Der Eisbär (1998)

Einmal Amerika und zurück.


von Serge Zehnder


Til Schweiger, Deutschlands amtierender Kassenmagnet, verbrachte seit seinem letzten Hit «Knockin' On Heavens Door» einen Grossteil seiner Zeit in L.A. und schaute den U.S.- Filmzauberern über die Schulter. Geläutert und mit einem Fundus an Impressionen und Wissen kehrte er nach Deutschland zurück, übernahm mit seiner Firma «Mr. Brown Entertainment» (Basierend auf Quentin Tarantinos Figur «Mr. Brown» aus dessen «Reservoir Dogs») die Co- Produktion der Verfilmung und spielte noch die Hauptrolle. Doch dem nicht genug, bewegte es den Mann noch dazu Regie zu führen.
Hat sich Herr Schweiger definitiv von allen anderen deutschen Stars abgehoben? Oder dürfen wir demnächst auch Katja Riemans und Jürgen Vogels Regieanfänge auf der Leinwand bewundern? Dies ist wohl eher unwahrscheinlich, denn Schweiger besitzt einen Sonderstatus, da er sämtliche Qualitäten eines Stars verfügt: eine starke Ausstrahlung, Charme und ein begrenztes schauspielerisches Repertoire, was ihn zum perfekten Protagonisten für einen Film macht, der eben diese Vorzüge verlangt.



EIN SCHWEIGER GEHT UM

Der Eisbär ist ein durchschnittlicher Hollywoodfilm, der von einem Menschen inszeniert wurde, der sämtliche technischen Vorzüge, die die Industrie zu bieten hat, kennt und sie auch geschliffen umzusetzen weiss. Im selben Paket ist auch ein dürftiges Drehbuch vorhanden des Briten Granz Henmann, das aus einem Land (GB) stammt, wo Mr. T(arantino) - zumindest eine Zeit lang - wie eine Gottheit verehrt wurde. Die Fingerabdrücke des Meisters sind auf der durchgestylten Waffe (sprich Plot) auch gut erkennbar. Nicht unintelligent führt Henman das Leben des Killers Eisbär (Schweiger), der Killerin Nico (Karina Krawczyk, elegant jedoch spröde) und zweier versiffter Hohlköpfe (Benno Fürmann und Florian Lukas) in einer Nacht zusammen und verwickelt sie in eine Reihe haarsträubender aber unterm Strich kaum amüsanter Geschichten. Der Flirt zwischen Nico und dem Eisbär, die sich beide nach verpatztem Auftrag in einer Bar treffen, bildet dabei zweifellos das Zentrum (um nicht Herz zu sagen, da hiervon zu wenig vorhanden ist) der Handlung. Was eine spannende und bestimmt berührende Romanze in Moll hätte werden können, wird aufgrund der mehr als dünnen Figuren vertan. Ironischerweise hätten die technischen Voraussetzungen (Bildgestaltung, Ton etc.) gepasst, aber was eben alle «T»- Nachahmer vom Original unterscheidet, ist die Unfähigkeit, den Figuren genug Spielraum und besonders tiefgehende Momente zuzugestehen, damit der Zuschauer nach der Einführung auch ordentlich mitfiebert.
Schweiger hat nicht deutsches Kino der untersten Schublade produziert; seine Fähigkeit scheint allerdngs nicht im Regieführen zu liegen. Aber Fans brauchen diesen unnötigen Figurenkram ja auch nicht, solange seine Verehrtheit in die Kamera lächelt. There's no business...nein, den kennt ihr schon.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Der Eisbär (1998)
Genre:Krimi
Bewertung:
 
Regie:Granz Henman
Til Schweiger
Drehbuch:Granz Henman
Produktion:Vesna Jovanoska
Til Schweiger
Kamera:Greg Littlewood
Schnitt:Alexander Berner
Musik:Henning Lohner
Besetzung:Til Schweiger
Karina Krawczyk
Benno Fürmann
Florian Lukas
Vladimir Weigl
Jürgen Tarrach
Thierry Van Werveke
Robert Viktor Minich
Ralph Herforth
Ralf Richter
Leonard Lansink
Leander Haußmann
August Schmölzer
Willi Thomczyk
Christof Wackernagel
 
Länge:90 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:ena Film
Mr. Brown Entertainment
CH Verleih: Focus Film


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