Crash

Über die Sinnlichkeit eines Autounfalls


Für viele Menschen ist das Auto mehr als nur ein simples Fortbewegungsmittel. Das Auto hat eine nicht zu verkennende erotische Anziehungskraft, das Auto als Phallussymbol. Doch wenn man der Prämisse dieses Films glauben soll, liegt für ein Häufchen Menschen die erotische Anziehung nicht beim Auto allein, sondern beim Zusammenstoss zweier Autos, vergleichbar mit dem Geschlechtesverkehr zweier Menschen. Mit Crash hat Regisseur David Cronenberg das Wunder vollbracht, das äusserst verwirrende und absolut unverfilmbare Kultbuch von J.G. Ballard in einen faszinierenden Film zu verwandeln. Nicht ohne Probleme: In den USA haben die Zensurbehörden dem Film das gefürchtete "NC-17"-Rating erteilt.

James Ballard (James Spader) ist Werbefilmer und sexuell ziemlich aktiv, besonders mit den Frauen, die beruflich seinen Weg kreuzen. Auch seine Frau Catherine (Deborah Unger), eine umwerfende Blondine, hat ungewöhnliche sexuelle Präferenzen. Sie stimuliert sich durch den Kontakt von Haut und Metal, indem sie sich mit Ihren Brüsten an den Rumpf eines Privatflugzeuges anlehnt, bevor sie in einem Hangar von einem Mann von hinten genommen wird. Ballards Leben ändert sich plötzlich, als er auf dem Freeway einen Frontalaufprall mit einem entgegenkommenden Auto verursacht. Schwer verletzt überlebt er den Unfall, während im anderen Auto der Beifahrer stirbt. Die Fahrerin, die attraktive Helen Remington (Holly Hunter) und Ballard kommen sich nach der Entlassung aus dem sonst gähnend leeren Flughafenhospital überraschend sexuell näher, indem sie sich auf dem Vordersitz eines Autos dem körperlichen Verkehr hingeben.

James und Helen lernen den dubiosen Wissenschaftler Vaughan (Elias Koteas) kennen, der sie mit der sexuell erregenden Wirkung von Autounfällen bekannt macht. Vaughan veranstaltet genaue Re-Inszenierungen von tödlichen Kollisionen, bei denen Prominente ihr Leben verloren haben. Nachdem eine Veranstaltung von Vaughan, bei der er vor Zuschauern den Unfalltod von James Dean nachspielt, von der Polizei aufgelöst wird, treffen sich James, Helen und Vaughan in der Behausung eines der Stuntmen. Dort kommen sie mit der jungen und vifen Gabrielle (Rosanna Arquette) zusammen. In der Gruppe wird gekifft und bereits spricht man über das nächste Projekt, den Crash von Jayne Mansfield zu simulieren. Vaughan als Anführer des geheimnisvollen Clubs versucht, die sexuellen Erfahrungen in immer neue Dimensionen zu heben und alle Handlungen führen schliesslich zu weiteren erotischen Abenteuern in frischen Autowracks und ähnlich seltsamen Situationen. Doch mit der Zeit scheint Vaughan in seiner sexuellen Begierde ausser Kontrolle zu geraten und zu einer echten Gefahr zu werden, nicht nur für die allgemeine Verkehrssicherheit...

"Crash" ist ein stilistisch extrem sorgfältig ausgearbeiteter Film mit faszinierenden Schauspielern und einer konsequent druchgezogenen unterkühlten Stimmung, die niemanden unbeeinflusst lässt. Auch wenn die erotische Anziehungskraft von Autocrashes für die meisten Zuschauer weiterhin ein Mysterium bleiben wird, so ist der Film, der zum grössten Teil in der Nacht spielt, doch vom Anfang bis zum Ende spannend und faszinierend zugleich.

Martin A. Blatter

Angaben zum Film



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