Dating The Enemy

Er ist witzig. Sie ist clever.
Er ist charmant. Sie ist heissblütig.
Er ist untreu. Ihr ist es ernst.


Am Valentinstag treffen sich zwei junge Leute bei Freunden zu einer heiteren Partie Strip-Trivial-Pursuit. Sie (Claudia Karvan) ist Wissenschaftsjournalistin, er (Guy Pearce) Moderator einer MTV-ähnlichen TV-Show. Liebe auf den ersten Blick; sie fragt ihn, ob der Job ihn nicht verändern wird; der erste Kuss. - Schnitt: Ein Jahr später - Er hat sich verändert. Deshalb stellt sie ihn zur Rede und wüschnt sich, dass er alles aus ihrer Sicht sehen könnte. Gewünscht, getan: Am nächsten Morgen wachen sie im jeweils anderen Körper auf.

"Dies ist kein Film, voll von Männern, die nicht in Stöckelschuhen laufen können" meint die Regisseurin Megan Simpson. Nun, den hat sie ausgelassen, aber "er" bekommt die Periode, muss sich einen BH anziehen, beide haben jeweils Sex mit dem "eigenen" Geschlecht, etc. Auch sonst ist der Plot aus typischen Hollywood-Writer-School Elementen zusammengebaut, was gerade für eine australische Produktion Schade ist. Gut daran ist immerhin, dass die Handlung zügig voran geht.
Jedenfalls müssen sich die beiden im jeweils anderen Job zurecht finden, beginnen dabei den anderen zu verstehen und werden auch immer mehr so wie dieser (ein anderer Wunsch von ihr am Anfang des Films). Sie verlieben sich von neuem in einander (also in sich selber?), der Fluch ist gebannt, sie sind glücklich. Ende? Nein, sie ziehen noch zusammen. Ende? Nein, es werden noch Titelseiten von Zeitschriften eingeblendet, die die weitere Geschichte des Pärchens illustrieren. Ende? Phuuh.

Allgemein scheint die Story nicht allzu gut zu stimmen: Kommen sie nach einem Jahr nun nicht mehr gut miteiander aus, weil er sich geändert hat (wie im Film behauptet), oder weil sie so unterschiedlich sind (was aus der Ausgangslage folgen würde). Wieso fragt sie ihn ganz am Anfang, ob er sich wegen des Jobs verändern wird, obwohl sie ihn erst seit knapp einer Stunde kennt? Sie bekommt plötzlich Angst davor, dass es zu spät ist, um noch jemanden zu finden; es gibt sogar eine höchst kitschige, "wissenschaftliche" Erklärung für die Liebe auf den ersten Blick - nun, es wurde vielleicht doch zu viel in den Film hineingeflickt und vorallem angehängt. "Die Studie einer typischen Beziehung der 90er" (Megan Simpson) scheitert nicht zuletzt daran, dass zwar MTV, aber nicht deren zu Stars avancierenden Moderatoren typische Zeitgenossen sind. Immerhin ist die schauspielerische Leistung, insbesondere die von Claudia Karvan, recht gut. So auch die Wahl der Szenerien, die doch den Eindruck des Lebens in den 90ern hinterlässt.

Bernhard Seefeld

Angaben zum Film


Copyright © 1996 Rialto Film (Bilder)
Copyright © 1996 CineNet (Text)