Buffalo '66 (1998)

Ein kleiner Scheisser mit sehr viel Talent.


von Serge Zehnder


Dies ist auf jeden Fall das Bild, welches von Gallo selbst gezeichnet wird. Verstossen von seinen Eltern, missachtet von Berufskollegen hat er sich in der Vergangenheit oft in kleineren Nebenrollen herumgetummelt und lästert nun frisch-fröhlich über Gott und die Welt.
Besonders wütend ist er auf seine Eltern, die ihm als Kind nicht nur jegliche Flausen über eine Schauspielerkarriere austreiben wollten, sondern auch kaum irgendwelche anderen Fähigkeiten in ihm förderten. Ungeliebt, unbeachtet und mit einer Stinkwut im Bauch griff Gallo nach den Sternen und hat durch sein Regie-Debüt mit seiner Vergangenheit abgerechnet und seine Zukunft besiegelt.


Billy's Eltern (Houston und Gazzara) halten so gar nichts von ihrem Sohn.

LOKUSPROBLEME

Verhangen,kalt und regnerisch ein Tag wie gemacht für Billy Brown (Gallo), einen ewigen Verlierer, der für einen Kriminellen ins Gefängnis ging. Nach einem horenden Wetteinsatz war Billy bei einem Buchmacher (Mickey Rourke) hoch verschuldet: da er diese Schulden nicht tilgen konnte, wurde er dazu gezwungen, ein Verbrechen zu gestehen, das er nicht begangen hatte. Fünf Jahre später, an jenem tristen Tag, wird er wieder in die Freiheit entlassen.
In Buffalo angekommen sucht er zuerst einmal eine Toilette, auf die er seit Stunden gehen müsste. Eine absurde Suche, die ihn in das Übungslokal einer Tanzschule führt, wo er die halbwüchsige Layla (Christina Ricci) entführt und sie dazu zwingt, seine Frau zu spielen, damit er bei seinen Eltern gut ankommt. Mutter und Vater Brown (genial Angelica Houston / Ben Gazzara) sind voll des Lobes für Layla, während sie ihren eigenen Sohnemann kaum beachten und ihn sogar für das Scheitern ihres eigenen Lebens verantwortlich zeichnen. Ja, Billy Brown hat nichts und niemanden, der ihm etwas bedeutet, oder der ihm das Gefühl vermittelt jemand bedeutender zu sein. Bis auf Layla, die trotz Billy's ekelhafter Art bei ihm bleibt, und aus dem Misanthropen Gefühle zu entlocken beginnt.


«The couple that doesn't touch.»
Als Rache an seinen Eltern geplant, entwickelt sich Buffalo 66 von einem Schmähruf auf die Gesellschaft zum Hoffnungsträger für die Underdogs dieser Welt. In rauhen Bildern und schmerzhaft realistischen Darstellungen outet sich Gallo selbst als Verächter von allem, was nicht seiner Vorstellung entspricht. Letztenendes ist er dennoch ein Optimist, der an die Fähigkeit des Wandels, an die Liebe und an ein Leben nach der Hölle, genannt Kindheit, glaubt. Und mag manches auch Image-Pflege sein, man glaubt es dem Multitalent (neben der Hautprolle und Regie, hat er auch das Drehbuch und die Musik geschrieben), dass er kein idyllisches Leben geführt hat.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Buffalo '66 (1998)
Land:USA
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Vincent Gallo
Drehbuch:Vincent Gallo
Alison Bagnall
Produktion:Chris Hanley
Gretchen McGowan
Koproduktion:Deborah Brock
Ausf. Prod.:Michael Paseornek
Jeff Sackman
Kamera:Lance Acord
Schnitt:Curtiss Clayton
Musik:Vincent Gallo
Ausstattung:Gideon Ponte
Besetzung:Rosanna Arquette
Terry Braunstein
Jack Claxton
Kevin Corrigan (I)
Julius Digennaro
Manny Fried
Vincent Gallo
Ben Gazzara
Norma Gelose
Jack Hunter (II)
Anjelica Huston
Alex Karras
Jamie King
Janel King (II)
Kim Krah
Michael Maciejewski
Carl Marchi
Anthony Mydcarz
Kevin Pollak
Christina Ricci
Mickey Rourke
John Rummel
John Sansone
Dominic Telesco
Jan-Michael Vincent
Bob Wahl
Penny Wolfgang
 
Länge:110 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby
Prod.-firma:Lions Gate Films Inc.
Muse Productions
CH Verleih: Look Now!


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