Diabolique

Zwei Frauen versuchen sich eines Tyrannen zu entledigen.
Diese spannende Ausgangslage verfilmte der Franzose Henri-Georges Clouzot 1954 mit Les Diaboliques. Das amerikanische Remake kommt leider nicht annähernd an die Vorlage heran.



Hinter den an ein Kloster erinnernden Mauern des Knabeninternats St. Anselm tobt ein stiller Krieg: Die Besitzerin Mia (Isabelle Adjani), vormals eine Nonne, wird von ihrem Mann Guy (Chazz Palminteri) wie eine Schülerin behandelt und unterdrückt. Ausserdem betrügt er sie mit der Mathematiklehrein Nicole (Sharon Stone), was in der Schule auch jeder weiss, Mia eingeschlossen. Als Mia eines Nachts wegen ihrem schwachen Herz im Bad zusammenklappt, hätte Guy sie gar jämmerlich verrecken lassen, wäre da nicht ein Schüler zur richtigen Zeit am spannen gewesen. Der Hass auf Guy, von den Schülern bis zu seinen Frauen, kennt keine Grenzen mehr.


Das Trio-Infernale:
Stone, Palminteri, Adjani

Er muss sterben

Gemeinsam schmieden Mia und Nicole ein Mordkomplott. Sie locken Guy in eine zuvor gemietete Wohnung, verabreichen ihm mit Schlaftabletten versetzten Whiskey und ertränken ihn anschliessend in der Badewanne. Nach einer nicht ganz pannenfreien Fahrt zurück zum Internat versenken sie die Leiche im völlig verschmutzten Pool der Schule.

In den nächsten Tagen vermisst niemand so richtig den Tyrannen, er wird wohl auf Geschäftsreise sein. Einzig Mia wird immer ungeduldiger, der tote Körper will und will einfach nicht auftauchen. Um endlich einen Schlussstrich ziehen zu können, "fällt" Nicoles Schlüsselbund in den Pool und das Wasser muss abgelassen werden, jedoch - die Leiche ist nicht mehr da.


Die Austreibung des Teufels.
Mia bekommt es mit der Angst, glaubt, dass das alles die Strafe für den Mord ist. Unterdessen hat die Polizistin Sarah (Kathy Bates) den Braten gerochen und beginnt auf dem Internatsgelände herumzuschnüffeln, was Mia weniger beunruhigt als Nicole. Immer mehr gerät ihre Welt aus den Fugen und als Guy als vermeintlicher Geist zurückkehrt, kommt es zum Showdown im Beziehungsdreieck.


Stone vs. Adjani

Die beiden Protagonistinnen in Diabolique könnten verschiedener kaum sein, auch wenn die beiden eine bisher traumhafte Karriere verbindet: Sharon Stone, ehemals "Miss Pennsylvania", wurde mit 19 Jahren in NY entdeckt und machte in der Folge einen stetigen und - nach viel nackter Haut in Basic Instinct - steilen Aufstieg in Hollywood. Ein Paradebeispiel des American Dream. Wenn es einen "European Dream" gibt, dann kommt Isabelle Adjani wahrscheinlich ziemlich nahe daran. Sie kann auf die Zusammenarbeit mit so klangvollen Namen wie Roman Polanski oder James Ivory verweisen. Auch ist sie in der bequemen Lage, sich genehme Rollen aussuchen zu können. In diesem Fall scheint dies allerdings etwas misslungen zu sein.

Die Geschichte an sich basiert zwar auf einer ausserordentlich spannenden Grundidee, doch das notabene amerikanische Remake des Clouzot-Thrillers vermag leider nicht allzu viel davon hinüberzuretten. Über weite Stecken plätschert der Film vor sich hin, einfach langweilen wird sich, wer die Vorlage von Clouzot und damit den Plot einigermassen kennt. Die Macher verzichteten darauf, dem Film eine neue Richtung zu geben. Entstanden ist deshalb eine mehr oder weniger simple Kopie des Originals, was vielleicht in den USA, wo das Kinopublikum für synchronisierten Fassungen von europäischen Filmen nur wenig Begeisterung zeigt, funktioniert. "Zurück" in Europa wird es Diabolique dafür umso schwerer haben.

Deshalb mein Tip: Les Diaboliques von Henri-Georges Clouzot (1954) aus der Videothek besorgen und in der abgedunkelten Stube mit Kerzen, einem schweren, französischen Rotwein und Freunden geniessen. Ins Kino sollten nur eingefleischte Adjani-Fans gehen, um der Wiedersehensfreude willen.

Sven Schwyn


Angaben zum Film

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Copyright © 1997 Warner Bros. (Bilder)
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