The Glimmer Man

Töten ist gegen seine buddhistische Ader, aber man kann ja mal eine Ausnahme machen, oder auch zwei, oder drei bis vier, oder ...



Eine Serie von brutalen, offenbar von der Kreuzigung Christi inspirierten Morden versetzt ein aussergewöhnlich regnerisches L.A. in Angst und Schrecken. Zur Aufklärung der Verbrechen wird eigens ein Cop aus N.Y. eingeflogen: Jack Cole (Steven Seagal) ist aber kein gewöhnlicher Bulle. Er kommt nicht nur wie ein postmoderner buddhistischer Mönch daher, sondern verkündet seinem neuen Partner Jim Campbell (Keenen Ivory Wayans), dass Töten gegen seine Religion verstosse ­ nachdem er wenigstens ein Dutzend Russenmafiosi mehr oder weniger zu Tode geprügelt hat.


"Töten ist gegen meine Religion"
Steven Seagal

Ziemlich unspannend ...

Im Zuge der Ermittlungen wird Cole plötzlich vom Jäger zum Gejagten, zumal er mit einem der Morde in Verbindung gebracht werden kann. Seine düstere Vergangenheit, wie sich später herausstellen sollte als Killer von CIA Gnaden, lässt auch Campbell zweifeln. Doch als die Drahtzieher hinter den Morden, die nur auf den ersten Blick auf einen Geistesgestörten deuten, die Fahnder auf ihre Abschussliste setzen, inszeniert das Duo Cole/Campbell ihren eigenen Kleinkrieg mit den obligaten Knalleffekten und dem ebenso obligaten Showdown: "You don't look like you're going to wake up happy now." Wie originell.

Im klassischen "Ich bin gut und die sind böse"-Stil geschrieben und gedreht, vermag der Actionfilm The Glimmer Man kaum zu Begeistern: Die Geschichte ist denkbar einfach und entsprechend durchschaubar; und die Zeiten, in denen Kampfszenen oder die Flambierung eines Tanklastwagens noch beeindruckt haben, sind auch schon seit ein paar 4. Julis vorüber. Das, wie hier geschehen, simple Aneinanderreihen von Schrecksekunden schliesslich erzeugt angesichts der Kadenz an die Wand genagelter Leichen keine Spannung, sondern wirkt hochgradig abstossend.


Handkantenmassage à la Seagal

... und mässig mittelmässig

Dass der Streifen einigermassen erträglich wird, ist einzig das Verdienst von Keenen Ivory Wayans und dessen Wortwitz, wenn er etwa seine ausgebrannte Wohnung vor dem Partner rechtfertigt: "Yes, I bought all this stuff after the riots." Dieser Humor scheint zuweilen sogar auf Steven Seagal überzuspringen und ihm einen Hauch von Menschlichkeit zu verleihen.

Für Seagal-Fans, und bitte nur für sie, ist dieser Film aus einem ganz anderen Grund ein Muss. Ihr Idol hat nämlich nicht nur wie in früheren Filmen mitproduziert und die Kampfszenen choreographiert, sondern beim Komponieren und Einspielen des Soundtracks gleich selbst in die Saiten gegriffen.

Sven Schwyn

Angaben zum Film

Titel:The Glimmer Man
Genre:Actionfilm
Bewertung:**. . .
Länge:91 Minuten
Regie:John Gray
Drehbuch:Kevin Brodbin
Produktion:Steven Seagal, Julius R. Nasso, Michael Rachemil (exec)
Kamera:Rick Bota
Musik:Trevor Rabin, Steven Seagal
Besetzung:Steven Seagal (Under Siege, Executive Decision)
Keenen Ivory Wayans (I'm Gonna Git You Sucka)
Bob Gunton (The Shawshank Redemption, JFK)
Brian Cox (Braveheart, Kiss the Girl)
Verleih:Warner Bros.



Copyright © 1996 Warner Bros. (Bilder)
Copyright © 1996 CineNet (Text)