Contact (1997)

Eine atemberaubende Computergrafik katapultiert uns von der Erde weg, wir sausen an Jupiter und Saturn vorbei, lassen unser Sonnensystem und schliesslich die Galaxie der Milchstrasse hinter uns und tauchen aus der Pupille der neunjährigen Ellie Arroway auf, die sich via CB-Funk an die Aussenwelt wendet.


von Thomas Lüthi


Zwanzig Jahre später sitzt die Astrophysikerin Ellie Arroway (Jodie Foster) in der Wüste von New Mexico, vor geleasten Satellitenschüsseln und hofft auf ein Signal aus dem All. Der von Budgetkürzungen und skeptischen Vorgesetzten gebeutelten Astrophysikerin ist schliesslich Erfolg beschieden, als sie eine Botschaft vom Planeten Wega empfängt. Dieses Signal entpuppt sich schliesslich als Bauplan für eine gigantische Transportmaschine: Politik und Industrie ist auf Dr. Arrowayıs Seite, das Ding wird gebaut, und nach einigem Hin- und Her darf sie die Reise ins Unbekannte antreten.


Jodie Foster kämpft gegen Politklüngeleien

Unspekulativer Blockbuster

Nach den Bilderräuschen der jüngsten Vergangenheit, wird in Contact zurückbuchstabiert. Regisseur Robert Zemeckis hat einen unspekulativen Blockbuster produziert, der die Frage «sind wir allein im Universum?» aus der Ecke der Sonderlinge, in die sie aufgrund Trekkie-Conventions, Roswellhysterie und Alien-Entführungspsychosen hineingeraten ist, herausholt. Und auch die politischen Konsequenzen, die den Kontakt mit Ausserirdischen nach sich zieht, werden nicht verschwiegen: Ellie Arroway ist die einzige Frau in einem Wissenschaftsbereich, in dem Männer das Sagen haben. Ihr direkter Vorgesetzter legt ihr anfangs Steine in den Weg, wo immer es ihm möglich ist, und als Arroways Bemühungen von Erfolg gekrönt sind, erntet er das Lob und soll schliesslich auch als irdischer Botschafter die Transportmaschine besteigen. Doch weil wir in Hollywood sind, kommt natürlich alles anders.


Die richtige Wahl: Robert Zemeckis

Der Astrophysiker und die Traumfabrik

Die Produktiongeschichte von Contact begann 1979. Damals trat Hollywood mit dem Vorschlag an den berühmten Astrophysiker Carl Sagan heran, ein Drehbuch auszuarbeiten, in das er seine Forschungsarbeit einfliessen lassen sollte. Doch Sagans Widerwillen, eine platte Sci-Fi Kiste hinzulegen, brachte das Projekt vorderhand zum Scheitern. Der Physiker ging eigene Wege und verwertete seine Arbeit in einem Roman: Contact, 1985 erschienen, wurde zu einem erfolgreichen Bestseller. Aber die Traumfabrik liess nicht locker: Zehn Jahre, mehrere Drehbuchfassungen und ein gefeuerter Regisseur (der Australier George Miller, bekannt von Mad Max und Babe) später nahm Robert Zemeckis das Projekt unter seine Fittiche. Carl Sagan bekam den fertigen Film aber nie zu Gesicht. Im Dezember 1996 erlag er, 62-jährig, seinem Krebsleiden, als die Dreharbeiten noch in vollem Gange waren. Makabre Pointe: Unmittelbar nach seinem Tod wurde Sagan posthum, zusammen mit den Warner Brother Studios, von Francis Ford Coppola wegen Diebstahls geistigen Eigentums auf eine Viertelmillion Dollar eingeklagt. Coppola behauptete, die Idee zu Contact sei auf seinem Mist gewachsen, er habe sie bereits 1975 an Sagan herangetragen.


Authentizität bis ins letzte Detail

Stars und Mätzchen

In Contact wird viel geredet und einiges erklärt, doch keine Angst: Die Liebhaber des Spektakelkinos kommen auf ihre Kosten: Das 90-Millionen Dollar teure Sci-Fi Epos strotzt nur so vor Spezialeffekten, doch diese werden in den meisten Fällen den Bedürfnissen der Story angepasst (das Universum in der Pupille der kleinen Ellie Arroway, um ein Beispiel zu nennen) und nicht umgekehrt, so nach dem Motto: «Alle zehn Minuten muss es wummern.» Eher in die Kategorie Mätzchen können der Grossaufmarsch der Medienpromis und der unfreiwillige Kurzauftritt des amerikanischen Präsidenten abgebucht werden, der Computer macht's möglich. Und so tummelt sich ein digital umfunktionierter Clinton in der illustren Darstellerschar (neben Jodie Foster sind Matthew McConaughey, James Woods, Angela Bassett, Tom Skerritt und Rob Lowe als schmieriger Fundi-Politiker zu sehen).



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Contact (1997)
Land:USA
Genre:Science Fiction
Bewertung:
 
Regie:Zemeckis, Robert
Drehbuch:Druyan, Ann
Goldenberg, Michael
(nach einer Vorlage von Sagan, Carl)
Produktion:Mitchell, Doug
Starkey, Steve
Zemeckis, Robert
Koproduktion:Druyan, Ann
Sagan, Carl
Ausf. Prod.:Bradshaw, Joan
Obst, Lynda
Kamera:Burgess, Don
Schnitt:Schmidt, Arthur (I)
Musik:Silvestri, Alan
Ausstattung:Verreaux, Ed
Kostüme:Johnston, Joanna
Besetzung:Aylward, William
Bassett, Angela
Fichtner, William
Foster, Jodie
Hurt, John
Lowe, Rob
Malone, Jena
McConaughey, Matthew
Morse, David (I)
Poitier, Sidney
Skerritt, Tom
Takano, Mak
Woods, James
Morse, David (I)
 
Länge:150 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
Prod.-firma:South Side Amusement
Warner Bros.
CH Verleih: Warner Bros.


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