The Crossing Guard

Der 72-Stunden-Countdown


Er ist ihm gefolgt. Er hat sich vorbereitet. Er hat die Tage gezählt.

Sechs Jahre sind vergangen, seit die Lebensläufe zweier Männer durch einen tragischen Unfall kollidierten. John Booth (David Morse) überfuhr in betrunkenem Zustand die Tochter Freddy Gales (Jack Nicholson). Seither versucht der eine seine Schuld zu vergessen, während der andere an seinem schmerzhaft starken Rachebedürfnis langsam zerbricht.
Nun ist der Tag der Haftentlassung Booths gekommen. Eine Konfrontation zeichnet sich ab, die das Leben von vier Menschen erschüttern wird.
Als 72-Stunden-Countdown zwischen zwei Männern inszeniert, ist The Crossing Guard ein Film über Schuld und Sühne, Gewissen und Rache.

Nun, sechs Jahre später...

...kann der eine nicht vergessen. Und der andere kann nicht verzeihen.

Er gibt ihm eine Schonfrist von 3 Tagen. Nach deren Ablauf wird es keine Gnade mehr geben. Booth nimmt diese Drohung mit fast stoischer Ruhe zur Kenntnis. Er ist fast erleichtert, dass seine Schuld mit dem Absitzen der Gefängnisstrafe nicht einfach aus der Welt geschafft ist. Der Tod hat für ihn seinen Schrecken verloren. Andererseits ist er dabei, eine Beziehung aufzubauen mit der Künstlerin JoJo (Robin Wright). Und diese ist nicht bereit, ihren neuen Partner so schnell und endgültig wieder zu verlieren.

So haben vier Menschen 72 Stunden Zeit, ihr Leben zu überdenken und neu zu gestalten.

Oscargewinner Jack Nicholson und Anjelica Huston führen ein hervorragendes Ensemble von Schauspielern an in The Crossing Guard, Sean Penns packender geschichte zweier Männer auf Kollisionskurs mit dem Schicksal. Nicholson ist die ideale Besetzung, es ist herrlich, ihn wütend zu sehen, es ist erstaunlich, ihn in seinem Alter so schnell und lange rennen zu sehen, es ist fast rührend, ihn beim Trauern zu bemitleiden. Hat man Jack schon in Filmen weinen sehen? Der Gedanke, dass der Schuldige am Tod seines Kindes lebt und in sechs Jahren als freier Mann das Gefängnis verlässt, bringt ihn fast um den Verstand. Ein etwas sentimentaler Film, doch die packenden Schlussszenen und vor allem Jack Nicholson heben Sean Penns zweite "low budget"-Produktion über die "Crossing Line" des Durchschnitts. Es ist fast ein Axiom: Nicholson rettet jeden Film. Siehe Wolf. Aber auch David Morse, oder die aus der Seifenoper Santa Barbara sowie Forrest Gump bekannte Robin Wright geben mehr als nur eine gute Vorstellung. Die Songs zum Film stammen übrigens von Bruce Springsteen. Störend jedoch bei der Kameraarbeit wirken die vielen "Slow Motion"-Einstellungen, die bei jeder Gelegenheit eingesetzt und kaum geplant wirken.

Life imitates art...

Last but not least ist Penn mit der Verpflichtung von Anjelica Huston ein weiterer Coup gelungen. Die Oscar-Preisträgerin spielt Gales Ex-Frau Mary. Anjelica Huston war für viele Jahre die Lebensgefährtin von Jack Nicholson. Die Beziehung ging aber in die Brüche, und in der amerikanischen Presse wurde viel über die verletzten Gefühle von Huston geschrieben. Umso erstaunlicher war es, dass sie ohne zu zögern zusagte, Nicholsons Ex-Frau vor der Kamera darzustellen.

Angaben zum Film

****. Robert Michl
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