Fish and Chips (The Van)

Ein Film, der nicht nur die Herzen der Heimweh-Iren höher schlagen lässt.



Barrytown, Nord Dublin. Hier im insulanen Spannungsfeld zwischen Arbeitslosigkeit und Guinness spielt die Trilogie des irischen Erfolgsautors Roddy Doyles1). An den Erfolg von Alan Parker Doyles' Verfilmung des ersten Teils The Commitments konnte Stephen Frears mit seiner Inszenierung von Teil zwei The Snapper bereits ebenso erfolgreich anknüpfen. Dem doppelt er jetzt mit der letzten Episode The Van (in der Schweiz: Fish and Chips) nach.


Und alle dürfen probieren müssen.

Schnelles Geld mit schnellem Futter

Dezember 1989: Larry (Colm Meaney) ist arbeitslos. Dasselbe Schicksal ereilt nun auch Bimbo (Donal O'Kelly), der sich damit aber nicht einfach so abfinden will. Und so kommt ihm eines Tages beim Anblick eines Imbisswagens die Idee, selbst einen solchen rollenden Grill aufzuziehen, gemeinsam mit Larry. Nach viel Putzarbeit und einer nicht immer angenehmen Vorkosterei ist es endlich soweit: In einem aufgetakelten alten Kleinbus geht "Bimbo's Burgers" auf Jungfernfahrt.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 1990. Die Fussball-WM läuft auf vollen Touren und ebenso die Iren, die scheinbar von niemandem ­ und schon gar nicht von den innigst geliebten Engländern ­ zu stoppen sind. Auf dieser Welle der Hochstimmung reitet auch "Bimbo's Burgers" nach oben und ist bald schon nicht mehr aus Barrytown wegzudenken. Doch es beginnen sich auch dunkle Wolken am Horizont zu zeigen: Larry nimmt die Sache immer öfter auf die leichte Schulter, während Bimbo zunehmend Chef-Allüren zeigt. Diese Situation schaukelt sich bis ins Groteske hoch und gipfelt schliesslich mit dem Besuch des Lebensmittel-Inspektors in einem Fiasko. The Van droht die Freundschaft zu zerstören, eine Entwicklung, die Bimbo nicht länger in Kauf nehmen will.


"He's gas sometimes!"
Donal O'Kelly (l) über Colm Meaney (r)

Guten Apetitt

Die meisten Szenen von Fish and Chips wurden in Kilbarrack, einem jener Vororte Dublins, die längst mit der Stadt verwachsen sind, gedreht. Dieses authentische Umfeld und die nicht minder glaubwürdige Besetzung, allen voran mit dem wohl bekanntesten irischen Schauspieler Colm Meaney, lassen die Zuschauenden keinen Moment daran zweifeln, das hier das wirkliche Leben erzählt wird. Die Dialöge, mal witzig, mal sarkastisch, sind eine der Stärken von Autor Roddy Doyles, und die Tatsache, dass er als Co-Produzent dem Regisseur Stephen Frears bei der Umsetzung in bewegte Bilder zur Seite stand, macht sich ebenfalls positiv bemerkbar. Die Geschichte ist aus einem Guss und selbst die so ausgesprochen irische Menschlichkeit schafft den Sprung auf die Leinwand.

Das i-Tüpfelchen ist die Filmmusik. Unverkennbar die Gitarre des Altmeisters Eric Clapton schon beim Vorspann. Fish and Chips, ein Genuss für Aug, Ohr und Herzchen.

Sven Schwyn

1) Auf Deutsch erschienen im Ullstein-Verlag.

Angaben zum Film

Titel:Fish and Chips (The Van)
Genre:Komödie
Bewertung:****.
Länge:100 Minuten
Regie:Stephen Frears (The Snapper, Dangerous Liaisons)
Romanvorage und Drehbuch:Robby Doyle
Produktion:Lynda Myles, Roddy Doyle (co), Mark Shivas (exec)
Kamera:Oliver Stapleton
Musik:Eric Clapton, Richard Hartley
Besetzung:Colm Meaney (The Commitments, The Snapper, Last of the Mohicans, TV: Star Trek NG, DS9)
Donal O'Kelly
Ger Ryan (The Commitments, The Courier, Moll Flanders)
Caroline Rothwell (The Courier, No Flowers)
Verleih:Filmcooperative Zürich


Copyright © 1996 Filmcoopi (Bilder)
Copyright © 1996 CineNet (Text)