eine Gruppe hartgesottener Söldner. Um das Militär davon abzuhalten, eine grosse Suchaktion zu starten, lässt Deakins das Hauptquartier glauben, dass die Hüllen der Bomben aufgeplatzt seien und Radioaktivität entweiche. Damit will er Zeit gewinnen, um die Sprengköpfe in Sicherheit zu bringen.

Doch er hat nicht mit Hale und Terry gerechnet. Die beiden sind ihm hart auf den Fersen, können aber nicht verhindern, dass Deakins schliesslich einen der Sprengköpfe in einem tiefen Minenschacht zündet. Deakins kontaktiert nun das Pentagon und verlangt die Zahlung von 250 Millionen Dollar, ansonsten würde er die Bombe über bewohntem Gebiet detonieren lassen. Er flüchtet auf einem Güterzug, wird aber von Terry und Hale aufgespürt. In letzter Minute, bevor der Zug Las Vegas erreicht, können die beiden die Bombe entschärfen und Deakins und seine Komplizen unschädlich machen.

Broken Arrow ist spannend und unterhaltsam. Doch wer einen Film mit der Handschrift von John Woo erwartet hat, wird arg enttäuscht sein. Es fehlen die langen Einstellungen mit ausgeklügelten Choreographien, seine inflationär eingesetzten slow-motion-Effekte und nicht zuletzt die mit einem kleinen Schuss Optimismus versetzte beklemmende Atmosphäre von Hong Kong, die sonst Woos Filme so unverkennbar gemacht haben. Ein frisches Element sind die Einstellungen, bei denen sich Woo offensichtlich von Spaghetti-Western-Grösse Sergio Leone inspirieren liess. Das Drehbuch entspricht dem üblichen Hollywood Action-Niveau mit allen gängigen Klischees und leider ziemlich langweiligen Dialogen. Travolta's Figur bekommt dabei ausreichend Gelegenheit, seine Durchtriebenheit zu beweisen, während die beiden Helden Slater und Mathis eher zu kurz kommen. Schade auch, dass Travolta das schauspielerische Potential seiner Rolle nur am Rande ausschöpft.

M. Blatter

Angaben zum Film

Offizielle "Broken Arrow"-Webpage von Fox Schweiz


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