A Bug's Life (1998)

Und wieder krabbelt es im digitalen Unterholz: Disneys «A Bug’s Life» erreicht zwar einige Wochen nach «Antz» die Schweizer Kinosäle, braucht sich aber nicht zu verstecken.


von Marc Mair-Noack


Seit Anbeginn des Zeichentrickfilms war Walt Disney ein Garant für immer neue technische Innovationen. Die Konkurrenz holte zwar jeweils gemächlich auf, doch blieb Disney bis heute das Synonym für den guten, abendfüllenden Animationsfilm. Mit Toy Story gelang vor drei Jahren ein weiterer aufsehenerregender Schritt: In Zusammenarbeit mit den «Pixar Animation Studios» entstand erstmals ein Spielfilm vollständig im Computer, und wurde daraufhin gleich für mehrere Oscars nominiert. Was damals noch ein wenig steril wirkte, ist nun mit A Bug’s Life sichtbar verbessert worden. Disneys krabbelnde Insekten wirken überraschend quirlig und lebendig, die Welt unter den Grashalmen beherbergt eine traumhafte Atmosphäre. Zusammen mit einem guten Drehbuch ist somit ein äusserst unterhaltsamer Trickfilm entstanden.


Heuschrecke Hopper zeigt, was einen richtigen Tyrannen ausmacht.

Eine Ameise sucht ihr Glück

Die Bewohner der Ameiseninsel führen ein sorgenvolles Leben. Das eh schon spärliche Futter muss nicht nur für die eigene Kolonie reichen, sondern auch noch als Opfergabe eine aggressive Heuschrecken-Gang milde stimmen. Keine leichte Aufgabe, besonders als die tolpatschige Ameise Flik aus Versehen den Futterberg mit den gesammelten Opfergaben in den nahen Fluss bugsiert. Heuschrecken-Boss Hopper kennt natürlich keine Gnade: Am Ende des Sommers erwarte er einen doppelt so grossen Futterberg auf der Insel, ansonsten komme es zu einem Massaker. Während die Ameisenkolonie hoffnungslos ans erneute Futtersammeln geht, macht sich der Aussenseiter Flik, vom schlechten Gewissen getrieben, auf den Weg, um Hilfe gegen die Grashüpfer zu suchen. Einige Gebüsche entfernt trifft Flik auf eine arbeitslose Käfer-Zirkusgruppe ­ was zu einem verhängnisvollen Missverständnis führt. Überzeugt, eine kampferprobte Kriegertruppe gefunden zu haben, macht er sich auf den Rückweg zu seinem Volk, das für einen grossen Empfang sorgt. Alle Hoffnungen ruhen nun auf Flik und seinen neuen Freunden, doch als die vermeintlichen Krieger als harmlose Zirkusartisten enttarnt werden, ist es zu spät ­ Hopper und seine Heuschrecken-Bande kommen zurück.


Die angeblichen Retter nahen...

Insektenepos für junge Zuschauer

John Lasseter schuf mit A Bug’s Life nach Toy Story ein weiteres sehr amüsantes und kurzweiliges Abenteuer. Da mit Antz aber einige Wochen vor Disneys Film ein ebenso computeranimiertes Insektenepos in die Kinos kam, kann man sich einen Vergleich zwischen diesen beiden Streifen kaum verkneifen. Doch die Filme müssen sich nicht voreinander verstecken, da sie offensichtlich ein jeweils anderes Publikum ansprechen wollen. Wo sich Antz mit Woody Allens Präsenz und dessen philosophischen und skuril-absurden Gags hauptsächlich an erwachsene Zuschauer wendet, gehen Disneys Käfer ­ dramaturgisch wie visuell ­ auch auf den Horizont und das Interesse eines jüngeren Publikums ein. Dementsprechend wirken auch die Figuren bei A Bug’s Life einiges pausbäckiger und niedlicher als in der «DreamWorks»-Produktion. Und zum Schluss noch dies: Verlassen sie keinesfalls zu früh den Saal, denn was die Käfer nach dem Abspann als Zugabe bieten, ist ein witziges kleines Highlight der Animationsfilmgeschichte.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:A Bug's Life (1998)
Genre:Trickfilm
Bewertung:
 
Regie:John Lasseter
Andrew Stanton
Drehbuch:John Lasseter
Andrew Stanton
Joe Ranft
Don McEnery
Bob Shaw
Produktion:Darla K. Anderson
Kevin Reher
Kamera:Sharon Calahan
Schnitt:Lee Unkrich
Musik:Randy Newman
Ausstattung:William Cone
Besetzung:Dave Foley
Kevin Spacey
Julia Louis-Dreyfus
Denis Leary
Hayden Panettiere
Phyllis Diller (I)
David Hyde Pierce
Madeline Kahn
Bonnie Hunt
John Ratzenberger
Brad Garrett
 
Länge:96 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Walt Disney Productions
Pixar Animation Studios
CH Verleih: Buena Vista


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