Fly Away Home

Rettungsaktionen für Tiere sind meistens gross organisierte Unternehmungen, die von Umweltschutzparteien durchgeführt werden. Dass solche Hilfestellungen für die Natur auch privat geleistet werden, kommt eher selten vor, ist aber nicht ausgeschlossen, wie Carrol Ballards neuester Film beweist.



Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt die dreizehnjährige Amy Alden (Anna Paquin) zu ihrem Vater Thomas (Jeff Daniels) zurück. Bartwüchsig und alternativ stellt er Eisenskulpturen her und geht in seiner Freizeit dem Traum vom Fliegen nach. Altertümliche Tragflächenobjekte schweben regelmässig über die grüne Farm, die von Traktoren und Rodungsmaschinen umgeben ist. Der Bau eines geplanten Wohnprojekts steht bevor. Thomas und seine Freundin Susan (Dana Delany) versuchen, dem mit allen Mitteln entgegenzuwirken. Amy schottet sich in dieser Welt von künstlerischem Geist und ökologischem Engagement zusehens ab. Susans Versuche, sich mit dem kleinen Mädchen anzufreunden, prallen an der Erinnerungswand der verstorbenen Mutter ab. Erst als sie ein Nest Gänse-Eier findet, die von der Gänse-Mutter der Lärmmaschinerie wegen verlassen wurde, erwacht sie aus ihrem Trauerschlaf und beginnt sich um die waisen Tiere zu kümmern.

Eine alte Kommode und eine Lampe fördern die jungen Gänse schon bald zu Tage und der Schwarm beginnt, den Haushalt der Aldens in Bewegung zu setzen. Da Amy das erste Wesen ist, das die Gänse zu Gesicht bekommen, verleitet ihr Instinkt die Kleinen zu der Annahme, dass Amy ihre Mutter sei. Um ihre Tiere vor dem staatlichen Zugriff des Flügelstutzens zu bewahren, entwickelt Amy zusammen mit ihrem Vater einen haarsträubenden Plan, der die Zugvögel in südliche Gefilde bringen soll.


Öko-Message dezent aufgetragen

Selten war ein amerikanischer Kinderfilm so sparsam mit Dialogen und dezent, was seine Message anbelangt. Grosse Reden über die Erhaltung einer Art werden weiträumig ausgeblendet. Die Geschichte selbst und die Tatsache, dass sich das Abenteuer wirklich so ereignet hat, sprechen für sich selbst. Regisseur Carrol Ballard und sein Kameramann Caleb Deschanel beschränken sich in den ersten zwanzig Minuten ganz auf die bildliche Verarbeitung der Erlebnisse Amys, die Anna Paquin verhalten, manchmal mit dem rebellischen Ton eines pubertierenden Mädchens spielt. Als Gegenstück zum gängigen Kinderstar wirkt die Dreizehnjährige in ihrer Professionalität wie eine Erwachsene. Nach der altbekannten Regel, nie mit Tieren oder Kindern zu arbeiten, begnügen sich Jeff Daniels und Dana Delany mit den fürsorgerischen Parts der rationalen bzw. irrationalen Elternfiguren.

Schön fotografiert, gut gespielt und mit erstaunlich präzisen Effekten ist Fly Away Home eine moderne Variante der Ikarus-Sage. Der Traum vom Fliegen wird mit Hilfe neuester Technik wahr. Temporeich und humorvoll entstand für einmal ein Familienfilm, der weder versucht, banal zu blödeln, noch seine Moral monumental einzutrichtern.

Serge Zehnder

Angaben zum Film

Titel:Fly Away Home
Genre:Kinderfilm
Bewertung:****.
Länge:108 Minuten
Regie:Carroll Ballard
Drehbuch:Robert Rodat und Vince McKewin nach der Autobiographie von William Lishman
Produktion:John Veitch und Carol Baum
Kamera:Caleb Deschanel
Musik:Mark Isham
Besetzung:Anna Paquin (The Piano, Jane Eyre)
Jeff Daniels (Speed, Dumb and Dumber)
Dana Delany (Light Sleeper, Houssitter)
Verleih:20th Century Fox



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