Chacun cherche son chat

Eine ausgerissene Katze sorgt im Pariser Stadtteil "Bastille" für viel Bewegung. Doch das ist nur der Vorwand für einen Film, in dem "jede ihr und jeder sein Kätzchen sucht."



Das ist auch der (politisch) korrekte deutsche Titel. Und so geht es in Cédric Klapischs Film auch mehr um Frauchen und Herrchen, denn um deren Katzen.

Chloé (Ganrance Clavel) möchte in die Ferien. Ja und, wo liegt das Problem? möchte man meinen, wäre da nicht Gris-Gris, Chloés schwarze Katze, für die ein Feriendomizil zu finden so einfach nun auch wieder nicht ist. Der Verzweiflung nahe landet Chloé bei Mme Renée (Renée Le Calm), die selbst einen regelrechten Katzenzoo in ihrer Wohnung hat.

Où est Gris-Gris?

Nach der kürzesten und ­ wie ich meine ­ brilliantesten Feriensequenz der Filmgeschichte läuft Chloés Leben zusehends aus dem Ruder. Gris-Gris ist weg. Abgehauen. Ausgerissen. Wohl durchs Küchenfenster. Mme Renée ist völlg aufgelöst und bewegt Chloé zu einer beispiellosen Suchaktion, bei der bald schon das gesamte Quartier mitmacht. Gemeinsam mit Chloé lernen wir im Kino sitzend den geballten Dörfligeist der Millionenstadt kennen. Djamel etwa (Zinedine Soualem), einen jungen und manchmal eine Spur zu hilfsbereiten Araber. Oder der wohlorganisierte Kaffeekränzchen-Klan, der beinahe generalstabsmässig die Suche im Quartier zum öffentlichen Anliegen erklärt. Viel zu nützen scheint es freilich nicht, Gris-Gris bleibt vermisst, vorerst.


Im Zustand absoluter Panik

Regisseur Eric Klapisch wollte ursprünglich einen Kurzfilm über Paris drehen, basierend auf einer Geschichte, so Klapisch, "die einer Freundin passiert ist" und in nach und nach geschriebenen Szenen, nur einer vagen Idee als roten Faden folgend. Bald nahm die Produktion aber derartige Ausmasse an, dass "in einem Zustand absoluter Panik" (Klapisch) der Kurzfilm zu einem veritablen, kinotauglichen 90-Minüter aufgeblasen wurde. Daran liegt es wohl auch, dass die Komödie an gewissen Stellen durchhängt, zu langatmig daherkommt und den Aberwitz, den der Kinotrailer verspricht, nicht halten kann. Klapisch entlässt das Publikum mit nicht ganz erfüllten Erwartungen wieder auf die Strasse.

Umwerfend dafür die Besetzung, rund zur Hälfte Amateur/innen oder nicht einmal das. Doch gerade davon kommt der spezielle Charme dieser Menschen, die sich völlig natürlich in der Filmwelt, in ihrer Welt, bewegen. Renée Le Calm als Katzenoma ist denn auch der heimliche Star des Films, wenn sie etwa vor dem Schaufenster einer postmodernen Modeboutique über die "Büstenhalter aus Schrott" wettert: "Ah, les jeunes, pas d'sense pour l'ridicule."

Diese Art Filme bilden mit Sicherheit einen erfrischenden Gegenpol zu den ansonsten ach so abgedroschenen und überzogenen Komödien nicht nur aus den USA. Es ist in diesem Fall leider nicht so ganz gelungen, es wird enttäuschende Momente geben. Doch wen das nicht abschreckt, dem oder der wird ein dennoch vergnüglicher Blick durchs Kaleidoskop in das grösste Dorf der Welt geboten.

Sven Schwyn

Angaben zum Film

Titel:Chacun cherche son chat
Genre:Komödie
Bewertung:***. .
Länge:91 Minuten
Regie:Cédric Klapisch
Drehbuch:Cédric Klapisch
Produktion:Aissa Djabri-Farid, Lahoussa-Manuel Munz
Kamera:Benoît Delhomme
Besetzung:Garance Clavel (Montana Blues)
Zinedine Soualem (Hana K., Hass, Rien du tout)
Renée Le Calm
Olivier Py
Verleih:Monopole Pathé



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