Despabilate Amor (1996)

Zeiten, Menschen, Liebschaften, alles ist vergänglich, alles verändert sich, nichts bleibt ewig so wie es ist. Der argentinische Filmemacher Eliseo Subiela ist sich über das Ablaufdatum menschlicher Erlebnisse und Gefühle vollstens bewusst. «Despabilate amor» ist somit die poetische Aufarbeitung einer revolutionären Generation, die sich trotz aller guten Vorsätze der Norm hingeben musste.


von Serge Zehnder




«La vida es una fiesta», das Leben ist ein Fest. Für den Alt-Rocker Ricardo (Juan Leyrado) ist dies seine Lebensmaxime, und 25 Jahre danach, als er seine Freunde aus den «Rock around the clock»-Tagen zum letzten Mal gesehen hat, will sich der junggebliebene Ehemann und Familienvater ein letztes Mal an die Vergangenheit erinnern. Eine Zusammenkunft der etwas anderen Art, wo sich alte Prinzipien und neue Ideen treffen. Unter den geladenen Gästen ist der Journalist Ernesto (Dario Grandinetti), der damals mit Ricardos jetziger Frau Ana (Soledad Silveyra) liiert war, und aufgrund seiner militanten Anschauungen sein Glück zerstörte und nach Kuba ging um mit dem «Bärtigen» gegen den imperialistischen Westen zu kämpfen. Erwartungsgemäss ruft das Wiedersehn mit der gealterten Ana wehmütige Erinnerungen wach und verloren geglaubte Spannungen entstehen zwischen den beiden reifen Menschen, ohne sich jedoch schicksalshaft zu entladen. Schon eher tragisch, aber auch rehabilitierend nimmt sich dagegen Ernestos Affäre mit der jungen kubanischen Cellistin Vera (Marilyn Solaya) aus. Durch eine gemeinsame Vergangenheit in einem zerrütteten Land beichtet Ernesto ihr seine Fehler, die er mit seiner einstigen Freundin und Frau begangen hat, da seine sturen politischen Ansichten einem geregelten Familienleben im Weg standen.



«AMERICAN GRAFFITI» IN EVITA-COUNTRY

Unschuldig, so sollís damals gewesen sein. Alles stand den Teenagern offen, die Gesellschaft war reif für eine Veränderung. Wie George Lucas in seinem Kultfilm «American Graffiti» eine heile, abenteuerliche Welt angefüllt mit twistigen Klängen und Kaugummifarben heraufbeschwor, erinnert sich auch der Argentinier Subiela an die Epoche des Aufbruchs und konfrontiert uns mit den Resultaten dieser heissspornigen Zeit. Um dieses Bildnis zu erläutern bedient sich Subiela einer Reihe von melodramatischen Gedichten, die in ihrer blumigen Art das bunte Leben von einst loben und gleichzeitig zur Verantwortung der Konsequenzen aufrufen. Anpassungsfähig mussten die alten 68er werden, ansonsten wären sie mit ihren Idealen untergegangen. Da in den Fünfzigern- und Sechzigern aber genauso demonstriert wie gefeiert wurde, haben sich die Gemeinsamkeiten gelöst, wie das bei Ricardo und Ernesto zu sehen ist. Entweder du stellst dich den Feinden oder geniesst das Leben in vollen Zügen. Sowohl das Ehrenhafte wie das Launenhafte ist Subiela wichtig. Auf ein Urteil lässt sich der Regisseur aber nicht ein. Schliesslich soll die Individualität bewahrt werden. Trotzdem tendiert er auf die Seite desFilous Ricardo, denn was bleibt noch übrig, wenn die Systeme zusammenbrechen? Höchstens ein kleiner Tanz unter Freunden. Und der ist bei «Despabilate amor», witzig, subtil und reich an lebensnahen Weisheiten. Wenn man denn bitten darf.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Despabilate Amor (1996)
Land:Argentinien
Genre:Liebesfilm
Bewertung:
 
Regie:Subiela, Eliseo
Drehbuch:Subiela, Eliseo
Kamera:Rodríguez Maseda, Daniel
Besetzung:Azcurra, Laura
Bassi, Valentina
Grandinetti, Dario
Leyrado, Juan
Mazer, Emilia
Silveyra, Soledad
Solaya, Marilyn
 
Länge:98 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Mono
CH Verleih: Trigon Film


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