Dobermann (1997)

«Le Grand Bordel» aus der «Grande Nation»


von Serge Zehnder


«Mad Max» ist schon fast ein Chorknabe gegenüber Vincent Cassel, der zusammen mit einer Gruppe von schiesswütigen Psychopathen durch diesen knallig-lauten Endzeit-Thriller rast. Bereits zu Beginn wird festgelegt, was uns Regisseur Jan Kounen zu bieten hat. Eine computer- animierte Version des titelgebenden Tiers faucht und jault über die Breitleinwand. Anschliessend wird ein kleines Baby getauft, dass kurze Zeit später auch noch eine Riesenknarre in die Wiege gelegt bekommt. Ein paar Effekte später befinden wir uns in einer halbwegs verständlichen Geschichte. Aus dem Knaben mit der Kanone ist der Dobermann (Cassel) geworden, der seiner taub-stummen Freundin Nat (Monica Bellucci) gerade einen Geldtransport ausgeraubt hat und bereits ihren nächsten Coup gegen eine Bank planen. Eine solch ruchlose Bande muss natürlich einen ebenbürtigen Gegenspieler haben, der mindestens so psychopathisch ist wie der gefürchtetste Verbrecher von Paris wenn nicht noch mehr. Sein Name: Inspecteur Christini (Tchéky Karyo einmal mehr als Schweinehund vom Dienst), ein Mann ohne Gewissen, Skrupel oder irgendwelche sonstige Anzeichen von Menschlichkeit. Sein Ziel: die Verhaftung des Dobermanns.


Der Dobermann (Cassel) mit seinem liebsten Spielzeug.

COMIC FRANCAIS

Wenn es bei den Amerikanern geklappt hat, wieso auch nicht bei den Franzosen. Realverfilmungen von populären Comics ist die Regel und nicht die Ausnahme. Kounen war sich dessen auch klar bewusst und drehte gleich die schrägste und mit grossem Abstand krasseste Adaption eines Comics. Anarchie pur, wie eine Horde durchgedrehter Punks, rudeln Cassel und seine Jungs, unter ihnen auch Romain Duris, den so mancher noch als sensibler Hitchhiker aus «Gadjo Dillo» im Kopf hat, durch die Strassen eines nicht allzu futuristischen Paris. Technisch perfekt und effektvoll inszeniert ( Kounen war wie könnte es anders sein auch schon für Spots verantwortlich) ist Dobermann eine Bilderschlacht erster Güte, letztendlich aber auch nur das. Gehaltvoll ist dieser äusserst brutale Action-Streifen nicht, was er allerdings auch nicht sein will. Wer mit geringem Anspruch ins Kino geht, ist hiermit bestens bedient. Und einige hartgesottene «Natural Born Killers»-Fans werden auch an den nicht wenigen Splatter-Sequenzen ihre helle Freude haben. Kino für Auge und Ohr, ganz sicher nicht fürs Gehirn.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Dobermann (1997)
Land:Frankreich
Genre:Actionfilm
Bewertung:
 
Regie:Jan Kounen
Drehbuch:Joël Houssin
Produktion:Frédérique Dumas-Zajdela
Éric Névé
Kamera:Michel Amathieu
Schnitt:Bénédicte Brunet
Musik:Schyzomaniac
Richard Shorr (II)
Ausstattung:Michel Barthelemy
Besetzung:Antoine Basler
Monica Bellucci
Dominique Betenfeld
Vincent Cassel
Romain Duris
Tchéky Karyo
François Lavantal
Roland Amstutz
Pascal Demolon
Marc Duret
Jean Lescot
Ivan Merat-Barboff
Stephane Metzger
Chick Ortega
Patrick Rocca
Florence Thomassin
 
Länge:112 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby SR
Prod.-firma:Le Studio Canal+
La Chauve Souris
PolyGram Audiovisuel
France 3 Cinéma (FR 3)
Noe Productions
CH Verleih: Alhena Filmverleih


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