The Crucible



Während der McCarthy-Aera stiess der Theaterautor Arthur Miller, der selbst vom HUAC (House of Un-American Activities) über sein Verhältnis zum Kommunismus befragt wurde, auf eine Geschichte, die sich zwar im 17. Jahrhundert abspielte, jedoch auffällige Ähnlichkeiten mit den Verhältnissen in den USA der 50er Jahre aufwies. In der Hexenjagd des puritanischen Salem sah Miller Parallelen zu den Ausmassen, die der kalte Krieg in den USA angenommen hatte: Mehrere Kunstschaffende ­ unter ihnen die «Hollywood Ten» ­ standen wegen Verbindungen zum Kommunismus auf schwarzen Listen und fanden in der Folge keine Arbeit, verloren ihren Pass und oftmals auch ihre Existenzgrundlagen. Metaphorisch beschreibt Miller dies in The Crucible, wo man ebenfalls mit milderen Strafen rechnen durfte, wenn man zugab, mit dem Teufel (sprich Kommunismus) Kontakt zu haben oder noch besser Namen anderer Konspiratoren nannte.


Winona Ryder spielt Abigail
Die Hexenjagd in Salem beginnt mit einem für damalige Verhältnisse allzu freizügigen Lagerfeuertanz pubertärer Mädchen. Nachdem zwei Kinder krank werden, wird die karibische Haushälterin Tituba der Satansbeschwörung angeklagt. Bald merkt Abigail (Winona Ryder), dass sie als zusätzliche Anklägerin Aufmerksamkeit des ganzen Dorfes erlangt. Verstossen von Proctor (Daniel Day-Lewis), der seine Lust für die Haushalthilfe Abigail nicht zügeln konnte, will sie sich an seiner Frau (Joan Allen, die für den Oscar nominiert wurde) rächen, was ihr dank falscher Beschuldigungen auch gelingt. In der scheinheilen Gesellschaft kann Abigail ihre Sexualität nicht frei entfalten und verwechselt Proctors Leidenschaft mit Liebe. Was ihr von Proctor verwehrt wird, macht sie als Anführerin der Hexenjagd wett: Sie rückt in den Mittelpunkt und weiss alle Mädchen des Dorfes hinter sich zu scharen. Dies hat für mehrere Bewohner tödliche Folgen; schliesslich muss auch Proctor sich entscheiden, ob er sein Leben durch falsche Selbstbeschuldigung retten oder mit seiner Moral sterben soll.

Schwache Frauenfiguren

Die Verfilmung bleibt dem Theaterstück treu; Andeutungen an die McCarthy-Zeit werden jedoch durch das klassische Setting ins 17. Jahrhundert abgeschwächt. Ärgerlich ist Millers Machismo sowohl im Theater wie im Film: Proctor sieht Abigail als Hure, die ihn bösartig verführt hat, ausserdem trägt ja eigentlich seine Frau die Schuld für den Seitensprung, da ­ wie sie selbst sagt ­ Ehebruch durch eine «kalte Ehefrau» provoziert wird. Die weiblichen Figuren bleiben, obwohl durchwegs gut gespielt, wegen der Dialoge schemenhaft; Abigails Konflikt mit ihrer Sexualität wird bloss angedeutet, und es wird einem leichtgemacht, sie als «die Böse» abzustempeln. Dennoch ist The Crucible vor allem für KinogängerInnen, die das Stück kennen spannend, und Paul Scofield spielt den autoritären Richter Danforth nicht zuletzt dank seines Aussehens so überzeugend, dass es Day-Lewis' doch etwas übertrieben artikuliertes Selbsmitleid wieder wettmacht.

Flavia Giorgetta

Angaben zum Film

Titel:The Crucible
Genre:Drama
Bewertung:***½.
Länge:122 Minuten
Regie:Nicholas Hytner (The Madness of King George)
Drehbuch:Arthur Miller (basierend auf seinem Theaterstück)
Produktion:Robert A. Miller, David V. Picker, Diana Pokorny (co)
Kamera:Andrew Dunn
Musik:George Funton
Besetzung:Daniel Day-Lewis (My Beautiful Laundrette, My Left Foot, In the Name of the Father)
Winona Ryder (Edward Scissorhands, Night on Earth, Reality Bites, Looking for Richard)
Paul Scofield (Henry V., Hamlet, Quiz Show)
Joan Allen (Peggy Sue Got Married, Mad Love)
Verleih:Twentieth Century Fox



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