City of Angels (1998)

Die Engel von Los Angeles haben alle Hände voll zu tun. Von einem Ort zum anderen hasten sie, um den Sterbenden das letzte Geleit zu sichern.


von Thomas Hunziker


Einer dieser Engel ist Seth (Nicolas Cage), der gerade in einem Spital weilt, wo er eine Seele vom Operationssaal in den Himmel führen soll. Die Anstrengungen der operierenden Ärztin Maggie Rice (Meg Ryan) lösen jedoch unbekannte Gefühle in ihm aus, und als er sie beruhigen will, schaut sie dem Unsichtbaren direkt in die Augen und teilt ihm mit, dass sie diesen Kampf nicht frühzeitig abbrechen wird. Alle Bemühungen sind allerdings fruchtlos. Maggie ist am Boden zerstört, da sie nicht verhindern konnte, dass die Seele himmelwärts entschwindet. Doch Seth kehrt zurück, in der Hoffnung Maggie über ihre Leiden hinweghelfen zu können. Dabei sucht Seth Rat bei seinem Gefährten Cassiel (Andre Braugher), denn Engel können eigentlich von den Menschen gar nicht gesehen werden, ausser sie wollen gesehen werden, und helfen können sie nur den Toten. Antworten erhält Seth dann ausgerechnet von Nathaniel Messinger (Dennis Franz), einem Patienten im Spital. Nathaniel war früher auch einmal ein Engel, doch die weltlichen Verlockungen führten ihn dazu sein himmlisches Dasein aufzugeben. Seth steht nun vor der gleichen Entscheidung.


So nah, und doch so fern (Meg Ryan, Nicolas Cage)

Bewährtes Rezept

Die letztes Jahr an einem Gehirntumor verstorbene Erfoglsproduzentin Dawn Steel (Flashdance, Footloose, Top Gun) hielt sich für City of Angels streng an ein vielbewährtes Hollywood-Rezept. Man nehme einen in den USA unbekannten europäischen Film (Der Himmel über Berlin, aka Wings of Desire), ersetze die langweiligen Schauspieler (Bruno Ganz, Peter Falk) durch «Box Office»-Stars (Nicolas Cage, Meg Ryan), befreie die Handlung von jeglichen die Gehirnwindungen anstrengenden Elementen (Schwarzweissaufnahmen, Dialoglastige Szenen, ständiges Stimmenwirrwarr) und bereichere sie stattdessen durch gefühlvolle Einschübe (Sonnenauf- oder untergänge, je nach Tageszeit, und schmachtende Blicke der Hauptdarsteller), und schliesslich ergänzt man das ganze noch durch einen hörenswerten zeitgenössischen Soundtrack, auf dem verschiedene bekannte Musiker (u.a. U2, Alanis Morrissette, Peter Gabriel, Eric Clapton) vertreten sind. Die Rechnung ist wieder einmal aufgegangen; City of Angels war in den USA, gemeinsam mit The Wedding Singer, der erfolgreichste Film im ersten Drittel des Jahres.


«Hat hier jemand ein Aspirin?»

Finanziell top, künstlerisch flop

Wer sich an einem wegweisenden Film wie der Himmel über Berlin messen lassen muss, hat es natürlich auch nicht leicht. Nicht nur das Drehbuch lässt zu wünschen übrig, auch die visuelle Umsetzung ist unerwartet ziemlich ideenlos, obschon für die Kamerarbeit mit John Seale (The English Patient, Rain Man) und den Schnitt mit Lynzee Klingman (Outbreak, A River Runs Through It) zwei erfahrene Profis verantwortlich waren. Dass keine Experimente zu erwarten waren, ist verständlich, doch die geruhsamen langen Kamerafahrten langweilen mit erhöhter Häufigkeit immer mehr, und auch die Aufnahmen von der Bibliothek, dem Lieblingaufenthaltsort der Engel, sind weniger beeindruckend als beim Original. Erstaunlichster Schwachpunkt des Films ist jedoch überraschenderweise Hauptdarsteller Nicoals Cage, der ständig den Eindruck erweckt, dass er zu früh bei seinem Mittagschlaf gestört wurde. Cages Lustlosigkeit kann nicht einmal durch die überzeugend agierende Meg Ryan wettgemacht werden. Liebhaber des Originals von Wenders sollten sich den Kinobesuch ersparen, ausser sie wollen sich davon überzeugen, wie gut Der Himmel über Berlin doch wirklich ist.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:City of Angels (1998)
Land:USA
Genre:Liebesfilm
Bewertung:
 
Regie:Brad Silberling
Drehbuch:Dana Stevens
(nach einer Vorlage von Peter Wenders, Wim und Handke)
Produktion:Alan Glazer
Jeff Levine (II)
Charles Roven
Dawn Steel
Koproduktion:Douglas Segal
Kelley Smith-Wait
Ausf. Prod.:Robert Cavallo
Arnon Milchan
Charles Newirth
Kamera:John Seale
Schnitt:Lynzee Klingman
Musik:Gabriel Yared
Ausstattung:Lilly Kilvert
Kostüme:Shay Cunliffe
Besetzung:Robin Bartlett
André Braugher
Nicolas Cage
Sarah Dampf
Colm Feore
Dennis Franz
Sid Hillman
Joanna Merlin
Meg Ryan
 
Länge:114 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Atlas Entertainment
Regency Pictures
CH Verleih: Warner Bros.


[ Homepage ]
Copyright © 1998 Warner Bros. (Bilder)
Copyright © 1996-1997 CineNet (Text)