Dream with the Fishes (1997)

Terry, Nick und «Fisherman's Blues» von «The Waterboys».


von Serge Zehnder


Es ist schon eine ziemlich nervende Situation, wenn einem die Antwort auf eine Frage so nahe liegt und trotzdem fehlt der entscheidende Funke, der zur Lösung führt. Während der Vorführung von Dream With The Fishes, einem unumwunden schönen Independent-Meisterwerk über eine Männerfreundschaft, ertönt mehrere Male ein Pop-Song mit starkem keltischen Einschlag. Was zuerst wie nach «Levellers» klingt stellt sich später als das oben genannte Lied heraus. Der Grund, welcher mich in diese rätselratende Situation gebracht hat, war ein anderer Männerfreundschafts- Film, das Oscar-vergoldete Drama «Good Will Hunting». Nicht nur sind beide Filme in ihrem Kern sehr ähnlich, sondern enthalten auch jenes Lied auf ihrem Soundtrack. Ist es bei dem von Matt Damon und Ben Affleck geschriebenen Stück nur im Hintergrund zu hören, zieht es sich bei Finn Taylors Debüt durch den gesamten Film und dient somit als musikalisches Hauptthema, das die Kumpanei zwischem dem verklemmten Büromufti Terry (David Arquette «Scream») und dem ausgeflippten Querschläger Nick (Brad Hunt) mit der nötigen musikalischen Grundstimmung versieht.


Terry (Arquette) und Nicks Tante Elise (Cathy Moriarty).

«THEY LIVE!»

Ort der ersten Begegnung der beiden Männer ist eine Brücke, von der sich Terry herunterstürzen will. Eher zufällig schiebt sich Nick hinein und beginnt, den zitternden Terry über die Motive seines bevorstehenden Sprungs auszufragen. Dass Terry Nick schon kennt, da er ihn und seine Freundin Liz (Kathryn Erbe «Kiss of Death») schon öfters beim Sex beobachtet hat, weiss Nick freilich nicht. Die Morbidität der Szene steigert sich, als sich Nick anerbietet, Terry umzubringen. Schliesslich bekommt man nicht jeden Tag die Gelegenheit dazu. Nach einigem Hin und Her willigt Terry ein, und die beiden psychisch labilen Männer beginnen sich langsam anzufreunden. Aus dem vermeintlich «extravertierten Selbstmord» (Quelle: Monty Python) wird vorerst nichts. Stattdessen tut das Duo etwas, dass es schon lange nicht mehr getan habt: Leben!


Sich dem Leben zu stellen hat für Terry ungeahnte Auswirkungen.

EINFACH

«Und das ist alles?» Ja, das ist alles, aber verdammt nochmal, das istviel. Dream With The Fishes macht der Indie-Szene alle Ehre, und beweist, dass es nicht noch ein Homosexuellen-, Missbrauch- oder sonst ein Tabu-Brech-Drama braucht, um die Leinwand leuchten zu lassen. Das Wunderbare hier ist die Einfachheit, mit der zwei wohlbekannte und schon oft gesehene Figuren den Alltag zum Abenteuer machen. Wendungen und ungemein gekonnt proportionierte Stimmungsschwanken lassen den Zuschauer zum himmelhoch-jauchzenden und zu-tode-betrübten Sanguiniker werden, was neben Taylors Regie- und Drehbucharbeit definitiv ein Verdienst des genialen Duos Arquette und Hunt ist. Arquette, von dem man hoffentlich noch mehr hören wird, ist für seine Rolle bestimmt etwas «type-casted» ebenso wie Hunt, und trotzdem entfalten sie Qualitäten, die man speziell bei Arquette noch nie auf diese Weise gesehen hat. Diese Tragikomödie über lebenswertes Leben mag in ihrer Philosophie nichts Revolutionäres sein, dafür wird das Vertraute so erfrischend aufgearbeitet, dass man das Resultat einfach lieben muss.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Dream with the Fishes (1997)
Land:USA
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Finn Taylor
Drehbuch:Jeffrey D. Brown
Finn Taylor
Produktion:Joseph Middleton
Mitchell Stein
Lanai C. Winter
Johnny Wow
Koproduktion:David Arquette
Jeffrey D. Brown
Laurie A. Miller
Ausf. Prod.:Charles Hsiao
John Sideropoulos
Kamera:Barry Stone (I)
Schnitt:Rick LeCompte
Musik:Tito Larriva
Ausstattung:Justin McCartney
Kostüme:Amy Brownson
Besetzung:Roland T. Abasolo
David Arquette
Richmond Arquette
Anita Barone
Allyce Beasley
Gary Brickman
James Carraway
Katherine Copenhaver
Ken Cunningham
Beth Daly
Kathryn Erbe
Orril Fluharty
J.E. Freeman
Peter Gregory (I)
Mark Hager (I)
Michael Halton
Michael Hsiao
Brad Hunt
Alec Ingalls
Felix Justice
Greg Love
George Maguire
Patrick McGaw
Cathy Moriarty
Chris Pay
Nina Peschcke-Koedt
Mike Por
Mike Price (II)
Timi Prulhiere
Kristina Robbins
Jack A. Roe
Sophia Stefanek
Michael Vaughn
Xris
 
Länge:97 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Prod.-firma:3 Ring Circus Films
CH Verleih: Rialto Film


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