Emma

Der Bekanntheitsgrad eines Menschen steigt angeblich immer dann an, wenn er bereits gestorben ist. Für Jane Austen, Schriftstellerin von eigenen Gnaden, gilt dies ganz besonders. Seit dem Erfolg von "Sense and Sensibility" hat die englische Lady aus dem Zeitalter der Industriellen Revolution einen enormen Populartitätsschub erhalten.



Die Farben waren bunt, die Figuren schön (blöd) und die Musik fetzte nur so über die Leinwand. Dennoch war die Geschichte fast hundertachtzig Jahre Alt. Clueless hies Amy Hecherlings Sommer-Überraschungshit 1995. Nach Motiven von Jane Austens Roman Emma liess sie MTV-Blondie Alicia Silverstone und Kumpanen im modänene Beverly Hills der Neunziger die Sorgen der Kuppelei und der Liebelei durchleben.


Douglas McGrath, Co-Autor von Woody Allens genialem Mafia-Bühnen-Spektakel Bullets Over Broadway, griff diesen Eheanbahnungsstoff wieder auf und versah ihn mit dem entsprechend historischen Setting. Darin spielt Gwyneth Paltrow Ms. Emma Woodhouse. Eine Kombination von naiver Bauerntölpel und adliger Eleganz, deren Lieblingsbeschäftigung es ist, Menschen aneinanderzubinden. Kaum hat die zwanzigjährige Zartheit ihre Gouvernante (Greta Scacchi) und ihren Nachbarn (James Cosmo) in den Ehehafen befördert, nimmt sie sich schon die nächste arme Seele vor: Harriet Smith (Toni Collette), ein molliges Goldstück, das in Emmas Augen nichts dringender als einen Ehemann benötigt. Vater Woodhouse und der ewige Junggeselle Mr. Knightly (Jeremy Northam) sehen Emmas Treiben indes mit kritischer Miene zu. Und auch das junge Fräulein erkennt bald, dass ihr "match-making" nicht immer gewünscht ist und zuweilen auch ins Unglück führen kann.


Nachthemd und Wonderbra

Wer Heckerlings Clueless gesehen hat, weiss wie charmant und spritzig Austens Erzählung von der Suche nach dem einzig Richtigen ist. So unterscheidet sich die "historische" Emma nur durch ein paar Modifikationen von Heckerlings zeitgemässer Version. Der moderne Rock aus L. A. wurde gegen Rachel Portmans träumerische Melodien eingetauscht und die Minis von Heute sind jetzt O-Ton McGrath: "Eine Mischung aus Nachthemd und Wonderbra", die in den Ballsälen der englischen Herrschaftshäuser präsentiert werden. Ansonsten ist alles beim alten geblieben. Das pikierte Verhalten Emmas findet in Gwyneth Paltrow das treffende Gesicht und einen spielerischen Ausdruck. Debütant McGrath hat sich auf den komödiantischen Aspekt der Story konzentriert, was ihm den Vorwurf einbrachte, er hätte den sozialkritischen Teil der Vorlage nicht berücksichtigt. Sieht man aber, wie Paltrow und Northam durch die ultra-britische Landschaft promenieren, oder "Trainspotting"-Dro(o)gie Ewan McGregor in voller 19. Jahrhundert-Montur auftaucht, wird einem bewusst, dass eine kritische Sicht der Dinge fehl am Platz gewesen wäre.

Grazil fotografiert, treffend besetzt und jedes Detail am richtigen Ort plaziert darf sich Emma wohl als beste aller Austen-Verfilmungen rühmen lassen, zumal McGrath Emma Thompsons Mutter Phyllida Law und ihre Schwester Sophie für seine Adaption gewinnen konnte. Womit die Initiantin dieses Revivals ebenfalls gewürdigt wäre.

Serge Zehnder

Angaben zum Film

Titel:Emma
Genre:Komödie
Bewertung:****.
Länge:111 Minuten
Regie:Douglas McGrath
Drehbuch:Douglas McGrath
Produktion:Steve Haft Patrick Cassavetti
Kamera:Ian Wilson
Musik:Rachel Portman
Besetzung:Gwyneth Paltrow (Seven, Moonlight and Valentino, Malice)
Jeremy Northam (The Net, Carrington)
Toni Collette (Muriels Wedding, The Pallbearer)
Verleih:Frenetic



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