Four Rooms

1 Hotel, 1 Bellhop, 4 Kurzgeschichten


Ein Hexenbund - Psychosex - Babysitting - und eine grausame Wette

Four Rooms beschreibt die Nachtschicht eines Hoteldieners im einem (ehemals) noblen Hotel, dem Mon Signor in Los Angeles. Silvester in L.A. Der arme Theodor (er bevorzugt, "Ted" genannt zu werden) nimmt seinen ersten Arbeitstag in Angriff, gelangt aber nach und nach in Situationen, welche er "can't possibly begin to explain", also nicht ansatzweise zu erklären vermag. Was soll ich dann sagen? :)

Es handelt sich um vier Geschichten von vier Regisseuren. Was sie verbindet, ist nur dasselbe Hotel, derselbe Bellboy und dieselbe Nacht (oh, Jennifer Beals kreuzt unerwartet in einer zweiten Geschichte kurz auf). Die vier Schöpfer sind Freunde, wie sie sagen, unabhängige amerikanische Filmemacher, und jede der kleinen Episoden trägt auch ihren unnachahmlichen Stil. Allen voran Quentin Tarantino, dessen Kurzgeschichte allerdings den Abschluss des Film bildet. Anders, Rockwell, Rodriguez und Tarantino haben ein amüsantes Werk geschaffen, das für Fans des einen oder anderen Directors auch witzige Details bereithält. Erstaunlich ist die hohe Anzahl von Stars, die hier mitgewirkt haben. Werden Sie alle erkennen?

Alles beginnt mit Allison Anders Episode

The missing Ingridient

(Die fehlende Zutat)

In der "Honeymoon Suite" haben sich ein paar leibhaftige Hexen eingemietet, die sich auf eine Zeremonie vorbereiten. Es geht um die Reinkarnation einer Erotik- Göttin (Diana, die Stripdancerin). Wie bei jeder "Hexensuppe" werden dazu Zutaten benötigt, und jede der schönen Hexen hat einen "Lebenssaft" beizutragen. Eva, der neuen Hexe im Bunde, ist es jedoch nicht gelungen, die unverzichtbare Samenflüssigkeit beizusteuern. Aber da ist ja noch Ted...

The wrong man von Alexandre Rockwell

(Der falsche Mann)

Im Zimmer 404 geht es weiter. Ted stolpert mitten in einen Alptraum aus Finsternis und Gewalt. Sigried (David Proval, Romeo is Bleeding) empfängt ihn mit einer entsicherten 357er Magnum und zerrt ihn ins Zimmer. Seine wunderschöne Frau (Jennifer Beals, Flashdance, übrigens die Frau des Regisseurs) sitzt gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl. Er versucht, sich höflich herauszuhalten, aber Sigfried meint es todernst, und Ted ist im Zugzwang.

In diesem komischen Liebesritual werden Herzattacken als "Liebesbeweis" gelten und die Protagonisten eine Gratwanderung begehen, auf welcher der nächste Schritt in die Hölle oder den Himmel führt.

Weiter geht es mit Robert Rodriguez'


The Misbehaviours

(Die Strolche)

Antonio Banderas (Never Talk to Strangers) spielt hier einen knallharten Macho und Familientyrann. Mit finsterer Miene macht er sich ausgehfein, seine Frau (Tamlyn Tomita, The Joy Luck Club und Babylon 5) erduldet und bewundert ihn, die Kinder Juancho und Sarah hält er mit stahlhartem Blick in Schach.

Als ihm einfällt, dass sich Silvester ja ohne die lieben Kleinen besser feiern lässt, zwingt er den sich sträubenden Ted mit viel Geld und bösen Worten dazu, als Babysitter einzuspringen. Doch die unschuldig aussehenden Lieblinge entpuppen sich als ausgewachsene Terroristen, und Ted muss seine altmodischen Vorstellungen von Milch und Keksen schleunigst revidieren: innerhalb kürzester Zeit haben sie den Pornokanal gefunden, sehen fern, rauchen, trinken Champagner und spielen Darts mit einer gefundenen Injektionsspritze.

Ganz im Stile von Roberto Rodriguez ("El Mariachi") endet die Partie mit einer Leiche, obwohl alles als Familienkomödie angefangen hat. Ein pikantes Detail: Während einigen Einstellungen läuft im TV Bedhead, ein preisgekrönter Film, den Rodriguez mit seinen Geschwistern gedreht hat.

Zu guter Letzt gerät der arme Ted in die Fänge von Quentin Tarantino und einer grausamen Wette in

The Man from Hollywood (Tarantino)

Der gute Q.T. spielt den Schauspieler Chester Rush gleich selber. Es ist eine Hommage an Alfred Hitchcock. Eine Story, wie sie in Twilight Zone vorkommen kann. Ein paar besoffene Idioten haben gerade die "Hitchcock Show" gesehen und versuchen in ihrem Stumpfsinn, ihre eigene Show auf die Beine zu stellen. Peter Lorre geht in der Vorlage, Der Mann aus Rio. eine teuflische Wette mit Steve McQueen ein.

Und Ted wundert sich, weshalb er Eis, Fäden, Nägel, Hackstock und ein BEIL in das Penthouse bringen soll...


Fazit: Es ist schön, einen Film mal nicht als Konkurrenzprodukt zwischen Regisseuren zu sehen, sondern als ein Projekt unter Kumpels. Was dabei herausgekommen ist, ist zwar absurd, aber sehr unterhaltsam und für die Fans der jeweiligen Episodendreher und -dreherin ein Muss. Anders lässt die "Säfte fliessen", Rockwell kitzelt die Nerven, Rodriguez verunstaltet ein Zimmer ohne den Gebrauch von Schusswaffen oder Dynamit (!) "Ich sagte mir Alex, Quentin und ich würden sicher jeder auf ihre Weise das Zimmer in die Luft sprengen. Und da habe ich mich für die Komödie entschieden.", und Tarantino verbindet all dies in seiner wild gestikulierenden Art.

Die Überraschung des Streifens ist für mich allerdings Tim Roth, der als schlaksiger und tolpatschiger Bellboy Ted die unglaublichste Nacht seines Lebens verbringt. Das soll also der gleiche sein, der in Q.T.'s Reservoir Dogs als "Mr. Orange" agiert?! Oder "Pumpkin" mal ganz anders...

Bemerkenswert die Vielzahl an bekannten Schauspielern:
Als Hexen treten u.a. auf: Valeria Golino (Rain Man), Madonna (Dick Tracy), Lili Taylor (Arizona Dream), Ione Skye (Gas, Food, Lodging) und Alicia Witt. Neben Tim Roth (Pulp Fiction) setzen sich Antonio Banderas (Desperado), Paul Calderon, Jennifer Beals (Devil in a Blue Dress), Marisa Tomei (Only You), Sammi Davis, David Proval (The Shawshank Redemption), und Bruce Willis (Die Hard) in Szene.

Angaben zum Film

***½. Robert Michl
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