Festen (1998)

Dogma Nr. 1


von Heinz Gnehm


Helge Klingenfelt (Henning Moritzen) wird sechzig Jahre alt und hat seine Familie und Freunde eingeladen, dieses Ereignis in seinem altehrwürdigen Hotel gebührend zu feiern. Die Schatten der Vergangenheit lasten aber schwer auf seinem ältesten Sohn Christian (Ulrich Thomsen) und so nimmt dieses Fest einen etwas anderen Verlauf als vom Tafelmajor (Klaus Bondam) ursprünglich vorgesehen. Der Film des jungen dänischen Regisseurs Thomas Vinterberg ist eine einzige Achterbahnfahrt, gedreht mit einer Handkamera und ohne zusätzliche Beleuchtung. Dies sind zwei der insgesamt zehn Regeln von Dogma 95, einem Schwur der Keuschheit zu dessen vier Unterzeichnern auch Lars von Trier, der Regisseur von «Breaking the Waves», gehört.


Der übermächtige Vater

Die Tischrede

Über Sinn und Zweck solcher Regeln kann man zweierlei Meinung sein, für die Qualität des Films scheinen sie mir aber unerheblich zu sein. Auch «Festen» erzählt nur eine Geschichte und ob diese nun in Buchform, als Dogma-Film Nr. 1 oder mit den Mitteln einer herkömmlichen Hollywood-Produktion daherkommt, wichtig ist doch einzig und allein, dass uns die Geschichte interessiert und bei den Zuschauern Gefühle auszulösen vermag. Wenn Christian in seiner Tischrede dem Vater vorwirft, ihn und seine Zwillingsschwester als Kinder sexuell missbraucht zu haben, ist das zweifelsohne der Fall. Die Gäste reagieren irritiert, die Mutter (Birthe Neumann) nimmt ihren Mann in Schutz und der jüngere Bruder Michael (Thomas Bo Larsen) wirft Christian kurzerhand vor die Tür. Einzig Helene (Paprika Steen) ahnt die schlimme Wahrheit, als sie den Abschiedsbrief der Schwester findet, die vor einem Jahr Selbstmord begangen hat.


Der nachtragende Sohn

Die Kritikerrede

Der Zuschauer wird während des ganzen Films zum Voyeur und Mitwisser dieser Ereignisse gemacht, und gerade hier scheinen mir die Regeln von Dogma 95 am besten zu wirken. Keine Spezialeffekte oder billige Effekthascherei trüben die Suche nach der Wahrheit, stattdessen erzeugt das Wackeln der Kamera und die spärliche Beleuchtung eine Unmittelbarkeit, die in Filmen aus der Illusionsmaschinerie von Hollywood häufig verlorengegangen ist. So ist es nur verständlich, dass «Festen» ohne Happy-End daherkommt und den weiteren Verlauf der Geschichte offenlässt. Das Leben der Familie Klingenfelt wird wohl irgendwie weitergehen, diesen Teil der Geschichte müssen wir uns aber selbst ausdenken.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Festen (1998)
Land:Dänemark
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Thomas Vinterberg
Drehbuch:Mogens Rukov

Thomas Vinterberg
Produktion:Birgitte Hald
Kamera:Anthony Dod Mantle
Schnitt:Valdis Oskarsdóttir
Besetzung:John Boas
Klaus Bondam
Gbatokai Dakinah
Helle Dolleris
Trine Dyrholm
Therese Glahn
Bjarne Henriksen
Thomas Bo Larsen
Linda Laursen
Lasse Lunderskov
Henning Moritzen
Birthe Neumann
Lene Laub Oksen
Paprika Steen
Ulrich Thomsen
 
Länge:105 Minuten
Negativ:Video
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby
Prod.-firma:Nimbus Film A/S

Danmarks Radio Television (DR TV)

SVT Drama
CH Verleih: Filmcooperative Zürich


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