F. est un salaud (1998)

The Doors. Van Morrison. The Rolling Stones. Idole einer neuen Generation im Jahre 1973.


von Thomas Hunziker


Beni (Vincent Branchet) ist einer dieser Jugendlichen, die sich von der Botschaft dieser Musik ein aufregenderes Leben versprechen. So unerreichbar wie die grossen Idole sind, so nahe ist die lokale Rockband «The Minks», deren Leadsänger Fögi (Frédéric Andrau) von Beni abgöttisch verehrt wird. In der Nähe seines Vorbildes fühlt er sich sicher und geborgen. Als Beni die Möglichkeit geboten wird bei den «Minks» als Roadie zu arbeiten, fühlt er sich am Ziel seiner Träume. Unterwürfig nähert sich Beni seinem Helden an und erlebt seine ersten sexuellen Erfahrungen mit ihm. Fögi ermöglicht ihm die Flucht aus seinem Elternhaus. Beni schwebt im siebten Himmel und vermag vor lauter Glückseeligkeit nicht die menschliche Seite und die Schwächen von Fögi erkennen. Fögi zerbricht am Erwartungsdruck seiner Bandmitglieder und sucht einen Ausweg in Alkohol und Drogen, die Liebe Benis vermag ihn nicht stützen.

Drogen und Liebe

Das Verhältnis der beiden Liebenden beginnt sich zu wenden; war Fögi während der ersten Zeit die führende Person, kümmert sich mittlerweile Beni um das Auskommen der beiden. Auf dem Strich verdient er sich das Geld, das ihn und den dahinsiechenden Fögi am Leben erhält. Eine Reise in den Süden soll der Beziehung neues Leben einhauchen, doch die Geschichte erfährt eine schwerwiegende Wende. F. est un salaud basiert auf den 1979 erschienene Roman «Ter Fögi ische Souhung» von Martin Frank, der die Geschichte von Beni und Fögi in berndeutsch schildert. Das Bürgertum war schockiert und empört, die Jugendlichen schlossen den Roman in ihre Herzen und liessen ihn zum Kultbuch avancieren. Fast zwanzig Jahre nach erscheinen des Romans verfilmte nun Marcel Gisler die verrückte Liebesgeschichte mit zwei französischen Hauptdarstellern, die in Zürich ihrem Glück hinterherjagen. Die kleinen Abänderungen führten dazu, dass die Stadt zu einer auswechselbaren Kulisse für ein universelles und zeitloses Beziehungsdrama wurde.

Wer ist hier der Souhung?

Marcel Gisler vermittelt die Gefühle seiner Hauptfiguren zwischen kühler Distanz und unmittelbarer Nähe. Die Entscheidung den Film in französischer Sprache zu drehen, ist darauf zurückzuführen, dass Marcel Gisler mit Frédéric Andrau und Vincent Branchet zwei Darsteller gefunden hatte, die ihre Rollen perfekt ausfüllten und sich dabei ideal ergänzten. Am diesjährigen Filmfestival von Locarno, wo der Film im Wettbewerb gezeigt wurde, gingen sie allerdings alle leer aus. Für Tagediebe erhielt Marcel Gisler 1985 den Silbernen Leoparden und durfte drei Jahre später für Schlaflose Nächte auch noch einen Bronzenen Leoparden mit nach Hause nehmen. Ausgezeichnet wurde F. est un salaud zwar nicht, dafür ist es ein empfehlenswerter Werk Schweizer Filmschaffens, das sicherlich sein Publikum finden wird.
Zum Schluss ein Hinweis für alle «Flip»-Fans: Schauspieler und Musiker Martin Schenkel erhielt auch eine Rolle in Marcel Gislers Film. Leider sind seine Szenen nicht zahlreich genug um über sein dramatisches Talent urteilen zu können.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:F. est un salaud (1998)
Land:Schweiz
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Marcel Gisler
Drehbuch:Marcel Gisler
Rudolf Nadler
(nach einer Vorlage von Martin Frank)
Kamera:Sophie Maintigneux
Schnitt:Bettina Böhler
Musik:Rainer Lingk
Besetzung:Frédéric Andrau
Vincent Branchet
Urs Peter Halter
Martin Schenkel
Jean-Pierre von Dach
 
Länge:92 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Prod.-firma:Vega Film Productions
CH Verleih: Filmcooperative Zürich


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