Conte d'été

Ferien sind für viele Menschen ein Anlass, sich neu zu orientieren und sich endlich Gedanken zu den ganz persönlichen latenten Problemen zu machen.
Dies ist die Geschichte von Gaspards Ferien.



Gaspard (Melvil Poupaud) verbringt seine Ferien in Dinard an der bretonischen Küste, allein. Seine Freundin Léna (Gwenaëlle Simon), eine überdurchschnittlich intelligente Frau, die ihre vermeintliche Überlegenheit des öfteren ausspielt, weilt indes mit Schwester und Männern in Spanien. Damit ist Gaspards Problem auch schon abschliessend beschrieben: Frauen.


Im Zeichen der Arroganz: Léna

"Tu ne crois pas un mot de ce que tu dis."

Gaspards selbstversunken depressives Vor-sich-hin-dümpeln findet ein abruptes Ende, als er in einer Crêperie auf Margot (Amanda Langlet) trifft. Bei den darauffolgenden Treffen holt sie Gaspard immer wieder aus der Reserve und stösst ihn an die Abgründe seines Selbstmitleids - und manchmal darüber hinaus. Die Freundschaft bleibt mehrheitlich platonisch, ob gewollt oder nicht lässt sich nur spekulieren. Immerhin blitzt manchmal so etwas wie Eifersucht auf. Beispielsweise als sich Gaspard mit Margots Kollegin Solè einlässt. Als dann plötzlich Léna noch auftaucht, wird die Situation langsam kompliziert.

Gaspard kann und will sich nicht entscheiden und verstrickt sich so immer tiefer in seinem eigenen Beziehungsnetz. Schlussendlich flüchtet er vor seinen Problemen und endet dort, wo er angefangen hat. Daran kann auch Margots tiefer Abschiedsblick nichts mehr ändern.


Im Zeichen der Freundschaft: Margot

"Une amitié est sérieux, peut-être plus que l'amour."

... ist die Quintessenz des Conte d'été. Aber leider ist das auch schon alles. Die an sich starke Frauenrolle der Margot wird immer wieder vom vermeintlichen Sockel gestossen, sie darf so viel "weiser" als ein Mann nun auch wieder nicht sein, entschuldigt sich zuweilen sogar, die Wahrheit gesagt zu haben. Im Gegensatz dazu thront Gaspard als weinerischer Protagonist über den Geschehnissen, macht keinerlei Entwicklung durch, stagniert. Diese Stagnation ist es auch, die den Film bald ins belanglos Langweilige abgleiten lässt, was - auch wenn sich dadurch eine Parallele zwischen Erzählstil und Gaspard andeutet - ziemlich einschläfernd wirkt.

So viele Schwächen Eric Rohmers Drehbuch auch aufweist, seine bildliche Umsetzung gemeinsam mit Diane Baratier an der Linse ist gelungen und für Daheimgebliebene eine kleine Reise in die Bretagne. Aber genügt das für einen Kinobesuch?

Sven Schwyn



Im Zeichen der Oberflächlichkeit: Solène


Angaben zum Film


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Copyright © 1996 CineNet (Text)