Echte Kerle

Mit dem Rausschmiss aus der gemeinsamen Wohnung beginnt für den Hauptkommissar Christoph Schwenk (Christoph M. Ohrt) der Alptraum eines jeden Machos: die Selbstfindung.


Zuvor kommt es aber noch dicker: Die Hotels sind alle überbucht und nach einer Nacht im Auto wird dieses erst noch geklaut. Auch auf dem Kommissariat ziehen Wolken auf, in Gestalt der äusserst selbstbewussten und vielseitig talentierten neuen Kollegin Helen (Carin C. Tietze). Gefrustet lässt Christoph sich vollaufen und wird, bingo, von Edgar abgeschleppt. Der ist für Christoph ein Doppelhammer: Muss sich ausgerechnet ein Schwuler in mich verlieben? Und muss der ausgerechnet Mechaniker sein und gestohlene Autos aufmöbeln?


Sorry, aber ich steh nun mal nicht auf Männer.
Christoph M. Ohrt und Tim Bergmann.

"Männer sind einfach die besseren Menschen."

Von dieser Meinung wird nach der nun folgenden Filmstunde nicht mehr viel übrig sein. Zwar verliebt sich Helen ziemlich offensichtlich in Christoph, aber der hat genug damit zu tun, Edgar und die blöden Sprüche der Kollegen auf Distanz zu halten und ist deshalb zu Beginn auf beiden Augen taub. Erst als die beiden gezwungenermassen über einem Sexkino auf Beobachtungsposten gehen müssen, beginnt es auch bei ihm zu knistern, aber auch hier lassen weitere Problemchen nicht auf sich warten: Der Macho hat Potenzprobleme.

Es geht alles drunter und drüeber. Edgars Garage erfreut sich plötzlich spezieller Beachtung durch die Polizei und so macht sich Christoph gar zum Kriminellen, indem er Edgar beim Verschwindenlassen eines gestohlenen Autos hilft. Die Angelegenheiten lösen sich erst auf, nachdem Amors Pfeil die Polizistenromanze kittet und Edgar sich mit Hetero Christoph ausgesprochen hat. Alles endet einem nicht gerade glaubwürdigen, aber schönen Happy End.


Küss' sie doch! Carin C. Tietze und Christoph M. Ohrt.

"Warum ist es in der Welt so eingerichtet, dass Männer immer zuerst Frösche sind, die man zum Prinzen küssen muss?"

Echte Kerle ist eine turbulente Liebeskomödie, in der alles irgendwie Platz hat: Machos, selbstbewusste Frauen, noch selbstbewusstere Homosexuelle und die alle verbindende Liebe. Wenn es auch etwas viel verlangt würde, dass der der Obermacho Christoph sich entschliesst, schwul zu werden (wie wir aus dem TV wissen, soll das zuweilen vorkommen), für etwas Homoerotik reicht es allemal. Dieses kunterbunde Durcheinander macht den Film sehr lebhaft und süffig. Langweilige Momente gibt es kaum, dafür witzige Dialoge, wie sie in deutschen Produktionen schon fasst zum Muss gehören.

Den Schauspielerinnen und Schauspielern hat der Dreh sichtlich Spass gemacht. Christian M. Ohrt: "Im Gegensatz zu Edgar kriegt der Christoph nämlich wirklich was auf die Fresse. Der muss nachdenken, muss sich ändern." Bleibt zu wünschen, dass ein solcher Denkprozess ansteckend ist, eine Utopie wahrscheinlich.

Sven Schwyn


Angaben zum Film Weitere Informationen gibt es hier.



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