Ghost In The Shell (1995)

DIE MASCHINE IM MENSCHEN


von Serge Zehnder


Vom Undergroundstatus zur weltweiten Popularität: Die japanischen «Manga»-Comics haben sich langsam auch in der westlichen Kultur breitgemacht. Seit dem durchschlagenden weltweiten Erfolg von «Akira», der sich vom Festivalrenner zu einem der beliebtesten Stoffe in Video und Comic-Läden rund um den Globus entwickelt hat, sind die Zeichenkünste aus dem Land der aufgehenden Sonne neben den Marvel und DC-Comic-Universen zum festen Bestandteil dieses eigenwilligen Schriftgut geworden. Mamoru Oshiis Umsetzung von Masamune Shirows revolutionärem Ghost In the Shell ist zum einen ein sehr typisches «anime» (korrekte Bezeichnung für «Manga»-Filme, Manga selbst sind nur die Bücher) und widerspricht gleichzeitig den besonders in Europa bekannten Konventionen: viel Action, Blut und absurde Gestalten. Das Gemisch aus «Blade Runner», «Terminator» und «Robocop» (um es mit einigen westlichen Begriffen zu verdeutlichen) durchbricht jegliche Action und führt den Zuschauer in ein poetisches futuristisches Hong Kong, wo der Neon den Zerfall beleuchtet und ein akribisch gezeichneter Wind die Sünden wegbläst, damit der Regen alles reinwaschen kann.


Cyborgs in Hong Kong

MEDITATION AUF DEM DATENHIGHWAY

Bezüglich der Handlung lässt sich nicht viel herauskristallisieren. Der böse «Puppet Master» ein unauffindbarer Hacker, schleicht sich in die Gehirne einiger Cyborgs, um sie für seine Zwecke zu benutzen. Die Ausgangslage beinhaltet Elemente, die auch schon von Hollywood in verschiedenste Farben und Geschmäcker umgesetzt wurden. Ghost In The Shell vermag es jedoch, den allseitsbekannten Roboter- und Maschinenmenschen-Philosophien durch fernöstliche Meditation, die sich in elegischen Bild- und Ton-Arrangements verdeutlicht, neue Aspekte abzugewinnen, die einzig auf ihre japanische Herkunft zurückzuführen sind. Nicht nur haben Cyborgs Träume und Gefühle sondern auch die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Oshii und Masamune erreichten damit ein Level, das von den wenigsten japanischen Zeichentrickkünstlern erreicht wurde: vom Pop-Kulturellen Medium zu gefühlvoll-schelgerischer Literatur zu gelangen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Ghost In The Shell (1995)
Genre:Trickfilm
Bewertung:
 
Regie:Mamoru Oshii
Drehbuch:Kazunori Itoh
Masamune Shirow
Produktion:Laurence Guinness
Makoto Ibuki
Mitsuhisa Ishikawa
Ken Iyadomi
Yoshimasa Mizuo
Yasushi Sukeof
Shigeru Watanabe
Hiroshi Yamazaki
Ausf. Prod.:Andy Frain
Teruo Miyahara
Takashi Mogi
Kamera:Hisao Shirai
Schnitt:Shuichi Kakesu
Musik:Kenji Kawai
Ausstattung:Takashi Watanabe (II)
 
Länge:85 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Kodansha
Manga Entertainment
Bandai Visual


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