Cop Land (1997)

Nicht gerade nach der Vorstellung seiner treuen Fans präsentiert sich Sylvester Stallone in seinem neusten Film. Fettwanstig, tolpatschig aber ungemein liebenswert verliess er nach langer Zeit den Action-Sektor, und insgeheim wünscht man sich er würde ihm für immer fernbleiben.


von Serge Zehnder


Der Grund für diese Neuorientierung heisst James Mangold. Ein gerade mal 33 Jahre alter Regisseur, dessen Debüt «Heavy» mit Liv Tyler Kritiker begeisterte aber an den Augen des Publikums vorbeiging. Dennoch muss der Streifen ein gewisses Echo hinterlassen haben, wie sonst liesse sich die namhafte Besetzung seines zweiten Spielfilms erklären. Neben dem gegen sein Image besetzten Stallone tummeln sich Schauspielgrössen wie Harvey Keitel, Robert DeNiro und Ray Liotta in der fiktiven Kleinstadt Garrison herum. In dem idyllischen Ort New Jerseys, der fast nur aus Polizisten besteht sind die Dinge bei weitem nicht so gesetzestreu wie seine Bewohner es vorgeben. Der zuständige Sheriff Freddy Heflin (Stallone), der wegen eines tauben Ohrs nie in die offizielle Polizei von New York aufgenommen wurde sieht seit Jahren dem Treiben seiner Kameraden, angeführt von dem alteingesessenen Bullen Ray Donlan (Keitel), stillschweigend zu.


Stallone und Sciorra, tragisches Paar inmitten eines Sees von Korruption und Ignoranz

COPLAND/MOBTOWN

Dass die Grundsteine des Vororts von der Mafia gelegt wurden, jeder Polizist den Gesetzeskodex nach seiner Vorstellung anwendet und die Liebe seines Lebens (Annabella Sciorra), der er das Leben gerettet hat, einen anderen heiratete wurde von Freddy stets verdrängt. Erst ein blutiger Zwischenfall, in den Ray’s Neffe Murray (Michael Rappaport), ebenfalls ein Polizist, verwickelt ist und dadurch die Abteilung für innere Angelegenheiten unter der Leitung von Moe Tilden (DeNiro) auf den Plan ruft, zwingt den vollschlanken Sheriff Stellung zu beziehen.


Ein 33jähriger Newcomer unter Stars: Regisseur und Autor James Mangold

KINO DER ZWISCHENTÖNE

So simpel die Ausgangslage von «Cop Land» sein mag, Mangold und seine Schauspieler, allen voran Stallone gewinnen der Geschichte von Korruption, Kleinstadtverlogenheit und Liebe eine Menge ab. Man soll sich nicht täuschen lassen, der Millionenstar hat trotz seiner Gewichtszunahme keine revolutionären Taten vollbracht, entfaltet aber unter Mangolds Regie Qualitäten die lange im Dunklen schlummerten. Er ist neben dem aufbrausenden Temperament Keitels, DeNiros und Liottas ein tragisch-ruhiger Gegenpol, der in seinem Leben nicht die Frau oder den Job den er wollte gekriegt hat. Unaufdringlich mit viel Fingerspitzengefühl was Ausstattung, Kamera und Musik anbelangt wächst Mangolds Film, den er auch selbst geschrieben hat, über den Krimi-Plot hinaus und greift subtil das perfekte amerikanische Bild an, ohne je mit dem grossen Pinsel eine Allwissenheit demonstrieren zu müssen. In diesem Sinne steht «Cop Land» für beispielhaftes Kino der Zwischentöne.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Cop Land (1997)
Land:USA
Genre:Krimi
Bewertung:
 
Regie:Mangold, James
Drehbuch:Mangold, James
Produktion:Goode, Christopher
King, Kevin (II)
Konrad, Cathy
Miller, Richard (III)
Swerdlow, Ezra
Woods, Cary
Koproduktion:Orent, Kerry
Ausf. Prod.:Poster, Meryl
Weinstein, Bob
Weinstein, Harvey
Kamera:Edwards, Eric Alan
Schnitt:McKay, Craig
Musik:Shore, Howard
Ausstattung:Cohen, Lester
Kostüme:Lutter, Ellen
Besetzung:Berg, Peter (I)
De Niro, Robert
Garofalo, Janeane
Keitel, Harvey
Liotta, Ray
Man, Method
Moriarty, Cathy
Patrick, Robert (I)
Rapaport, Michael
Sciorra, Annabella
Stallone, Sylvester
 
Länge:104 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
Prod.-firma:Woods Entertainment
CH Verleih: Rialto Film


[ Homepage ]
Copyright © 1997 Rialto Film (Bilder)
Copyright © 1996-1997 CineNet (Text)