Double Happiness

Der erste Spielfilm der Kanada-Chinesin Mina Shum macht Lust auf mehr.



In Hong Kong geboren ist Jade Li (Sandra Oh) als Kind mit ihrer Familie nach Kanada emigriert und dort gross geworden. Heute klafft ein Graben zwischen dem patriachisch, traditionellen Elternhaus und der Welt darum herum.
Der Schein trügt.
Jade, deren Schauspielambitionen ihrem Vater (Stephen Chang) weniger als lieb sind, versucht sich in kleinen Schritten zu emanzipieren, stösst aber immer und immer wieder auf Unverständnis. Kaum eine Woche vergeht, da die Familie ihr nicht einen erfolgreichen, natürlich chinesischen Musterbräutigam auf dem Silbertablett gereicht. Jade spielt mit so gut es geht, aber als sie den weissen Studenten «555-MARK» (Callum Rennie) kennenlernt und sich in ihn verliebt, erscheinen dunkle Wolken am Horizont.

Sie versucht, ihre beiden Welten so weit als möglich auseinander zu halten, doch wie der Zufall so will, fliegt die Beziehung auf und der Haussegen hängt schiefer denn je. Ihr Vater, der es nie gelernt hat, Gefühle zu äussern, kehrt ihr den Rücken. Als er ihr auf die Frage «Do you need me, dad?»1) die Antwort schuldig bleibt, fasst sie sich ein Herz und einen Entschluss. «You are on a different path now, and it's a good one.»2).


Jade: «I could never hurt my parents»
Mark: «But you can hurt me»

Talente noch und nöcher

Für die Drehbuchautorin und Regisseurin Mina Shum ist Double Happiness 3) nicht der erste Film über den Versuch, in zwei verschiedenen Welten das Glück zu finden. Als Kanada-Chinesin hat sie bereits einen Kurzfilm Me, Mom and Mona unter dieses Thema gestellt und weiss genau, worüber sie filmt. In diesem ihrem ersten Spielfilm kommt denn auch die Verbundenheit voll zum Ausdruck. Immer wieder fängt sie mit Closeups jene Mimik ein, welche die wahren Gefühle zeigt und das gespielte Familienidyll ad absurdum führt. Überhaupt vollführt die von Peter Wunstorf geführte Kamera unter Shums Wirken kleine Wunder. Das Spiel mit Unschärfen etwa. Oder jener explosionsartige Zoom-Out als Jade endlich eine Rolle als Schauspielerin bekommt. All das sind Zeugnisse einer phantasievollen Regiearbeit.

Für einen gelungenen Film reicht allerdings nicht das Auge einer offensichtlich talentierten Regisseurin, die Darstellerinnen und Darsteller müssen das Spannungsfeld auch wirklich aufbauen können. Und sie tun es! Der Teufel steckt wieder einmal im Detail. Sei es die bereits erwähnte Mimik oder die mal selbstsichere, dann wieder devote Körperhaltung von Jade, es stimmt einfach alles. So einfach schön kann Kino sein.

Sven Schwyn

1) Brauchst du mich, Dad?
2) Du bist jetzt auf einem anderen Weg, und es ist ein guter.
3) doppeltes Glück


Angaben zum Film

Titel:Double Happiness
Genre:Studiofilm
Bewertung:**** ½
Länge:90 Min.
Regie:Mina Shum
Drehbuch:Mina Shum
Produktion:Steve Hegyes, Rose Lam Waddell
Kamera:Peter Wunstorf
Musik:Shadowy Men on a Shadowy Planet
Besetzung:Sandra Oh
Stephen Chang (International Rescue, First Blood)
Alannah Ong (Miles to Nowhere, The Accused)
Johnny Mah
Callum Rennie
Verleih:Look Now!


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