Fargo

"Dies ist eine wahre Geschichte. Die in diesem Film dargestellten Ereignisse beruhen auf einem Verbrechen, das im Jahre 1987 irgendwo in den USA geschah. Aus Respekt vor den Überlebenden wurden die Namen geändert. Aus Respekt vor den Toten wurde der Rest der Geschichte genau so erzählt, wie sie sich zugetragen hat."



Jerry Lunegaard (William H. Macy) ist Autoverkäufer in der Firma seines stinkreichen, aber in Geldsachen äusserst berechnenden Schwiegervaters Wade Gusafson (Harve Presnell). Ein lukratives Parkplatz-Projekt soll Jerry endlich die auch finanzielle Unabhängigkeit bringen, doch fehlt ihm das Startkapital. Doch er hat einen Plan. Und der ist ...


Unberechenbar und kaltblütig:
Steve Buscemi und Peter Stormare

Eine Nummer zu gross

Über einen Mittelsmann heuert er zwei Kriminelle, den aufgedrehten Carl Showalter (Steve Buscemi) und den wortkargen Gaear Grimsrud (Peter Stormare) an mit dem Auftrag, seine Frau Jean (Kristin Rudrüd) zu entführen. Er spielt ein gefährliches Doppelspiel: Während die beiden Gangster von einem Lösegeld über $80'000 die Hälfte erwarten, will Jerry in Wirklichkeit eine Million von seinem Schwiegervater erpressen. Dass dieser für seine Tochter ohne mit der Wimper zu zucken das Geld herausrücken würde, steht ausser Frage. Doch als Wade das Lösegeld dann auch selbst übergeben will, geraten Jerrys Pläne arg durcheinander. Längst hat er die Kontrolle verloren und wo immer die beiden Kriminellen auftauchen, hinterlassen sie zunehmend rücksichtslos eine blutrote Spur.

Auf die hat sich inzwischen Police Chief Marge Gunderson (Frances McDormand) angesetzt. Mit viel kriminalistischem Gespür tastet sie sich von einer Leiche zur nächsten. Als schliesslich gar die beiden Gangster aneinander geraten, überschlagen sich die Ereignisse.


Auf heisser Spur am heissen Draht:
Frances McDormand

Eine wahre "wahre Geschichte"?

"Mit Fargo wollen wir [erstmals] bewusst den Versuch unternehmen, eine Reihe von Begebenheiten, die sich tatsächlich zugetragen haben, für die Leinwand umzusetzen", meint Regisseur Joel Coen. Und weiter: "Mit Figuren, die auf real existierenden Personen beruhen, und mit einem visuellen Stil, der die Realität reflektieren sollte." Die Coen-Brüder Joel und Ethan (Miller's Crossing, The Hudsucker Proxy) sind bekannt für ihre eigene, unverblümte Art, ihre Drehbücher zu inszenieren. Zweifellos ist diese "realistische Visualisierung" in Fargo gelungen, nur ist das Ergebnis nicht vorbehaltlos jeder und jedem zu empfehlen. Wer sich für diesen Streifen entscheidet, sollte auf mitunter recht explizite Sequenzen gefasst sein. Doch so ist nun mal das Leben. Und dazu gehört auch jener morbide Humor, mit dem Fargo gespickt ist. Freilich, ob die "wahre Geschichte" auch wirklich authentisch ist?

Die Geschichte spielt im tief verschneiten Winter Minnesotas. Joel Coen: "Wir haben uns die Freiheit genommen, die Handlung geographisch zu verlegen." Der Kontrast zwischen der steril-weissen Umgebung und dem Blut der Opfer könnte grösser denn auch kaum sein. Diese Plazierung der Geschehnisse in die Heimat der Coen-Brüder macht die Attraktivität des Filmes aus und gestattet es, die durchgehend spannende Geschichte in ungewöhnlichen, neuen Bildern darzustellen. Allein der Vorspann ist ein kleines Bijou. Die Darsteller/innen, allen voran die mit Joel Coen verheiratete Frances McDormand als Police Chief, bewegen sich überzeugend natürlich inmitten des frostigen Sets.


Will von nichts wissen: William H. Macy
Dass bei Fargo ein nach The Hudsucker Proxy gut eingespieltes Regie-, Produktions-, Kamera- und Castgespann am Werk war, lässt sich am Endprodukt mindestens so gut ablesen, wie an der mit etwa zwei Jahren aussergewöhnlich kurzen Produktionszeit.

Zum Schluss noch eine Randnotiz: TAFKAP-Fans (The Artist Former Known As Prince) seien vor übereilter Euphorie gewarnt. Im Abspann ist nämlich das "Symol" in der Rolle des "Victim in the Field" aufgeführt. Dahinter verbirgt sich jedoch nicht TAFKAP, sondern J. Todd Anderson: "I'm the storyboard artist formerly known as J. Todd Anderson. That's all I can say about that." Das ganze ist als Insider-Witz zwischen Todd und den Coens zu verstehen. TAFKAP kommt nämlich wie die Coen-Brüder aus Minneapolis, Minnesota (Quelle: Dayton Daily News vom 22.3.96).

Sven Schwyn

Angaben zum Film

Titel:Fargo
Genre:Actionfilm
Bewertung:*****
Länge:97 Minuten
Regie:Joel Coen
Drehbuch:Joel und Ethan Coen
Produktion:Ethan Coen, Tim Bevan (exec), Eric Fellner (exec)
Kamera:Roger Deakins, A.S.C./B.S.C.
Musik:Carter Burwell
Besetzung:William H. Macy (Murder in the First)
Frances McDormand (Miller's Crossing, Short Cuts, Primal Fear)
Steve Buscemi (Miller's Crossing, Pulp Fiction, Dead Man)
Peter Stormare (Benny & Joon, Awakenings, Damage)
Verleih:Elite



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