Fools Rush In (1997)

So schnell kann es manchmal gehen. Man kennt sich kaum, doch nach einer angemessenen Kennenlernphase steht man in Las Vegas, der Stadt allen Heiratens, vor dem Traualtar mit Elvis als Trauzeugen.


von Serge Zehnder


Regisseur Andy Tennant beschäftigt sich bei Fools Rush In mit den Konsequenzen eines überstürzten Ja-Worts, indem er zwei Menschen aus unterschiedlichen Kulturen in einen Haushalt bringt.

Den Narren und hilflosen Romantikern sei dieser Film gewidmet. Wie schön und kompliziert die Liebe auf den ersten Blick und mit anschliessender Blitzheirat sein kann, führen uns die junge Mexikanerin Isabel (Salma Hayek) und der aufsteigende Ostküsten-Geschäftsmann Alex (Matthew Perry) vor. In einer Warteschlange vor der Toilette eines Latino-Restaurants verfallen einander zwei Menschen, deren Herkunft sehr unterschiedlich ist. Streng religiös erzogen glaubt Isabel an die unumstössliche Macht des Schicksals und an Zeichen, die einem den Weg durchs Leben weisen. Realistisch und ohne falsche Illusionen hält sich Alex indes an seinen Job.

Der Bau eines grossen In-Clubs ist ihm unterstellt worden, und sollte er diese Hürde überwinden, winkt ein noch grösseres Geschäft, mit dem sich der junge Senkrechtstarter profilieren kann und angemessen abkassieren will. Dass ihm seine Traumfrau das gut durchgeplante Leben ziemlich durcheinanderbringt, scheint ihn anfangs nicht zu stören. Erste Bedenken tauchen jedoch auf, als die obligaten Familientreffen beginnen. Der «Gringo» muss sich mit den Gegebenheiten Mexikos und speziell mit dem Vater Isabels (Tomas Milian) anfreunden. Jagdausflüge mit äusserst stacheligem Ausgang gehören ebenso zur aztekischen Familieneingliederung wie Isabels farbenfrohe Dekoration eines öden Mittelstandshauses. All das und ausserdem Isabels Schwangerschaft versucht Alex vor seinen oberschichtigen und oberlangweiligen Eltern zu verbergen.



Krieg der Clans

Diese «Heimlichtuerei» führt unweigerlich zum ersten grossen Knall innerhalb der Sippschaft. Durch das überraschte Auftauchen von Alex' Eltern (Jill Clayburgh und John Bennett Perry) wird die Wahrheit erzwungen. Ein anfänglicher Streit zwischen den Jungvermählten wird rasch beigelegt, nur um wieder neu zu entfachen, als die Schwiegereltern die Arena betreten. Konservativ anglikanisch trifft auf konservativ mexikanisch. Das Neurosenpack vom «Central Park» pocht auf die Werte ihrer europäischen Vorfahren, dafür beanspruchen die Latinos ihren Teil der Hochzeitstorte ­ plus was so eine Schwangerschaft mit sich bringt. Unter diesen Umständen das Kriegsbeil zu begraben ist entsprechend schwer. Kaum vorstellbar, dass die liebliche Isabel noch nicht einmal die ganze Wahrheit über Alex' zukünftige Pläne kennt.



Und wer hätte das gedacht?

Salma Hayek, Robert Rodriguez Endeckung für sein Sequel Desperado, zeigt, was für eine klasse Schauspielerin sie ist. Man darf es zugeben: Um ihre Schönheit und Ausstrahlung dreht sich der ganze Film. Ob wütend, weinend oder breit lächelnd: Nach dem eher unterdurchschnittlichen Film Fled und ihrem teuflischen Tanz in From Dusk 'till Dawn darf sich Hollywood an einer jungen Akteurin erfreuen, die das feurige Temperament des südlichen Nachbarn der U.S.A. mit voller Wucht spielt, ohne dabei aufgesetzt zu wirken.

So ganz aus dem Nichts kam diese Leistung natürlich nicht. Katherine Rebacks Drehbuch und die dezente Regie Andy Tennants, über dessen bisherige Arbeiten wir uns hier ausschweigen, sind genauso für die geglückte Darstellung Hayeks verantwortlich, wie auch Matthew Perry, der seine drei Friends für einmal verlassen hat und hier vielleicht sogar das Sprungbrett von der Flimmerkiste auf die Leinwand gefunden hat. Seine Rolle ist denkbar einfach. Auch ist der gesamte Film mit Klischees (verklemmte New Yorker-Yuppies, jähzornige «Chicanos») vollgestopft ist. Der schwelgerischen Romantik tut dies aber keinen Abbruch. Nach einem überhitzten Tag in Büro oder Freibad, wenn mann und frau sich zu zweit in ein vollklimatisiertes Lichtspieltheater setzen will, bietet Fools Rush In ein wunderschönes und nicht unrealistisches Märchen, bei dem Händchenhalten unbedingt dazugehört.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Fools Rush In (1997)
Land:USA
Genre:Liebesfilm
Bewertung:
 
Regie:Tennant, Andy
Drehbuch:Taylor, Joan
Reback, Katherine
Produktion:Draizin, Doug
Saeta, Steven P.
Koproduktion:Davis, Anna Maria
Ausf. Prod.:McDonnell, Michael
Kamera:Greenberg, Robbie
Schnitt:Bondelli, Roger
Musik:Silvestri, Alan
Ausstattung:Pisoni, Edward
Kostüme:Tillman, Kimberly A.
Besetzung:Betancourt, Anne
Clayburgh, Jill
DeSantis, Stanley
Fallon, Siobhan
Gómez, Carlos
Hayek, Salma
Milián, Tomás
Newman, Andrew Hill
Perry, John Bennett
Perry, Matthew L.
Shively, Debby
Snyder, Suzanne
Tenney, Jon
Broderick, Beth
 
Länge:109 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Coloriert)
Ton:SDDS
Prod.-firma:Columbia Pictures
CH Verleih: 20th Century Fox


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